- Die Arbeitsorganisation von heute ist ein Auslaufmodell
- Der Arbeitnehmer 4.0
- Führung 4.0
- Im Fokus: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Viele Tätigkeitsbereiche wurden erweitert. Hat sich ein Elektriker bisher eher mit Steckdosen und Lampen befasst, rückt das Smart Home immer mehr ins Zentrum dessen Arbeit. Unternehmen werden neu organisiert, alte Strukturen durch moderne abgelöst. Aufgebrochene Hierarchien, flexible Arbeitszeiten, aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf rücken immer weiter in den Fokus. Selbstbestimmtes Arbeiten. Das wünschen sich die meisten Arbeitnehmer. Die Möglichkeit von Home Office, eines Sabbaticals oder von Familienzeit werden zu Bedingungen, die viele Angestellte an ihre Arbeitgeber stellen. Die fortschreitende Vernetzung und die ortsunabhängige Verfügbarkeit von Daten machen diese Freiheiten für immer mehr Arbeitnehmer möglich. Die Arbeit 4.0 ist auf dem Vormarsch.
Die Arbeitsorganisation von heute ist ein Auslaufmodell
Starre Arbeitszeiten, antiquierte Hierarchien und eine unerschütterliche Präsenzkultur. So sieht der Arbeitsalltag in vielen deutschen Unternehmen aus. Wenn es darum geht, die Organisationsstrukturen in einem Betrieb auf den neusten Stand zu bringen, machen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Vorteile der Digitalisierung nur selten zu Nutze. Der technologische Fortschritt hat längst Einzug in verschiedene Arbeitsabläufe und Arbeitsweisen gehalten. Auch die Aufgabenbereiche diverser Berufe werden erweitert. Alles scheint dem Trend Digitalisierung zu Folgen. Alles außer eins: die Arbeitsorganisation.
Dabei ist der klassische Betrieb ein Auslaufmodell. Häufig betreiben Arbeitgeber mehr als nur ein Unternehmen, es gibt immer mehr betriebs- oder sogar länderübergreifende Arbeitsgruppen, und die Arbeit unterschiedlicher Arbeitnehmer und auch externer Teams wird immer mehr verzahnt. Aus diesem Grund bedarf es längst neuer arbeitsrechtlicher Gesetze, die auf solche Veränderungen eingehen. Denn selbst wenn Arbeitgeber auf diese neue Arbeitsweise eingehen möchten, so fehlt es ihnen an konkreten Richtlinien und gesetzlichen Bestimmungen. Eins ist dennoch sicher: Der Aufbau von Arbeitsstrukturen wie wir ihn kennen, wird schon bald Geschichte sein.
Der Arbeitnehmer 4.0
Der Arbeitnehmer 4.0 ist sowohl zeitlich, als auch was seinen Einsatzort angeht sehr flexibel. Wechselnde Teams, wechselnde Auftraggeber oder Führungskräfte, und auch wechselnde Arbeitsorte stellen kein Problem dar. Denn mit der fortschreitenden Technik müssen Arbeitnehmer immer mehr Bereitschaft zeigen, modernen Arbeitsprozessen zu folgen. Jahrelange Zusammenarbeit in einem alt eingesessenen Team wird abgelöst durch ständig wechselnde Arbeitsgemeinschaften, die nicht nur unternehmens- sondern auch länderübergreifend zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter arbeiten auch nicht mehr von Anfang bis zum Ende an einem Projekt, sondern können kompetenzbezogen nach wenigen Wochen in einem anderen Projekt eingesetzt werden. Arbeit 4.0 erfordert im höchsten Maße Flexibilität. Doch die Art der Arbeit bringt nicht nur jede Menge Herausforderungen mit, sondern bietet auch viele Chancen!
Führung 4.0
Führungsaufgaben werden immer mehr projektbezogen bestimmt. Ein Unternehmen entscheidet immer wieder aufs Neue, welche Person einen bestimmen Arbeitsprozess überwachen soll und für ein konkretes Projekt verantwortlich ist. Mit jedem Projekt kann die Führung also wechseln. Dabei wird immer die Person als Führungskraft bestimmt, die für das einzelne Projekt und dessen Anforderungen am kompetentesten erscheint. Gleichzeitig wird individuell ermittelt, welche konkreten Führungsaufgaben ausgeführt werden sollen. Arbeit 4.0 bedeutet, dass Führung weniger statisch, dafür eher kompetenz- oder funktionsbezogen wird.
Im Fokus: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Klassische Arbeitsverhältnisse haben ausgedient. Genauso wie die Stechuhr. Eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Arbeiten wird im Zukunft immer wichtiger, um Fachkräfte innerhalb eines Unternehmens halten zu können. Auch das projektorientierte Arbeiten rückt immer mehr in den Fokus. Jeder Arbeitnehmer kann damit seine eigenen Kompetenzen am besten einsetzen. Eine der wichtigsten Anforderungen an die Arbeit 4.0 ist allerdings die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
In der heutigen Gesellschaft ist es immer noch gängige Praxis, dass nach der Geburt eines Kindes der Vater ganz normal weiter in Vollzeit arbeitet, und die Mutter entweder gar nicht, oder nur ca. 24 Stunden pro Woche arbeitet. Die Mehrheit der Arbeitnehmer wünschen sich laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dass sich beide Elternteile sowohl die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, als auch die Fürsorge für das gemeinsame Kind teilen können. Dafür sind neue gesetzliche Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes notwendig. Diese sind zwar in Arbeit, stecken aber noch in den Kinderschuhen.
Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt entstehen neue, mobile Formen der Arbeit. Diese bilden das Grundgerüst einer viel besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Home Office. Dies wird von etwa 22% der Arbeitnehmer genutzt. Die Arbeit von zu Hause kann über einen Firmenlaptop erfolgen, ist in hohem Maße selbstbestimmt und bietet den Arbeitnehmern viele Freiheiten. Die Mitarbeiter sind dadurch nicht nur zufriedener mit ihrem Job, sondern auch dankbar für diese Möglichkeit, ihr Privatleben so gut mit der Arbeit unter einen Hut bringen zu können. Durch den Wegfall vom langen Arbeitsweg im Berufsverkehr und die dadurch gewonnene Zeitersparnis, sind Arbeitnehmer auch viel produktiver, weil dadurch ein alltäglicher Stressfaktor schonmal eliminiert wird. Es gibt zahlreiche Argumente für das Home Office. Was dafür allerdings notwendig ist, ist ein Kulturwandel in vielen Unternehmen. Weg von der Präsenzkultur, hin zu einem selbstbestimmten Arbeiten.
Die größte Hürde der Arbeit 4.0 stellen momentan gar nicht die Arbeitgeber dar, die ihren Mitarbeitern weniger Freiheiten einräumen wollen, sondern tatsächlich die fehlenden gesetzlichen Vorschriften. Damit sind Arbeitgebern die Hände gebunden. Das Arbeitsrecht muss nun an die Digitalisierung, und die damit verbundenen Veränderungen der Arbeitsgestaltung Rücksicht nehmen und neue Gesetze verabschieden. Erst dann können immer mehr Arbeitnehmer die Vorteile genießen, die der technologische Fortschritt mit sich bringt. Der Traum vom selbstbestimmten Arbeiten könnte dann für Viele zur Realität werden.