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Unfall im Homeoffice:Wer zahlt und was ist versichert?

Unfall im Homeoffice:Wer zahlt und was ist versichert?
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Anastasia Johlen am 29.11.2021 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Von Zuhause arbeiten: Homeoffice oder Telearbeit?
  2. Unfall im Homeoffice: Wer zahlt?
    1. Unabhängig vom Arbeitsort: Gesetzliche Unfallversicherung bei Arbeitsunfällen
  3. Gesetzliche Unfallversicherung: Was ist das genau?
    1. Wer ist über die gesetzliche Unfallversicherung versichert?
    2. Was ist in der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert?
    3. Was wird von der DGUV gezahlt?
  4. Risiko im Homeoffice nicht auf Arbeitgeber übertragen
  5. Vermischung von Beruf und Privatleben im Homeoffice
  6. Wegeunfall im Homeoffice: Wie sind Sie geschützt?
    1. Versicherungsschutz im Homeoffice seit 2021 erweitert
    2. Wege zur Kinderbetreuung im Homeoffice sind auch versichert
  7. Nicht versicherte Unfälle im Homeoffice
  8. Unfall im Homeoffice: Und jetzt?
    1. Vorgehensweise beim Unfall im Homeoffice

Zahlreiche Arbeitgeber ermöglichen ihren Angestellten Homeoffice, arbeiten vom Schreibtisch in den eigenen vier Wänden. In einigen Berufen bietet sich das mobile Arbeiten einfach an, dadurch genießen die Arbeitnehmer viel mehr Flexibilität und haben mehr Zeit für ihre Familie. Insbesondere Schreibtisch- und Büroarbeiten lassen sich sehr gut von Zuhause erledigen. Aber wie sind Sie im Homeoffice versichert? Was fällt unter einen Arbeitsunfall und wer zahlt im Fall der Fälle?

Von Zuhause arbeiten: Homeoffice oder Telearbeit?

Zwischen Homeoffice und Telearbeit gibt es einen wesentlichen Unterschied: die Telearbeit ist eine vertraglich eindeutige Vereinbarung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer. In diesem Fall muss der Arbeitgeber einen festen Arbeitsplatz im Privatbereich der Angestellten einrichten und dafür auch Mobiliar sowie Arbeitsmittel bereitstellen und installieren. Es gibt dafür sogar Rahmenbedingungen, die in der Arbeitsstättenverordnung geregelt sind.

Hingegen meint der Begriff Homeoffice lediglich das Arbeiten von Zuhause aus, ohne festen Arbeitsplatz. Gearbeitet werden kann am Schreibtisch, in der Küche, im Garten oder in allen anderen Räumen des Hauses. Homeoffice wird auch als mobiles Arbeiten bezeichnet und unterliegt nicht der Arbeitsstättenverordnung.

Unfall im Homeoffice: Wer zahlt?

Haben Sie während der Ausübung Ihres Berufs im Homeoffice einen Unfall sind Sie über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Dies gilt zunächst unabhängig vom Arbeitsort, das heißt, auch ein Unfall im Homeoffice ist versichert. Entscheidend ist nicht der Arbeitsort, sondern der direkte Zusammenhang zwischen Ihrer Tätigkeit während des Unfalls und der beruflichen Verpflichtung eines Angestellten.

Nicht alles, was Sie in den eigenen vier Wänden tun, muss zwingen mit Ihrer Arbeit zu tun haben, deshalb kann nicht pauschal gesagt werden, dass Ihr Unfall immer der gesetzlichen Unfallversicherung unterliegt.

Unabhängig vom Arbeitsort: Gesetzliche Unfallversicherung bei Arbeitsunfällen

Allgemein gilt, dass ein Unfall während einer versicherten Tätigkeit, ein Arbeitsunfall ist und unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht.  Sowohl für Telearbeit als auch für das Homeoffice gelten das Arbeitsschutzgesetz und die Unfallverhütungsvorschriften.

Im Homeoffice sind alle Tätigkeiten während der Arbeitszeit versichert, die mit der Zielrichtung ausgeübt werden, betriebliche Aufgaben zu erfüllen. Gerade im Homeoffice arbeiten Beschäftigte in Eigenverantwortung, weshalb Sie dort die Verantwortung für ihren Gesundheitsschutz eigenverantwortlich tragen. Dennoch können Arbeitgeber Unterstützung anbieten, indem diese ihre Angestellten in gesundheitsfördernde Maßnahmen unterweisen, wie sich an Arbeitszeiten und Pausen zu halten.

Gesetzliche Unfallversicherung: Was ist das genau?

Die deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zählt zu den Sozialversicherungen und wurde 1884 unter Otto von Bismarck eingeführt. Damit ist die gesetzliche Unfallversicherung der zweitälteste Sozialversicherungszweig in Deutschland.

Wer ist über die gesetzliche Unfallversicherung versichert?

Alle Arbeitnehmer sind in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert, auch eine Befreiung aufgrund von hohem Verdienst ist nicht möglich. Lediglich Beamte und Ärzte sind von der gesetzlichen Unfallversicherung ausgenommen, da diese Berufsgruppen über andere Träger, wie zum Beispiel das Versorgungswerk, abgesichert sind. Selbstständige Berufstätige können auf freiwilliger Basis Mitglied bei der gesetzlichen Unfallversicherung werden.

Was ist in der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert?

In dieser Versicherung sind sämtliche Unfälle abgesichert, die während der Arbeit oder auf Hin-und Rückweg passieren können. Voraussetzung für die Zahlung ist, dass die verunfallte Person eine gesundheitliche Beeinträchtigung erleidet. Klingt brutal, aber so ist es aus versicherungstechnischer Sicht. Folgender Satz zeigt auf, was laut gesetzlicher Unfallversicherung versichert ist:

Plötzlich von außen unfreiwillig auf einen Körper eintreffendes Ereignis (PAUKE)

Ausgeschlossen von der gesetzlichen Unfallversicherung sind somit Herzinfarkte oder ähnliches sowie selbstzugefügte Verletzungen. Stehen Sie zum Zeitpunkt des Unfalls unter Alkohol oder Drogen, greift die Unfallversicherung nicht.

Was wird von der DGUV gezahlt?

Im Falle eines Unfalls, der alle Bedingungen erfüllt, zahlen die Berufsgenossenschaften je nach Verletzungsart die Kosten für die ärztliche Behandlung, Reha und gegebenenfalls Rentenzahlungen (Verletzten-Erwerbsminderungs- oder im Todesfall Hinterbliebenenrente).

Risiko im Homeoffice nicht auf Arbeitgeber übertragen

Trägt der Arbeitgeber in der Betriebsstätte das Risiko für seine Angestellten, kann dieses Risiko im Homeoffice nicht auf den Arbeitgeber übertragen werden. Für eine Tätigkeit im persönlichen Lebensbereich trägt Ihr Arbeitgeber keine Verantwortung, da Ihre eigenen vier Wände primär als privater Bereich genutzt werden. Sie haben für Ihre Sicherheit zu sorgen und tragen die Risiken der privaten Umgebung in Eigenregie.

Vermischung von Beruf und Privatleben im Homeoffice

Bei einem Unfall im Homeoffice werden von der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse die Kosten für Behandlung und Ausfallzeiten übernommen. Dennoch ergibt sich im Homeoffice ein Problem, welches bei der reinen Büroarbeit nicht entsteht: Beruf und Privatleben sind vermischt und das wirkt sich auf den Versicherungsschutz im Homeoffice aus.

Es hängt vom Einzelfall ab, wann ein Unfall im Homeoffice auch als Arbeitsunfall beurteilt wird. Unfälle, welche unmittelbar durch die Ausübung der beruflichen Tätigkeit passieren, sind definitiv mit der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Werden jedoch dienstliche Arbeiten für private Zwecke unterbrochen, sind die Angestellten während dieser Zeit nicht mehr gesetzlich unfallversichert.

Wegeunfall im Homeoffice: Wie sind Sie geschützt?

Verletzt sich ein Angestellter im regulären Arbeitsalltag auf dem Weg zu einem Kundentermin oder Meeting im Büro, liegt ein Wegunfall vor. Im Homeoffice sind neben der eigentlichen Tätigkeit auch sogenannte Betriebswege wie der Weg zum Drucker in einem anderen Raum versichert.

Bisher waren jedoch Wege im eigenen Haus, um zum Beispiel ein Getränk zu holen oder zur Toilette zu gehen, nicht versichert: Verletzen Sie sich als Mitarbeiter im Homeoffice beispielsweise auf dem Weg zur Kaffeemaschine, waren Sie für diesen Weg nicht unfallversichert.

Versicherungsschutz im Homeoffice seit 2021 erweitert

Der stetig wachsende Anteil an Angestellten im Homeoffice und die Homeoffice-Pflicht aufgrund der Corona-Pandemie brachten am 18. Juni 2021 Änderungen in Sachen Wegunfälle im Homeoffice: Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der mobilen Arbeitsform lässt sich die Unterscheidung nicht mehr aufrechterhalten, sodass das Betriebsrätemodernisierungesetz eingeführt wurde. Jetzt gilt auch bei mobiler Arbeit Versicherungsschutz im selben Umfang wie bei Ausübung der Tätigkeit am Arbeitsplatz. Eine zusätzliche Änderung ist, dass jetzt auch Eltern im Homeoffice für Wege zur Kinderbetreuung versichert sind.

Wege zur Kinderbetreuung im Homeoffice sind auch versichert

Wenn Sie als Angestellter im Betrieb arbeiten, ist auch der Weg zur Kita oder Schule Ihres Kindes versichert. Machen Sie etwa einen Umweg auf dem Weg zur Arbeit, um Ihr Kind in eine externe Betreuung zu bringen, sind Sie als Angestellter unfallversichert. Für Angestellte im Homeoffice galt dieser Versicherungsschutz bislang nicht. Doch seit 2021 sind auch Eltern im Homeoffice auf dem Weg zur Betreuung des Kindes unfallversichert.

Wer sein Kind, das mit im gemeinsamen Haushalt lebt, aus der Homeoffice zu einer externen Betreuung bringt, steht auf dem direkten Hin-und Rückweg unter Versicherungsschutz. Im Gesetzbuch werden diese Neuerungen durch das Betriebsrätemodernisierungsgesetz eingeführt und sehen wie folgt aus:

§ 8 Sozialgesetzbuch VII

"Wird die versicherte Tätigkeit im Haushalt der Versicherten oder an einem anderen Ort ausgeübt, besteht Versicherungsschutz in gleichem Umfang wie bei Ausübung der Tätigkeit auf der Unternehmensstätte."

"Das Zurücklegen des unmittelbaren Weges nach und von dem Ort, an dem Kinder von Versicherten nach Nummer 2 Buchstabe a. fremder Obhut anvertraut werden, wenn die versicherte Tätigkeit an dem Ort des gemeinsamen Haushalts ausgeübt wird,".

Das neue Gesetz gilt für Unfälle im Homeoffice, die seit Inkrafttreten (18. Juni 2021) passiert sind.

Nicht versicherte Unfälle im Homeoffice

Wie Sie sehen, tut sich in Sachen Homeoffice schon einiges, trotzdem gibt es nach der Ausweitung der gesetzlichen Unfallversicherung weiterhin Unfälle im Homeoffice, die nicht versichert sind. Dazu zählen immer noch Tätigkeiten, die nichts mit Ihrem beruflichen Arbeiten zu tun haben und nicht gleichgestellt werden mit Ihrer Tätigkeit am Arbeitsplatz im Unternehmen.

Verunfallen Sie beispielsweise im Homeoffice auf dem Weg zur Tür, weil der Postbote klingelt oder Sie den Müll herausbringen, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht.

Unfall im Homeoffice: Und jetzt?

Ein Unfall im Arbeitsbetrieb ist meistens eindeutig ein Arbeitsunfall, aber wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Unfall im Homeoffice haben? Bei einem Unfall im Homeoffice müssen Sie genauestens vorgehen und dokumentieren, immerhin gibt es auch keine Arbeitskollegen, die den Unfallhergang bestätigen können.

Vorgehensweise beim Unfall im Homeoffice

  • Dokumentieren Sie schnellstmöglich den Unfall: umso schneller Sie den Unfall schriftlich festhalten und bekanntmachen, desto wahrscheinlicher ist, dass die Berufsgenossenschaft Ihren Unfall als Arbeitsunfall einstuft bzw. ist der Unfall glaubhafter.
  • Dokumentieren Sie den Zeitpunkt: Als Unfall gilt nur jener Unfall, der in der vereinbarten Arbeitszeit stattfindet. Notieren Sie ganz genau, wann der Unfall stattgefunden hat, dabei können Telefonprotokolle von Arzt oder Rettungsdienst hilfreich sein.
  • Dokumentieren Sie den Unfallort: Der Unfallort muss in Bezug zur Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit stehen, damit dieser als Arbeitsunfall eingestuft wird. Deshalb sollten Sie festhalten, wo Sie sich bei Ihrem Unfall befanden: Waren Sie auf dem Weg zum Telefon für ein Kundengespräch? Auf der Toilette oder am Schreibtisch?

Wie Sie sehen besteht mittlerweile auch im Homeoffice derselbe Versicherungsschutz, wie bei der Arbeit im Unternehmen. Lediglich die Bezeugung und Dokumentation des Unfalls muss genauer durchgeführt und schnellstmöglich werden.

Bild: Anastasia Johlen
Anastasia Johlen (80 Artikel)

Anastasia Johlen hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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