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Vier-Tage-Woche: Wie produktiv ist das Arbeitsmodell wirklich?

Vier-Tage-Woche: Wie produktiv ist das Arbeitsmodell wirklich?
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Theresa Müller am 16.12.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Vier-Tage-Woche: Wie funktioniert sie?
  2. Neues Arbeitszeitmodell: Warum die 40-Stunden-Woche verabschieden?   
  3. Work-Life-Balance beeinflusst die Jobwahl     
    1. Vier-Tage Woche im Praxistest
    2. Ergebnis: Vier-Tage-Woche erhöht Produktivität  
  4. Vier-Tage- Woche: Positiver Effekt auf Firmenumsatz
  5. Risiken der Vier-Tage-Woche   
    1. Gefahr der Überlastung bei einer Vier-Tage-Woche
  6. Fazit: Vier-Tage-Woche ist kein Allheilmittel  

Jede Woche einen Tag früher ins Wochenende starten – bei gleichem Gehalt. Für Arbeitnehmer klingt die Vier-Tage-Woche traumhaft. Doch bei Arbeitgebern ruft sie oft Skepsis hervor. Warum sollten Sie sie einführen? Können Sie bei geringerer Arbeitszeit tatsächlich die gleichen Ziele erreichen? Arbeiten Sie vielleicht sogar produktiver? Was für Risiken gibt es?   

Vier-Tage-Woche: Wie funktioniert sie?

Sie arbeiten in einem Nine-To-Five Job an fünf Tagen in der Woche? Dann geht es ihnen wie vielen in Deutschland. Und bestimmt haben Sie dann den Wunsch nach mehr Freizeit. Die Vier-Tage-Woche ermöglicht Ihnen das. Sie haben statt fünf nur noch vier Arbeitstage in der Woche, ein Tag ist frei.   

Sehr oft ist der neue freie Tag der Freitag – sodass sich das Wochenende um einen Tag verlängert. Das Gehalt bleibt in der Regel gleich. Unterschiede gibt es bei der Regelung der Arbeitszeit. Entweder wird sie um einige Stunden verringert oder die anderen vier Arbeitstage werden länger.

Neues Arbeitszeitmodell: Warum die 40-Stunden-Woche verabschieden?   

Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass die 40-Stunden-Woche gar nicht so produktiv ist wie vielleicht gedacht. Australische Forscher haben zum Beispiel ermittelt, dass kognitive Fähigkeiten abnehmen, wenn man mehr als 25 Stunden pro Woche arbeitet.

Außerdem soll es sich negativ auf die Gesundheit auswirken, wenn man zu wenig Zeit für sein Privatleben hat. Kein Wunder also, dass mittlerweile viel über moderne Arbeitszeitmodelle gesprochen wird. Heißt es bald 40-Stunden-Woche ade?

Work-Life-Balance beeinflusst die Jobwahl     

Wenn es nach den Arbeitnehmern geht – soll wohl so schnell wie möglich die 40-Stunden-Woche abgeschafft werden. Denn diese legen immer mehr Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Vor allem die Generation Y, also die, die zwischen 1980 und den späten 1990er Jahren geboren wurden. Sie wollen ausreichend Zeit für ihr Privatleben haben. Und streben nach mehr Flexibilität im Job.

Natürlich spielt dies auch bei ihrer Jobwahl eine Rolle. Sie bevorzugen Unternehmen, die zum Beispiel flexible Arbeitszeiten oder Home Office anbieten. Arbeitgeber geraten unter Zugzwang, schließlich wollen sie die jungen Talente für sich gewinnen.      

Vier-Tage Woche im Praxistest

Mehr Freizeit und mehr Flexibilität – das klingt nach vielen Vorteilen für Arbeitnehmer. Die Arbeitgeber fragen sich natürlich: Wie wirkt sich das auf mein Unternehmen aus? Kann man bei verkürzter Arbeitszeit genauso produktiv oder sogar produktiver sein? Um das herauszufinden, machen immer mehr Unternehmen den Praxistest – beispielsweise Microsoft. Vier Wochen lang hat der Software-Hersteller die Vier-Tage-Woche ausprobiert.

Und das ausgerechnet in Japan. Im internationalen Vergleich machen die Japaner am meisten Überstunden. Es gibt sogar Menschen, die dort durch zu viel Arbeit zu Tode gekommen sind. Ein bekannter Fall war 2017 die Journalistin Miwa Sado. Die Japaner haben auch ein eigenes Wort für den Tod durch Überarbeitung: Karoshi.

Ergebnis: Vier-Tage-Woche erhöht Produktivität  

Neben der neuen Arbeitszeitregelung beschränkte Microsoft Meetings auf 30 Minuten hielt öfters Videokonferenzen ab. So sollte mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben geschaffen werden. Mit Erfolg: Microsoft gab auf seiner Webseite bekannt, dass sich die Produktivität in der Testphase um 40 Prozent gesteigert habe.

Außerdem konnten Betriebskosten, wie Stromverbrauch und Papierverbrauch, reduziert werden. Und auch den Mitarbeitern schien die Regelung zu gefallen: In einer Befragung des Unternehmens gaben 92 Prozent an, dass ihnen die Vier-Tage-Woche gefalle.

Vier-Tage- Woche: Positiver Effekt auf Firmenumsatz

Auch der österreichische Naturkosmetik-Hersteller Unterweger machte positive Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche. Das Unternehmen reduzierte nicht nur die Arbeitstage, sondern auch die Wochenarbeitszeit von 38 auf 36. Lohnkürzungen gab es nicht.

Das Erstaunliche: Der Umsatz und die Produktivität blieben nicht nur konstant, sie stiegen sogar an. Seit Ende 2017 ist die Vier-Tage-Woche fest im Unternehmen etabliert.   

Weitere Vorteile der Vier-Tage-Woche:

  • Mehr Zeit für Familie und Freunde.
  • Mehr Zeit für Hobbys, private Verpflichtungen und sportliche Aktivitäten.
  • Durch längere Wochenenden sind eher Kurzurlaube möglich. 
  • Reduzierung der Fahrtkosten, da nur noch an vier Tagen zur Arbeitsstelle gefahren werden muss.
  • Das Wohlbefinden steigt aufgrund einer ausgewogeneren Work-Life-Balance.

Risiken der Vier-Tage-Woche   

Klingt nach einer Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Es gibt eine Risiken, die Sie nicht unterschätzen dürfen. Das erklärt vielleicht auch, warum das Modell in Deutschland noch nicht häufig vorkommt.

Ein Problem ist, dass das Modell auf den ersten Blick verlockend wirkt und in einer Testphase vielleicht gut funktioniert. Das ist aber keine Garantie, dass es auch langfristig klappt. Die Erfahrung hat zum Beispiel das Unternehmen Treehouse gemacht, dass 2015 eine Arbeitswoche mit 32 Stunden eingeführt hat. Heute sieht das Unternehmen diesen Schritt als Fehler an.   

Gefahr der Überlastung bei einer Vier-Tage-Woche

Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Tag weniger Zeit pro Woche, um alle Aufgaben zu erledigen. Aber gleichzeitig reduziert sich Ihr Aufgabenberg nicht. Auf einmal haben Sie mit einer höheren Arbeitsbelastung zu kämpfen, obwohl Sie doch eigentlich nur mehr Freizeit wollten.

Dieser zusätzliche Stress kann sich auf Ihre Gesundheit auswirken. Die Gefahr von Burnout und anderen psychischen Erkrankungen kann durch die Verringerung der Arbeitszeit also steigen.

Nachteile der Vier-Tage-Woche:

  • Der Urlaubsanspruch reduziert sich von mindestens 20 auf 16 Tage.
  • Wird die Wochenarbeitszeit nicht verringert, muss an den verbleibenden vier Tagen oft mehr als acht Stunden gearbeitet werden. Das kann gesundheitliche Folgen, aber auch Schwierigkeiten, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, mit sich bringen.
  • Durch eine erhöhte Arbeitszeit pro Tag verringert sich an den Arbeitstagen auch die Zeit für das Privatleben. Alle privaten Pflichten und Erledigungen müssen auf den freien Tag gelegt werden und können nicht auf mehrere Tage verteilt werden. Ein Hetzen von Termin zu Termin ist vorprogrammiert.
  • Ein Unternehmen muss eventuell mehr Mitarbeiter einstellen, damit es weiterhin rund um die Uhr erreichbar ist.
  • Das Modell ist nicht in allen Branchen umsetzbar, beispielsweise Produktion, Krankenhäuser oder auch Journalismus.          

Fazit: Vier-Tage-Woche ist kein Allheilmittel  

Einen Tag mehr frei pro Woche – das klingt ziemlich verlockend. Wenn dann das Unternehmen gleichzeitig auch noch mehr Umsatz und Produktivität erzielt, dann scheinen alle Problem gelöst. Aber wie erwähnt: Vorsicht! Das Modell bringt auch einige Risiken, wie eine steigende Arbeitsbelastung, mit sich und ist nicht automatisch ein Allheilmittel. Ob es funktioniert, hängt immer auch von dem Unternehmen ab.

Machen Sie es doch wie Microsoft. Führen Sie eine Testphase durch, werten Sie durch eine Befragung oder ähnliches aus, wie das Modell bei Ihren Mitarbeitern ankommt und entscheiden Sie danach, ob Sie es langfristig einführen. Falls nicht: Eine andere Möglichkeit ist es, die tägliche Arbeitszeit auf sechs Stunden zu reduzieren und die Fünf-Tage-Regelung beizubehalten. Probieren Sie einfach aus, was besser zu Ihnen passt. 

Bild: Theresa Müller
Theresa Müller (7 Artikel)

Theresa Müller hat Journalismus im Bachelor und Kommunikationsmanagement im Master in Bielefeld studiert. Bereits während des Studiums war sie für Tageszeitungen, Zeitschriften und in verschiedenen Online-Redaktionen als freie Mitarbeiterin tätig. Auch sammelte sie bereits Erfahrungen im Marketing- und PR-Bereich. Nun arbeitet sie als Online-Redakteurin und verfasst für karrieretipps.de Artikel rund um die Themen Berufsstart, moderne Jobwelt und Büroknigge. Schreibt sie mal gerade nicht, dann ist sie oft im Reitstall anzutreffen - hoch oben im Sattel.

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