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Sprung ins kalte Wasser – Warum Berufseinsteiger so schlecht eingearbeitet werden

Sprung ins kalte Wasser – Warum Berufseinsteiger so schlecht eingearbeitet werden
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Tanja Tänzer am 01.12.2017 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. 1000 (gute) Gründe
  2. Mach dich auf was gefasst
  3. Nimm es selbst in die Hand
  4. Bleiben oder gehen? – Ein Fazit

Endlich hast du es geschafft! Die Tinte auf deinem Abschlusszeugnis ist trocken und das „wahre“ Leben kann beginnen. Die Welt steht dir offen: Auf geht’s in Richtung Karriere. Enthusiastisch kommst du am ersten Tag an deinen neuen Arbeitsplatz, möchtest richtig durchstarten und dann passiert Folgendes: Du bekommst deine neuen Aufgaben zugewiesen aber keiner erklärt dir, wie du sie anpacken sollst oder worauf es ankommt. Was sollst du jetzt machen?

Frisch von der Uni ist dir die Theorie zwar in Fleisch und Blut übergegangen, aber in der Praxis hast du bisher nur mäßig oder gar keine Erfahrung. Der Schubs ins kalte Wasser ist in vielen Betrieben heutzutage leider gang und gäbe. Da heißt es nur allzu oft „Schwimm oder geh unter“. Doch die verzweifelten Versuche dich über Wasser zu halten machen dich müde und so wird deine Motivation von Tag zu Tag weniger. Dabei nützt du deinem Arbeitgeber doch viel mehr wenn du dich voller Elan und bestens eingearbeitet auf deine Projekte stürzen kannst. Warum also bleibt das Einlernen von Berufseinsteigern so oft auf der Strecke?

1000 (gute) Gründe

Zeit ist Geld und die Zeit, die ein Mitarbeiter damit verbringt, einen neuen Kollegen einzulernen kann er sich nicht um seine eigene Arbeit kümmern. Die bleibt liegen und je später ein Projekt fertiggestellt werden kann, desto später kommt die Bezahlung dafür. Eine kurzfristige Denkweise die einen Unternehmer ruinieren kann, aber leider allzu oft an der Tagesordnung ist.

Mit einer umfänglichen Einarbeitung muss dein Arbeitgeber erst einmal in finanzielle Vorleistung gehen. Viele wollen oder können das schlichtweg nicht. Gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben wird meist jede Hand gebraucht, sodass keiner Zeit hat, um dich einzuweisen. Hinter einem solchen Handeln muss nicht zwangsläufig ein böser Wille stecken. In diesem Falle bliebe nur noch dich mittels eines externen Coachs auf deine neuen Aufgaben vorzubereiten, was wiederum recht kostspielig ist. Hat ein Unternehmen damit bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, wird es sich hüten, die unnützen Kosten auf sich zu nehmen. 

Vielleicht setzt dein neuer Arbeitgeber aber einfach mehr praktisches Wissen bei dir voraus, als da ist. Ein Fehler, der nach einem ausführlichen Vorstellungsgespräch eigentlich nicht passieren sollte. Oder er vertritt die Philosophie „Learning by Doing“ ist die beste Methode. Beides wirkt recht unprofessionell und wird dich – vollkommen zu Recht – eher abschrecken als anspornen. Diejenigen, die einfach nicht wollen, erkennst du übrigens an stetigen Ausreden à la „Bin gerade zu beschäftigt“ oder „Wir würden ja gerne, aber …“. 

Mach dich auf was gefasst

Keine oder nur eine unzulängliche Einarbeitung bedeutet für dich in erster Linie doppelten Stress. Eine neue, ungewohnte Aufgabe stellt jeden vor Herausforderungen – mehr aber noch wenn du das Gefühl hast damit allein zu sein und trotzdem keinen Fehler machen zu dürfen. Schlimm genug nicht zu wissen, wie du beim Abarbeiten deiner Aufträge vorgehen sollst. Noch schwieriger wird es, wenn dir niemand sagt, was genau eigentlich die Erwartungshaltung ist und du keinerlei Rückmeldung bekommst, ob dein Chef mit dem Geleisteten zufrieden ist. Damit wird dir sogar die Chance genommen, dich in Eigenregie einzuarbeiten und zu verbessern.

Einen ersten Eindruck von dem, was dich eventuell in den kommenden Wochen erwartet, kannst du schon am ersten Tag gewinnen. Sind deine Kollegen überrascht, dass da plötzlich irgendein Neuer vor ihnen steht? Ist dein Arbeitsplatz noch nicht so eingerichtet, dass du direkt loslegen kannst? Das sind bereits die ersten Warnzeichen. Wenn keiner von deinem Kommen weiß, steht dir auch niemand als Ansprechpartner zur Verfügung, der dir in beruflichen wie zwischenmenschlichen Dingen Halt und Sicherheit geben könnte. Dennoch wird dein Vorgesetzter von dir ganz selbstverständlich eine schnelle Anpassung an die Abläufe und Gepflogenheiten im Betrieb erwarten.

Nimm es selbst in die Hand

Niemand hat Lust nach dem Sprung ins kalte Wasser zu rudern und zu rudern und trotzdem dem Untergang näher zu sein, als dem rettenden Ufer. Willst du dich vor dem Ertrinken bewahren? Dann warte nicht ab bis dein Kopf bereits unter Wasser ist, sondern handle gleich. Es gibt Mittel und Wege.

- Ergreif die Initiative und sprich die für dich untragbare Situation an. Es ist durchaus möglich, dass sie deinem Chef einfach nicht bewusst war.
- Mach in diesem Zuge auch auf deine konkreten Wünsche und Vorstellungen von einer guten Einarbeitung aufmerksam und fordere die nötige Unterstützung ein.
- Schlage deinem Vorgesetzten vor gemeinsam einen Einarbeitungsplan zu erstellen – die wenigsten Unternehmen verfügen über einen offiziellen. Er strukturiert die Anfangszeit und sorgt dafür, dass du dich schneller eigenverantwortlich um deine Arbeit kümmern kannst, weil du genau weißt, worin sie besteht und wer deine Fragen beantwortet.
- Zeige dich flexibel und lernwillig und habe ein wenig Geduld
- Hilft das nichts, nimm deine Belange selbst in die Hand.
- Das geht am besten, indem du dich schnell mit den anderen Mitarbeitern „anfreundest“. Scheue dich nicht ihnen Fragen zu stellen oder um Hilfe zu bitten. Je mehr gute Kollegen du hast, desto eher bekommst du die richtige Antwort – nicht jeder kennt sich bei jedem Thema gleich gut aus und du läufst obendrein nicht Gefahr, eine bestimmte Person mit deiner Fragerei zu nerven.
- Nimm die Herausforderung an, glaube an dich und konzentrier dich auf deine Qualifikationen. Du bist nicht umsonst eingestellt worden. Ist das Ergebnis auch nicht perfekt, Chef und Arbeitskameraden werden beeindruckt sein.
- Häng dich voll rein und investiere – falls nötig – ein wenig extra Zeit. Das wird nur so lange nötig sein, bis du dich mit deiner neuen Aufgabe angefreundet hast und dich sicher fühlst. Sinnvoll kann es beispielsweise sein, sich Notizen zu seinen Beobachtungen und Erfahrungen vom Vortag zu machen. Am Abend, wenn die anderen im Feierabend sind oder am nächsten Morgen, bevor jemand ins Büro kommt, kannst du alles noch einmal in Ruhe durchgehen und ausprobieren.

Bleiben oder gehen? – Ein Fazit

Viele Arbeitgeber scheinen leider nicht längerfristig zu denken oder ihnen ist nicht klar, wie viel teurer sie ihre „Schwimm-oder-geh-unter-Strategie“ kommt. Denn ein schlecht oder gar nicht eingearbeiteter Mitarbeiter ist unzufrieden, folglich unmotiviert und dadurch wesentlich unproduktiver. Außerdem macht er Fehler, die ein anderer wieder ausbügeln muss. Ergo fallen für einmal Arbeit doppelte Kosten an – an Lohn und eventuell sogar Material. Übersehen wird auch gerne, dass die Investitionen für die Einstellung eines neuen Kollegen umsonst waren und gleich noch einmal anstehen, wenn der Neue in der Probezeit das Handtuch wirft. Ganz davon zu schweigen, wie es am Image einer Firma kratzt, sollte das öfter vorkommen.

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer am Horizont. In Zeiten des Fachkräftemangels erkennen immer mehr Unternehmen die Bedeutung ihrer wichtigsten Ressource: des Menschen. Und sie müssen feststellen, dass den Berufseinsteigern von heute Wertschätzung und der Spaß am Job oftmals wichtiger sind als die Bezahlung. Das führt zu einem Umdenken. Überall haben sich die Vorteile einer guten Einarbeitungsphase jedoch noch nicht herumgesprochen. Solltest du zu denen gehören die alleine zu Recht kommen sollen denke daran: Die Anspannung der ersten paar Wochen fällt von selbst ab, wenn du erst einmal Sicherheit gewonnen hast. Sollte es jedoch gar nicht gehen – kaum eine Karriere verläuft heutzutage noch in einer geraden Linie und Unterbrechungen im Lebenslauf sind normal. Daran wirst du auf deinem Weg zum Traumjob nicht scheitern. Du bist gerade erst am Anfang. Finde einfach heraus, wo dich dein Weg hinführt.

Bild: Tanja Tänzer
Tanja Tänzer (52 Artikel)

Tanja Tänzer hat Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign Hochschule in Berlin studiert. Während Ihres Studiums hat sie bei verschiedenen Internetunternehmen im Bereich Content Management und Redaktion gearbeitet. Seit kurzem unterstützt Sie das Team von karrieretipps.de mit täglich knackig frischen News und Artikeln für unsere Leserschaft.

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