- Business Trend Transparenz – Erwartungen vs. Realität
- Das Transparenz Paradoxon
- Raus aus der Transparenz Falle: Der perfekte Mix aus Transparenz und Privatsphäre
- 1. Das Publikum klein halten
- 2. Private Zeitfenster eröffnen
- 3. Zeitlicher Abstand zwischen Beobachtung und Feedback
FazitWie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Sie beobachtet oder kontrolliert werden? Verhalten Sie sich einfach weiterhin so, als wenn Sie unbeobachtet wären? Oder werden Sie misstrauisch? Wie ist es eigentlich am Arbeitsplatz, wenn Ihnen Ihr Chef plötzlich über die Schulter schaut? Wie viel Transparenz und Kontrolle aus der Führungsetage ist sinnvoll, und wann geht diese nach hinten los?
Der Trend geht immer mehr dazu über, Büroräume und Arbeitsplätze offener zu gestalten. Dies soll für mehr Transparenz im Arbeitsalltag führen. Ironischer Weise bewirken solche Maßnahmen häufig genau das Gegenteil. Ein natürlicher Instinkt ist es vermutlich, der dem Menschen signalisiert: Du wirst beobachtet, also versteck dich! Beobachtet hat das Ganze der Harvard Professor Ethan Bernstein. Genannt hat er es: Das Transparenz Paradoxon. Was genau das ist, und warum Führungskräfte ihre Mitarbeiter weniger kontrollieren sollten, erfahren Sie hier!
Business Trend Transparenz – Erwartungen vs. Realität
Das Wort Transparenz scheint momentan in aller Munde zu sein. Transparenz sei wichtig und ohne diese können die Arbeitsabläufe innerhalb eines Unternehmens gar nicht funktionieren, heißt es. Zu einem gewissen grad stimmt das auch. Arbeitgeber, die mit unterschiedlichen Maßnahmen versuchen, mehr Transparenz in ihren Betrieb zu bekommen, erhoffen sich dadurch beispielsweise, dass Ideen offener miteinander geteilt werden, Sorgen direkt besprochen, und Probleme schneller gelöst werden. In verschiedenen Untersuchungen stellten Wissenschaftler allerdings immer wieder fest: ein transparentes Arbeitsumfeld, dass durch mehr Kontrolle erzielt wird, ist nicht unbedingt ein besseres Arbeitsumfeld. Was beim Business Trend Transparenz leider häufig komplett außer Acht gelassen wird, ist Folgendes: Privatsphäre ist sehr wichtig. Arbeitnehmer fühlen sich sicherer und können bessere Leistungen erbringen, wenn Sie sich nicht nur ungestört, sondern auch unbeobachtet fühlen.
Das Transparenz Paradoxon
Der Harvard Business School Professor Ethan Bernstein hat sich mit dem sogenannten Transparenz Paradoxon befasst. Er konstatiert, dass Arbeitnehmer sich anders benehmen wenn sie wissen, dass sie weder kontrolliert noch beobachtet werden. Sobald also der Chef seine Mitarbeiter überwacht, drosseln diese ihre Produktivität, ganz zu Lasten des Einfallsreichtums und der Kreativität. Anstatt also mit einem kreativen Lösungsansatz an ein neue Herausforderung zu gehen, entscheiden sich Arbeitnehmer die sich von ihrem Chef beobachtet fühlen eher für einen konservativen Lösungsweg. Risiken werden vermieden.
Sobald man sich überwacht fühlt, gerade wenn es sich bei diesem Beobachter um den eigenen Vorgesetzten handelt, wird das natürliche Verhalten abgelegt und versucht, Entscheidungen so zu treffen, dass diese dem Chef am ehesten gefallen würden. Das liegt laut Bernstein vor allem daran, dass man die Erwartungen seiner Beobachter erfüllen möchte. Anstatt also konzentriert weiter zu arbeiten, tut man so als wäre man schwer beschäftigt und hofft innerlich nur darauf, dass die Führungskraft schnell wieder das Büro verlässt. Lassen Sie sich durch solche Situationen nicht aus der Ruhe bringen. Hier finden Sie Tipps für den Umgang mit Stress im Job!
Raus aus der Transparenz Falle: Der perfekte Mix aus Transparenz und Privatsphäre
Um dem Transparenz Paradoxon oder der Transparenz Falle zu entgehen ist es wichtig, die perfekte Balance aus zwei Faktoren zu finden: Dem eigenständigen Arbeiten der Mitarbeiter in Privatsphäre, sowie genügend Raum zur Kontrolle seitens der Führungsetage. Mit diesen drei Tipps kann genau das gelingen:
1. Das Publikum klein halten
Transparenz ist dann gut, wenn sich diese in Grenzen hält. Ein offenes Großraumbüro ist somit nicht das Beste Arbeitsumfeld. Viel besser ist es, wenn Arbeitnehmer in kleinen Teams zusammenarbeiten. Innerhalb dieses Teams kann es zu gegenseitigem Austausch kommen, aber auch zu Kritik. Kollegen sind eher bereit, sich gegenseitig mit konstruktiver Kritik weiterzuhelfen, wenn das Publikum sehr klein ist, und nicht gleich die halbe Belegschaft die Fehler und Misserfolge der Anderen mitbekommt. Raumtrenner können hier eine ideale Lösung sein, um in einer großen Abteilung einem Team mehr Privatsphäre zu verschaffen. Sie erhöhen damit die Privatsphäre des Teams, ohne dabei große Einbußen bei der Transparenz machen zu müssen.
2. Private Zeitfenster eröffnen
Bei all der Transparenz im Berufsleben sollten Sie jedem Mitarbeiter bestimmte Zeitfenster einräumen, in denen diese autonom arbeiten können. Das kann beispielsweise der Vormittag eines jeden Arbeitstages sein, oder aber mehrere Tage am Stück. Mit dieser gewissen „Portion“ Privatsphäre gewinnen Arbeitnehmer Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, und sind somit auch eher bereit mal einen etwas anderen Lösungsweg zu gehen und neue Ideen auszuprobieren. Das fördert Innovationen, Kreativität und auch die Produktivität. Gleichzeitig wird durch mehr Privatsphäre Ablenkung vermieden und die Voraussetzungen für kontinuierliche Weiterentwicklung und Selbstverbesserung geschaffen.
3. Zeitlicher Abstand zwischen Beobachtung und Feedback
In machen Produktionshallen in der Industrie werden bestimmte Arbeitsabläufe über eine Kamera überwacht. Dabei handelt es sich um reine Sicherheitsmaßnahmen und nicht um das Überwachen der Mitarbeiter. Trotzdem kann es sich für die Arbeitnehmer so anfühlen, als ob sie beobachtet würden und jeder kleinste Fehler sofort ein Gespräch mit dem Vorgesetzten nach sich zieht. Um dieses Gefühl einer strengen Kontrolle und Überwachung einzudämmen und dem Angestellten ein entspannteres Arbeiten zu ermöglichen, sollten zwischen einem Vorfall und dem Feedback des Vorgesetzten eine gewisse Zeit vergehen. Das gilt auch, nachdem Sie als Chef durch Ihre Abteilung gegangen sind und Ihnen etwas Negatives aufgefallen ist. Posaunen Sie Ihre Beobachtung nicht gleich vor versammelter Mannschaft aus sondern bitten Sie nach einem gewissen zeitlichen Abstand den betroffenen Mitarbeiter zu einem Gespräch.
Fazit
Ein angebehmes Betriebsklima, welches nicht von übermäßiger Kontrolle und Überwachung gekennzeichnet ist, wirkt sich positiv auf die Mitarbeiterbindung aus. Chefs sollten es vermeiden, den großen Kontrolleur zu spielen, denn dies schürt nur eine Atmosphäre aus Unsicherheit und lähmt den Arbeitsprozess der Mitarbeiter.
Jeder Arbeitgeber sollte zunächst herausfinden, für welche Arbeitsprozesse Transparenz wirklich relevant und förderlich ist, und für welche nicht. Viele Arbeitgeber sind der Meinung, einzelne Arbeitsschritte genauestens kontrollieren zu müssen, da ansonsten ein Produktivitätsverlust drohen könnte. Wissenschaftliche Studien aus den USA belegen nun aber, dass es nicht so ist. Wie bei allem im Leben kommt es auch bei der Transparenz am Arbeitsplatz auf die richtige Dosis an.
Quellen:
hbr.org | The Transparency Trap
fastcompany.com | The Transparency Paradox: Why We're Less Productive When We Know Someone's Watching
bits.blogs.nytimes.com | Workplace Surveillance and the 'Transparency Paradox'