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Verlängerung der Probezeit: geht das einfach so?

Verlängerung der Probezeit: geht das einfach so?
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Tanja Tänzer am 05.02.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Die Probezeit - was hat es mit ihr auf sich?
  2. Warum sollten Sie einer Verlängerung der Probezeit zustimmen?
  3. Verlängerung der Probezeit - ist das möglich?
  4. Die Verlängerung der Probezeit - möglich, aber nicht immer sinnvoll

Bei dem Einstieg bei einem neuen Arbeitgeber oder in die Ausbildung spielt die Probezeit für alle Beteiligten eine wichtige Rolle. Wie der Name schon sagt, ist man in dieser Zeit eigentlich nur ein Arbeitnehmer oder Azubi auf Probe. Beide Seiten haben in diesem Zeitraum die Möglichkeit, dass sie ohne Angabe von wichtigen Gründen eine Kündigung mit einer entsprechend kurzen Frist einreichen. Zwar hat der Gesetzgeber festgeschrieben, wie lange die Probezeit bei einem neuen Vertrag gestaltet sein darf, allerdings gibt es inzwischen eine Vielzahl von Ausnahmen. Ab wann ist eine Verlängerung der Probezeit möglich?

Die Probezeit - was hat es mit ihr auf sich?

In vielen Fällen ist die Probezeit vor allem für den Arbeitgeber ein geschätztes und wichtiges Mittel. Er kann in diesem Zeitraum nicht nur relativ unverbindlich die Fähigkeiten von neuen Mitarbeitern prüfen, sondern sich auch Gedanken über eine Verpflichtung im eigenen Betrieb machen, ohne dass die strengen Vorschriften für Kündigungen im Weg stehen. Der Umstand, dass die Probezeit in der Regel mit einer Frist von vier oder zwei Wochen beendet werden kann. Wichtig ist dabei vor allem, dass der Arbeitgeber, im Gegensatz zu einer normalen Kündigung, keine wichtigen oder betriebsbedingten Gründe für die Kündigung angeben muss. Es kann schon ausreichen, dass ein Mitarbeiter nicht die in ihn oder sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat.

Natürlich gibt es in der Theorie auch noch die Ansicht, dass die Probezeit für den Arbeitnehmer wichtig ist. Die Praxis zeigt jedoch, dass in der Regel kaum ein Arbeitnehmer jemals von seinem Recht für die Kündigung in der Probezeit gebraucht macht. Ihm stehen ohnehin gesonderte Kündigungsfristen ohne einen wichtigen Grund zur Verfügung. Daher ist die Probezeit und somit auch die Verlängerung eben dieser Testphase zumeist alleine für den Arbeitgeber ab dem Moment der Einstellung ein wichtiges Mittel, wie er seine neuen Mitarbeiter im Zweifel wieder einfach kündigen kann.

Warum sollten Sie einer Verlängerung der Probezeit zustimmen?

Es ist natürlich auf den ersten Blick nicht im Interesse des Arbeitnehmers einer Verlängerung der Probezeit zuzustimmen. In der Praxis entstehen ihm auf diese Weise nur Nachteile: Er ist noch länger in einem unsicheren Zustand über seine Position, hat meist kaum Anspruch auf die Umsetzung seiner Urlaubsansprüche und kann zudem für eine weitere Zeit sehr einfach und mit kurzen Fristen gefeuert werden. Der Alltag in der Unternehmenswelt zeigt jedoch, dass es manchmal ohne eine wirkliche Alternative ist, einer solchen Verlängerung von beiden Seiten zuzustimmen. Das sind die entsprechenden Szenarien:

  • Die bisherige Zusammenarbeit lief noch nicht wie erwünscht. Trotzdem sind beide Seiten in der Position, an der sie das Verhältnis noch nicht beenden wollen. Statt einer direkten Kündigung wäre die Verlängerung eine gute Maßnahme.
  • Die wirtschaftliche Situation des Arbeitgebers erfordert Flexibilität. Auch hier ist statt einer normalen Kündigung eine Zustimmung zur Verlängerung zu bevorzugen.
  • Für bestimmte Projekte kann es sinnvoll sein, wenn man weiterhin beschäftigt bleibt. Die Probezeitverlängerung ist die einfachste und am wenigsten bürokratische Methode.

Für den Arbeitnehmer ist es also besonders dann sinnvoll einer solchen Verlängerung zuzustimmen, wenn die Alternative die normale Kündigung wäre. In der verlängerten Phase gibt es noch einmal die Möglichkeit, dass die Zusammenarbeit geprüft wird und am Ende vielleicht doch zu dem nötigen Erfolg führt.

Verlängerung der Probezeit - ist das möglich?

Generell sieht der Gesetzgeber nicht vor, dass die Probezeit einfach so verlängert wird. Die meisten Unternehmen setzen in ihren Verträgen ohnehin die maximale Dauer von sechs Monaten fest, wenn es um die Probezeit ihrer Mitarbeiter geht. Danach würde ganz automatisch der normale Kündigungsschutz einsetzen und somit fällt der entscheidende Vorteile für den Arbeitgeber weg, der mit einer Probezeit verbunden ist. Es gibt jedoch Maßnahmen und Umgehungen, wie es am Ende trotzdem möglich ist, dass beide Parteien sich auf eine Verlängerung einigen. Dies ist, wie oben erklärt, manchmal auch im Sinne des Mitarbeiters. Die folgenden Maßnahmen stehen dabei zur Verfügung:

  • Befristung: Nach dem Ende der Probezeit geht der Arbeitnehmer direkt in ein befristetes Arbeitsverhältnis über. Effektiv kann dies die Verlängerung einer Probezeit sein und ein weiterer Test, ob ein Arbeitnehmer in das Unternehmen passt.
  • Erweiterte Kündigung: Zwar muss die Kündigung in der Probezeit ausgesprochen werden, sie muss aber nicht in dieser umgesetzt werden. Mit einem Termin in der Zukunft entsteht die Möglichkeit die Probezeit zu verlängern und im Zweifelsfall die Kündigung zu widerrufen.
  • Aufhebungsvertrag: Auch der gemeinsame Aufhebungsvertrag mit einem fest definierten Zeitraum in der Zukunft funktioniert wie das Beispiel der oben genannten erweiterten Kündigung.

Während dies theoretische Möglichkeiten sind, wie die Probezeit verlängert werden kann, setzen sich Arbeitgeber damit einem gewissen Risiko aus. Bisher ist die Rechtsprechung rund um die Probezeit nicht einheitlich und es kommt vor verschiedenen Gerichten zu unterschiedlichen Beurteilungen der Situation. Entsprechend sollte hier genau geprüft werden, ob sich das juristische Risiko für diese Situation lohnt.

Die Verlängerung der Probezeit - möglich, aber nicht immer sinnvoll

Am Ende muss natürlich auch der Arbeitnehmer entscheiden, ob er sich einer solchen Situation aussetzen möchte. Wenn es bereits in den ersten sechs Monaten nicht funktioniert hat, dürfte es in der Regel auch nicht viel bringen, wenn man sich weitere Zeit der Ungewissheit aussetzt. In jedem Fall kann es bei einem solchen Angebot sinnvoll sein, wenn die Zukunft im Unternehmen ausführlich besprochen wird. Wird dabei kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt, ist es vielleicht sinnvoller für beide Parteien, wenn sie sich auf die Suche nach einem neuen Unternehmen und nach einem anderen Mitarbeiter für die entsprechende Position machen.

Bild: Tanja Tänzer
Tanja Tänzer (52 Artikel)

Tanja Tänzer hat Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign Hochschule in Berlin studiert. Während Ihres Studiums hat sie bei verschiedenen Internetunternehmen im Bereich Content Management und Redaktion gearbeitet. Seit kurzem unterstützt Sie das Team von karrieretipps.de mit täglich knackig frischen News und Artikeln für unsere Leserschaft.

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