karrieretipps.de Karriere Lean Startup: Schnell kompakte Geschäftsmodelle entwickeln

Lean Startup: Schnell kompakte Geschäftsmodelle entwickeln

Lean Startup: Schnell kompakte Geschäftsmodelle entwickeln
© Jacob Lund | shutterstock.com
Theresa Müller am 07.04.2020 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Lean Startup: Was ist das?
  2. Woher kommt die Lean-Startup-Methode?
  3. Wie funktioniert Lean Startup?
  4. Lean Startup: Was ist der Build-Measure-Learn-Zyklus?
    1. Der Zyklus besteht aus drei Phasen:
  5. Lean Startup: Die Vorteile
  6. Lean Startup: Die Nachteile
  7. Wie können große Unternehmen von Lean Startup profitieren?
  8. Lean Startup: 4 Methoden in der Praxis
    1. SMED: Zeit sparen
    2. 5S-Methode: Effiziente Arbeit fördern
    3. Wertstromanalyse: Zeitverschwendung minimieren
    4. Business Model Canvas: Kompakter Businessplan

Ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen ist in der Regel ein langwieriger und komplizierter Prozess. Trotzdem schießen immer wieder kleine Start-ups wie Pilze aus dem Boden. Und viele von ihnen feiern innerhalb kürzester Zeit große Erfolge. Wie ist das möglich? Einige schwören auf die Lean-Startup-Methode. Sie soll Flexibilität und Erfolg möglich machen. Wie funktioniert sie und wie können auch Sie diese Strategie für Ihr Unternehmen nutzen? Wir erklären es Ihnen!

Lean Startup: Was ist das?

Die Lean-Startup-Methode ist ein Ansatz, mit dem Unternehmen gegründet und Geschäftsideen entwickelt sowie umgesetzt werden können. Und zwar schnell und kostengünstig. Prozesse werden bewusst schlank gehalten. Das verrät übrigens schon der Name: „Lean“ lässt sich mit „schlank“ übersetzen. Wenn man also ein Startup gründet, kann man mit Lean Startup schnell überprüfen, ob die eigene Geschäftsidee und das Produkt marktfähig ist oder nicht. So soll idealerweise die Wahrscheinlichkeit zu scheitern minimiert werden.

Woher kommt die Lean-Startup-Methode?

Wenn es um innovative Methoden geht, fällt einem meistens sofort ein ganz besonderer Ort ein: Das Silicon Valley. In der Region im südlichen San Francisco in Kalifornien haben zahlreiche Firmen Ihren Ursprung, die sich von kleinen Start-ups bis hin zu Weltkonzernen entwickelt haben. Bekannte Beispiele sind Apple, Facebook und Google.

Auch das Lean-Startup-Prinzip stammt aus dieser Region. Silicon-Valley-Unternehmer Eric Ries hat es 2009 ins Leben gerufen. Er selbst hat die Erfahrung macht, dass jahrelange Forschung und Weiterentwicklung einer Geschäftsidee nicht den Erfolg garantiert. So scheiterte er bei der Markteinführung eines Produktes kläglich. Warum? Er hatte die Bedürfnisse der Nutzer seines Produktes falsch eingeschätzt. Aus diesen Erfahrungen schuf er das Lean-Startup-Modell. Die Grundlagen der Methode beschrieb er in seinem Buch „The Lean Startup“, das 2011 erschienen ist und sich bis heute sehr erfolgreich verkauft.

Wie funktioniert Lean Startup?

Bei Lean Startup geht es grundlegend darum, Prozesse zusammenzufassen und so zu vereinfachen.
Wer nach Lean Startup arbeitet, der entwickelt ein Produkt nicht vollständig, was unter Umständen Jahre dauert, und führt es erst dann in den Markt ein. Ziel ist es, so schnell wie möglich in den Markt einzusteigen. Das macht man mit einem Prototypen, der zwar in Grundzügen der Geschäftsidee entspricht, aber bei Weitem noch nicht vollständig entwickelt ist. Diesen Prototypen nennt man auch MVP (Minimum Viable Product oder auch minimal funktionsfähiges Produkt).

Ist der MVP auf dem Markt, holt man sich Nutzerfeedbacks ein. Anschließend verändert man den Prototypen dementsprechend und lässt die Kunden erneut testen. Dieser Vorgang wiederholt sich wieder und wieder. So wird das Produkt immer wieder weiterentwickelt und passt sich immer weiter den Bedürfnissen des Nutzers an.

Lean Startup: Was ist der Build-Measure-Learn-Zyklus?

Der Build-Measure-Learn-Zyklus ist die Basis des Lean-Startup-Konzepts und beschreibt genau den sich immer wiederholenden Ablauf, der im vorherigen Absatz bereits erklärt wurde.

Der Zyklus besteht aus drei Phasen:

  • Build (Bauen): Ein Prototyp wird entwickelt. Als Grundlage dafür dient die bereits bestehende Geschäftsidee.
  • Measure (Messen): Der Prototyp (MVP) wird auf dem Markt getestet. Man holt sich Feedback aus einem Nutzertesting.
  • Learn (Lernen): Man analysiert die Erkenntnisse aus dem Nutzertesting und lernt daraus. Das bedeutet, dass man neue Ideen generiert, um den Prototypen weiterzuentwickeln.

Dieser Zyklus wiederholt sich ständig in genau dieser Reihenfolge, sodass das Produkt kontinuierlich so gut wie möglich an die Wünsche und Bedürfnisse des Nutzers angepasst ist. Möglich sind auch sogenannte „Pivots“. Das bedeutet, dass eine Strategie völlig neu ausgerichtet wird, nachdem das Kundenfeedback ergeben hat, dass die bisherige Strategie nicht marktfähig ist.

Lean Startup: Die Vorteile

Der schlanke Prozess, um ein Produkt einzuführen, bringt einige Vorteile mit sich:

  • Kosten für den Prototypen sind viel geringer als bei einer jahrelangen Entwicklung bis zum fertigen Produkt. Auch wird weniger Zeit und Arbeitskraft benötigt.
  • Durch das Testen erhält man wertvolle Kontakte zu potentiellen Nutzern. Gerade für Startups interessant, die sich noch ein Netzwerk aufbauen müssen.
  • Durch das frühe Feedback wird die Gefahr reduziert, dass man an einem Produkt arbeitet, dass keiner haben möchte.
  • Durch das Feedback der Nutzer erhält man ganz neue Impulse, auf die man alleine vielleicht nicht gekommen wäre. Und irrelevante Annahmen werden schnell korrigiert.
  • Startups haben eine Argumentationsgrundlage gegenüber Investoren, denn sie können begründen, warum sie ihr Produkt so entwickelt haben. Entscheidungen wurden nicht „aus dem Bauch heraus“ getroffen.

Lean Startup: Die Nachteile

Auch wenn es viele Vorteile gibt, ein Produkt nach der Lean-Startup-Methode einzuführen, gibt es trotzdem auch kritische Stimmen dazu. Sie argumentieren folgendermaßen:

  • Es besteht die Gefahr, dass endlos getestet und weiterentwickelt wird. Das Produkt wird nie „fertig“. Laut der Kritiker kann das genauso anstrengend für ein Team sein wie eine langwierige Produktentwicklung, die nie endet.
  • Kritiker argumentieren außerdem, dass die Prototypen, unfertig auf den Markt kommen und deswegen langfristig sich nicht gegen die Konkurrenz behaupten können.
  • Viele Kreditgeber verlangen einen vollständigen Businessplan, bevor sie investieren. Das heißt, dass sie verlangen, dass im Vorfeld bereits sämtliche Entwicklungen durchgeplant werden. Das lässt sich mit Lean Startup nicht einfach vereinbaren.

Erfolgreiche Beispiele für Lean Startup

Trotz einiger kritischer Stimmen gibt es Beispiele, die belegen, dass Lean Startup funktionieren kann.

  • Dropbox: Mittlerweile ist Dropbox ein weltbekannter Webspeicher für Dateien, die man leicht per E-Mail verschicken kann. Zu Beginn haben die Gründer einfach nur eine Landing Page entwickelt, auf der ein Video zu sehen war. Man konnte sich mit seiner E-Mail-Adresse anmelden, wenn man eine zweite Version von dem Video haben wollte.
  • Twitter: Ursprünglich hieß Twitter mal Odeo und wollte sich auf Podcasts fokussieren. Damals kündigte iTunes an, ebenfalls in diesen Markt einzusteigen. So schwenkte Twitter um: Aus Odeo wurde der Kurznachrichtendienst twttr und später dann Twitter. Ein gutes Beispiel für einen Pivot, also der Neuausrichtung der Unternehmensstrategie.
  • Android: Ursprünglich startete Android mal als Software-Lösung für eine Digitalkamera. Durch Testings erkannte das Unternehmen, dass der Markt dafür viel zu klein ist und das Smartphone viel mehr Potenzial hat. So wurde aus Android eines der bekanntesten Betriebssysteme für Smartphones.

Wie können große Unternehmen von Lean Startup profitieren?

Das Lean-Startup-Konzept zielt darauf ab, Produkte erfolgreich in den Markt einzuführen, indem man sie an Nutzern testet und von diesen lernt. Das heißt aber nicht, dass nur Startups die Methodik nutzen können. Auch große, etablierte Unternehmen können profitieren. Denn auch sie führen regelmäßig neue Produkte in den Markt ein. Und der Druck dabei ist hoch. Die Kunden erwarten innovative Produkte und Dienstleistungen. Die Unternehmen müssen diese Erwartungen erfüllen, wenn sie langfristig weiterhin am Markt bestehen bleiben wollen. Der Druck wird durch ansteigenden Wettbewerb noch erhöht.

Genau den Nerv der Kunden zu treffen, ist nicht nur für Startups, sondern genauso für große Unternehmen von Interesse. Schließlich wollen auch sie nicht viel Geld in etwas investieren, das hinterher keinen Erfolg hat. Hinzu kommt, dass sich Kundenbedürfnisse rasant schnell ändern – ähnlich schnell wie neue digitale Technologien heutzutage auf den Markt kommen oder wieder verschwinden. Da haben Unternehmen schlichtweg einfach keine Zeit, erst fünf Jahre an einem neuen Produkt zu feilen. Wenn es dann auf dem Markt erscheint, kann es längst zu spät sein.

Lean Startup: 4 Methoden in der Praxis

Wie mit Lean Startup Produkte eingeführt werden können, ist eindeutig. Allerdings kann man das Konzept auch auf andere Arbeitsbereiche übertragen. Hier gibt es zahlreiche Methoden. Zum Beispiel die folgenden fünf:

SMED: Zeit sparen

Die Abkürzung SMED steht für „Single Minute Exchange of Die“. Gemeint ist damit ein zügiges Umrüsten in sehr kurzer Zeit. Mit dieser Methode sollen durch organisatorische und technische Maßnahmen Rüstzeiten an Maschinen verkürzt werden sollen. Es soll Zeitverschwendung durch langwierige Wartungen vermieden werden.

5S-Methode: Effiziente Arbeit fördern

Sortieren, systematisieren, saubermachen, standardisieren, Selbstdisziplin. Das sind die fünf Schritte der 5S-Methode. Sie sollen helfen, einen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass Mitarbeiter ungestört und so effizient wie möglich arbeiten können.

Wertstromanalyse: Zeitverschwendung minimieren

Bei der Wertstromanalyse sollen tatsächliche Abläufe bildlich dargestellt werden. So wird leichter deutlich, an welchen Stellen man Prozesse, zum Beispiel in der Produktion, noch optimieren und Zeitverschwendung minimieren kann.

Business Model Canvas: Kompakter Businessplan

Ein Business Modell Canvas ist eine Möglichkeit, einen sonst sehr umfangreichen Businessplan auf einer Seite darzustellen. Das Konzept einer Geschäftsidee wird so übersichtlich dargestellt. Außerdem ist es jederzeit anpassbar und flexibel, was auf einen mehrseitigen Businessplan nicht zutrifft.

Bild: Theresa Müller
Theresa Müller (7 Artikel)

Theresa Müller hat Journalismus im Bachelor und Kommunikationsmanagement im Master in Bielefeld studiert. Bereits während des Studiums war sie für Tageszeitungen, Zeitschriften und in verschiedenen Online-Redaktionen als freie Mitarbeiterin tätig. Auch sammelte sie bereits Erfahrungen im Marketing- und PR-Bereich. Nun arbeitet sie als Online-Redakteurin und verfasst für karrieretipps.de Artikel rund um die Themen Berufsstart, moderne Jobwelt und Büroknigge. Schreibt sie mal gerade nicht, dann ist sie oft im Reitstall anzutreffen - hoch oben im Sattel.

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