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Tattoos am Arbeitsplatz: Körperschmuck oder Jobkiller?

Tattoos am Arbeitsplatz: Körperschmuck oder Jobkiller?
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Charlotte Tappmeier am 11.11.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Tattoos: Für immer gezeichnet!
  2. Tattoos am Arbeitsplatz: Sind Tattoos ein Tabu?
  3. Darf der Arbeitgeber Tattoos verbieten?
    1. Tattoos in Banken und der Versicherungsbranche
    2. Tattoos im öffentlichen Dienst: Polizei
  4. Tattoos im Beruf: Darf Ihr Arbeitgber Sie kündigen?
  5. Jobs für Tätowierte: Mit Tattoos erfolgreich im Business!
  6. Bewerbungsgespräch: Tattoo verstecken oder zeigen?

Einen Drachen auf dem Oberarm, einen Notenschlüssel auf dem Schulterblatt oder den Namen der großen Liebe am Fußknöchel – Tattoos tragen längst nicht mehr bloß Seemänner und Gefängnisinsassen. Der Anker am Bizeps oder die drei Punkte zwischen Daumen und Zeigefinger sind out. Tätowierungen gelten heute regelrecht als Körperschmuck, gar als Körperkunst. Sie erzählen Geschichten, verbinden einander, senden Botschaften und verbergen ganz individuelle Geheimnisse. Aber gilt ein Tattoo am Arbeitsplatz ebenfalls als ein Schönheitsmerkmal? Oder stellt eine Tätowierung in manchen Branchen ein Hindernis dar? Hier erfahren Sie als Arbeitnehmer, welche Auswirkungen eine Tätowierung im Job haben kann, worauf Sie achten müssen und in welchem Beruf eine Bemalung auf der Haut sogar befürwortet wird.

Tattoos: Für immer gezeichnet!

Einer Umfrage zufolge sind in Deutschland etwa 20 Prozent der Volljährigen tätowiert. Alle Formen und Größen – ob Gegenstände, Schriften, Fotografien oder Fantastische Wesen – können in der Regel auf die Haut, oder besser: unter die Haut, tätowiert werden.

Aber weshalb lässt der Mensch überhaupt seine Haut mit einem Tattoo versehen? Und vor allem: Warum der Wunsch nach einem Tattoo für die Ewigkeit?

Mögliche Gründe für eine Tätowierung:

•    Sie gilt oft als attraktiv
•    Sie signalisiert eine Zugehörigkeit
•    Sie hält eine Erinnerung fest
•    Sie markiert einen persönlichen Ausdruck, individualisiert
•    Sie sendet eine Botschaft
•    Sie kann zwei Menschen miteinander verbinden
•    Sie drückt ein Gefühl, eine Leidenschaft aus

Tätowierungen sind treue Wegbegleiter. Welche Lebensentscheidungen Sie auch treffen werden, wo auch immer Sie auf der Welt zu Hause sind, das Tattoo und die Bedeutung, die damit einhergeht, werden in der Regel bleiben. Bestenfalls bleibt der Wunsch nach Individualität, die Verbindung zweier Menschen oder die Zugehörigkeit einer Gruppe lebenslang. Denn einst waren sie ja mal die Beweggründe für die Tätowierung, für das Kunstwerk der Ewigkeit.

Aber können für Sie als Individualist mit Tätowierungen Schwierigkeiten in Ihrem Beruf entstehen?

Tattoos am Arbeitsplatz: Sind Tattoos ein Tabu?

Grundsätzlich gelten Tattoos am Arbeitsplatz nicht als ein Tabu! Denn Tattoos unterliegen zunächst einmal dem Persönlichkeitsrecht und können daher individuell und ganz selbstbestimmt gewählt werden. Schließlich gelangt das auserwählte Motiv auf die eigene Haut und somit darf die Wahl, sobald das 18te Lebensjahr erreicht ist, autonom und unabhängig getroffen werden.

Allerdings endet dieses Persönlichkeitsrecht für Sie als Arbeitnehmer immer genau da, wo der entsprechende Arbeitgeber ein begründetes Interesse daran hat, auf dieses Recht, auf diese selbstbestimmte Wahl, Einfluss zu nehmen. Somit verfügt Ihr Arbeitgeber beispielsweise über das Recht, ein ordentliches Erscheinungsbild von Ihnen als Arbeitnehmer zu erwarten sowie über das Recht, darüber zu urteilen, was in dem jeweiligen Beruf als ordentliches Erscheinungsbild gilt und was nicht. Das Erscheinungsbild ist oft dann relevant, wenn Sie als Arbeitnehmer im Kontakt zu Kunden stehen. Demnach greift der Arbeitgeber nicht direkt in das Persönlichkeitsrecht ein, kann aber das Aussehen und Auftreten des Arbeitnehmers mitbestimmen und damit die Firmen-Philosophie steuern.

Darf der Arbeitgeber Tattoos verbieten?

Der Arbeitgeber darf den Wunsch nach einer Tätowierung nicht unterbinden. Denn damit würde er den Schutz des Persönlichkeitsrechts verletzen und in den Lebens- und Freiheitsbereich des jeweiligen Mitarbeiters eingreifen. Aber es gibt durchaus Berufsgruppen, in denen das Tragen von Tätowierungen nicht gern gesehen wird und womöglich Regeln aufgestellt werden, die den Umgang mit einem Tattoo kontrollieren sollen.

Tattoos in Banken und der Versicherungsbranche

In den doch eher konservativen Berufen, vor allem dort, wo täglich Kundenkontakt herrscht, können Tätowierungen durchaus zu einem Problem werden. In Banken, Anwaltskanzleien oder im gehobenen Einzelhandel können Tätowierungen immer noch für Gesprächsstoff sorgen; jedenfalls bei den Tattoos, die nicht gut zu verdecken sind, beispielsweise im Gesicht oder auf der Handfläche. In diesen Berufsbranchen sind Kunden und Klienten oft der wichtigste Faktor. Erscheinen diese seriös und konservativ, so sollten auch Sie als Mitarbeiter seriös und konservativ wirken. Eine Tätowierung sagt möglicherweise zu viel über Ihre Individualität aus; das könnte den Kunden ablenken.

Tipp: Erscheinen Sie als Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt unauffällig und zurückhaltend. Hier könnte eine Tätowierung stören. Präsentieren Sie im Kundengespräch ausschließlich dessen konkretes Anliegen. Bleiben Sie neutral. Denn auch hier könnte eine Tätowierung ablenken. Machen Sie sich stets bewusst, dass in diesem Kontext eine Tätowierung nicht immer für den Arbeitgeber akzeptabel ist.

Tattoos im öffentlichen Dienst: Polizei

Ein angehender Polizist muss bereits im Auswahlverfahren angeben, welche Tätowierungen er trägt und vor allem, wo dieser sie trägt. Tätowierungen sind auch nicht ausdrücklich verboten, aber grundsätzlich nicht erwünscht. Denn Polizeivollzugsbeamten müssen in ihrer Funktion stets Neutralität wahren und in der Öffentlichkeit dir gesamte Polizei als Institution repräsentieren. Aber auch hier werden Unterschiede gemacht. Ist das Tattoo beim Tragen der Dienstkleidung, als Maßstab dient hier das kurzärmlige Diensthemd, nicht zu sehen,  kann der Mitarbeiter trotz Tätowierungen in den Polizeidienst eintreten. Des Weiteren sind folgende drei Kriterien bei dem Auswahlverfahren angehender Polizisten wichtig:

  1. Die Tätowierung darf kein Symbol verfassungsfeindlicher Organisationen sein oder mit diesen verwechselt werden.
  2. Die Tätowierung darf nicht die Menschenwürde verletzen, sexistisch oder frauenfeindlich sein. 
  3. Die Tätowierung darf nicht rechts- oder linksradikal sein.

Die Kriterien und Gewichtung variieren im föderalen Deutschland von Bundesland zu Bundesland. Fakt ist aber, dass Bewerber in der Regel nicht aus rein ästhetischen Beweggründen abgelehnt werden.

Tattoos im Beruf: Darf Ihr Arbeitgber Sie kündigen?

In der Regel sind Tätowierungen kein direkter Kündigungsgrund. Wenn Sie als Arbeitnehmer bereits mit einer Tätowierung eingestellt sind, können Sie nicht nach ein paar Jahren wegen dieses Tattoos gekündigt werden. Wenn es allerdings eine klare Anweisung gegen sichtbare Tattoos gibt, und ein Mitarbeiter darauf, trotz Ermahnung, nachträglich keine Rücksicht nimmt, kann es unter Umständen durchaus zu einer Abmahnung führen.

Jobs für Tätowierte: Mit Tattoos erfolgreich im Business!

Natürlich werden Sie als Arbeitnehmer nicht überall auf dem Arbeitsmarkt mit Ablehnung konfrontiert, wenn Sie ein Tattoo tragen. Keineswegs! Es gibt einige Berufsbranchen, in denen Tätowierungen kein Problem darstellen oder sogar befürwortet werden:

•    Backoffice-Tätigkeiten
•    Medien- und Werbeagenturen
•    TV- und Filmproduktionen
•    Tattoo-Studios
•    Kreativbranchen
•    IT-Bereich

Bewerbungsgespräch: Tattoo verstecken oder zeigen?

Ein Bewerbungsgespräch dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen und herauszufinden, ob Arbeitgeber und potenzieller Arbeitnehmer zueinander passen. Der Bewerber hegt hier natürlich den Anspruch an sich selbst, den besten Eindruck zu hinterlassen. Dennoch ist ein wesentlicher Bestandteil eines guten Eindrucks das authentische Auftreten des Bewerbers. Denn nur so können beide Parteien darüber entscheiden, ob hier eine Zusammenarbeit erstrebenswert ist.

Für Bewerber, die an sichtbaren Körperstellen Tätowierungen tragen, stellt sich hier die Frage, ob das auserwählte Motiv im Gespräch versteckt oder offen angesprochen werden soll. Auf diese Frage gibt es leider keine ultimative Antwort, und wenn, ist diese immer von Berufswahl, Einstellung des Arbeitgebers und vom Ausmaß der Tätowierungen abhängig. Versuchen Sie als Bewerber Ihre Tätowierung nicht in den direkten Fokus des Gespräches zu setzen, aber ignorieren Sie das Thema Tattoos auch nicht; Sie verschieben es damit bloß.

Tipp: Tragen Sie im Bewerbungsgespräch keine offensive Kleidung, in der alle großflächigen Tätowierungen deutlich zu sehen sind. Aber sprechen Sie dieses Thema an und informieren Sie somit Ihren potenziellen zukünftigen Arbeitgeber. Also verstecken Sie Ihre Körperkunst nicht bewusst und gehen offen damit um, denn das ist authentisch und schafft für den Arbeitgeber eine Ehrlichkeit, auf die er vertrauen kann.

Bild: Charlotte Tappmeier
Charlotte Tappmeier (4 Artikel)

Charlotte Tappmeier studierte Germanistik und Literaturwissenschaften in Frankfurt a.M. und absolvierte ihren Master in Bielefeld. Bereits damals sammelte sie journalistische Erfahrungen als Freie Mitarbeiterin und arbeitete sowohl im Online- als auch im Print-Bereich. Ein Aufenthalt in Berlin führte sie in die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit. Dort standen zahlreiche Veranstaltungen im Fokus, doch sie kam zurück zur Sprache: Sie verfasste ein Tagebuch-Roman – Doku-Fiktion über eine integrative Kindertagesstätte. Derzeit ist sie als Online-Redakteurin bei uns tätig.

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