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Selbstpräsentation im Jobinterview - „Erzählen Sie etwas über sich!“

Selbstpräsentation im Jobinterview - „Erzählen Sie etwas über sich!“
© Roman Samborskyi | shutterstock.com
Tanja Tänzer am 07.05.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Die Absicht der Recruiter
  2. Die Vorbereitung auf die Gretchenfrage
  3. Der Ablauf: Was in Ihrer Antwort nicht fehlen darf
    1. 1. Allgemeine und aktuelle Angaben zu Ihrer Person
    2. 2. Ausbildung
    3. 3. Berufserfahrung
    4. 4. Ziele
  4. Auf welche Details Sie besser verzichten sollten
  5. Wie Sie mit schwierigen Kapiteln Ihres Lebenslaufes umgehen
  6. Wie Ihre Antwort aussehen könnte
  7. Welche gemeinen Fragen Sie noch erwarten können
    1. 1. Wie geht es Ihnen?
    2. 2. Was hat Ihnen an Ihrem letzten Job am wenigsten gefallen?
    3. 3. Wie kommen Sie damit zurecht, geführt zu werden?
    4. 4. Was werden Ihre KollegInnen von Ihnen lernen?
    5. 5. Was würden Sie tun, wenn Sie morgen im Lotto gewinnen?
    6. 6. Was bedeutet Integrität für Sie?
    7. 7. Welche Gründe könnte es haben, wenn jemand nicht gerne mit Ihnen zusammen arbeitet?
    8. 8. Was kann Ihnen dieser Job bieten, das Ihr bisheriger nicht konnte?

Das Bewerbungsgespräch läuft gut und geht langsam dem Ende zu, da nimmt das Interview eine unerwartete Wendung: „Was können Sie uns über sich erzählen?“ Die Gretchenfrage unter den Interview-Fragen. Wer die Aufforderung „Erzählen Sie etwas über sich“ für eine Methode der Interviewerin/ des Interviewers hält, das Gespräch in einen lockereren Smalltalk überzuleiten, liegt falsch.  Auch bei dieser Frage kommt es auf Details an. Wir zeigen Ihnen, welche Absichten hinter der Aufforderung stehen und welche Aspekte Sie bei Ihrer Antwort in jedem Fall beachten sollten.

Die Absicht der Recruiter

Ob die Frage bereits zu Beginn Ihres Vorstellungsgespräches auftaucht oder erst am Ende, spielt keine Rolle. Bewerbungsgespräche gehören zu dem Alltag der Personalverantwortlichen und werden daher in der Regel vorab gründlich durchgeplant. Sie können davon ausgehen, dass Ihr Gegenüber auf etwas Bestimmtes hinaus möchte, jedoch sollten Sie nicht gleich davon ausgehen, dass Ihre Gesprächspartnerin oder Ihr Gesprächspartner Ihnen schaden möchte. Die Interviewerin oder der Interviewer möchte mit der Bitte „Erzählen Sie etwas über sich“ mit Sicherheit lediglich herausfinden, ob Sie persönlich für den Job  geeignet sind. Hierbei geht es nicht darum, Ihrem Gegenüber Ihre gesamte Lebensgeschichte zu erzählen, sondern Ihre Vorzüge gezielt herauszustellen.

Da die Personalverantwortlichen Ihren Lebenslauf sowie Ihr Anschreiben bereits kennen, gilt es nun, Ihre Souveränität auf den Prüfstand zu stellen. Durch die Bitte, etwas über sich zu erzählen,  kann die Interviewerin/ der Interviewer überprüfen, ob die Angaben aus Ihren Bewerbungsunterlagen korrekt sind. Zudem erfährt sie oder er Einzelheiten über die verschiedenen Stationen Ihres beruflichen Werdeganges, die in Ihrem abstrakten Lebenslauf nicht ersichtlich sind. Ein weiterer Aspekt ist, dass Personalverantwortliche durch die offene Frage „Was können Sie uns über sich erzählen?“ Ihre Strukturiertheit und Argumentationsfähigkeit testen können.  Ein ebenso wichtiger Punkt dieser Vorgehensweise ist, dass die oder der Fragende durch die Ausrichtung Ihrer Antwort herausfinden kann, inwiefern Sie sich mit dem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt haben.

Die Vorbereitung auf die Gretchenfrage

Mit diesem neuen Wissen über die Absichten der Personalverantwortlichen, können Sie sich in Ruhe auf die bevorstehenden Fragen vorbereiten. Hierzu müssen Sie lediglich ein wenig Recherchearbeit leisten und sich einige Worte notieren.

Bevor Sie das Bewerbungsgespräch antreten, kann es Ihnen helfen, wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen und überlegen, welche Fähigkeiten und Erfahrungen Sie ausmachen. Je besser Ihr Selbstbild ist, desto überzeugender können Sie sich Ihrem Gegenüber während des Interviews verkaufen. Zudem ist es ratsam, sich vorher gut über die ausgeschriebene Stelle zu informieren:

  • Lesen Sie die ausgeschriebene Stellenanzeige ausführlich durch und suchen Sie Verknüpfungen zu Ihren Eigenschaften.
  • Informieren Sie sich gründlich über das Unternehmen.
  • Setzen Sie sich mit der Person auseinander, die Sie interviewen wird.

Wenn Sie die oben genannte Vorarbeit abgeschlossen haben, können Sie mit Hilfe eines roten Fadens einen Text konzipieren, auf den Sie bei Ihrem Interview zurückgreifen können. Nutzen Sie die Zeit vor Ihrem Gespräch dafür, das Wesentliche Ihres Monologes auswendig zu lernen. Achten Sie bei Ihrem Probelauf jedoch darauf, dass Ihre Antwort nicht mehr als 5 Minuten in Anspruch nimmt und Sie Ihre Antwort trotzdem locker und authentisch rüberbringen.

  • Welche Qualifikationen werden für die Stelle erwartet?
  • Über welche Fähigkeiten verfüge ich?
  • Was sind die Highlights meines Lebenslaufes?
  • Und welche Einzelheiten sind irrelevant?
  • Weshalb ist die Stelle interessant für mich?
  • Welche Ziele verfolge ich?

Der Ablauf: Was in Ihrer Antwort nicht fehlen darf

Es gibt eine Formel, die Sie elegant durch die Aufforderung, etwas über sich selbst zu erzählen, leitet. Die sogenannte Present-Past-Future Formel (auf Deutsch: Gegenwart-Vergangenheit-Zukunft). Sie steigen folglich mit aktuellen Informationen ein, gehen dann auf Ihren Werdegang und vergangene Highlights Ihres Lebenslaufes ein und schließen Ihren Monolog mit Vorstellungen bezüglich Ihrer beruflichen Zukunft ab.

Wenn der Moment gekommen ist und sie dazu aufgefordert werden, etwas über sich zu erzählen, können Sie sich an den folgenden Oberpunkten orientieren:

1. Allgemeine und aktuelle Angaben zu Ihrer Person

Nennen Sie Ihren Namen, Ihr Alter sowie Ihren Herkunftsort. Erläutern Sie gegebenenfalls Ihre aktuelle berufliche Position oder erzählen Sie beispielweise etwas von Ihrem kürzlich abgeschlossenen Praktikum.

2. Ausbildung

Skizzieren Sie Ihren Ausbildungs- oder Studienweg sowie gegebenenfalls das Thema Ihrer Abschlussarbeit.

3. Berufserfahrung

Erläutern Sie wichtige Stationen Ihres beruflichen Werdeganges wie bspw. wichtige Praktika.

4. Ziele

Nennen Sie Ihre beruflichen Ziele und versuchen Sie einen Zusammenhang zu der Stelle herzustellen, für die Sie sich bewerben. Es geht darum, Ihre Erfahrungen mit den Anforderungen des Jobs in Einklang zu bringen.

Auf welche Details Sie besser verzichten sollten

Es gibt allerdings auch einige No-Gos, die Sie vermeiden sollten. Bei Ihrer Interviewerin oder Ihrem Interviewer wird es beispielsweise nicht besonders gut ankommen, wenn Sie Ihren Lebenslauf Schritt für Schritt auswendig wiedergeben. Zudem sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie nicht zu sehr ausschweifen und Ihrem Gegenüber versehentlich Einsicht in private Details gewähren.  Ihre privaten Hobbies sind für das Bewerbungsgespräch irrelevant. Vermeiden Sie ebenso Themen wie Konflikte aus vergangenen beruflichen Lebensabschnitten und Geschichten aus Ihrer Kindheit, die keinen Bezug zu Ihrem Job haben. Auf Gegenfragen sollten Sie ebenfalls verzichten, da diese den Eindruck machen können, Sie seien etwas zu forsch und selbstbewusst. Wenn Sie diese Punkte beachten, sind sie vor den meisten Fettnäpfchen sicher!

Wie Sie mit schwierigen Kapiteln Ihres Lebenslaufes umgehen

Wenn Ihr Lebenslauf beispielsweise Lücken aufweist oder Sie Ihren Job in kürzester Zeit mehrmals gewechselt haben, wird das Ihrer Interviewerin oder Ihrem Interviewer bereits vor dem Gespräch aufgefallen sein. Die Frage ist, wie Sie diese schwierigen Kapitel Ihres beruflichen Werdeganges während des Bewerbungsgespräches thematisieren. Da Ihr Gegenüber längst über diese Kapitel Bescheid weiß, sollten Sie Ihre Chance nutzen und Ihrer Interviewerin oder Ihrem Interviewer erläutern, was Sie in dieser Zeit getan haben.

Bei Lücken im Lebenslauf, die weniger als 4 Monate gedauert haben, ist eine Erklärung in der Regel nicht notwendig. Aber auch bei größeren Lücken sollten Sie sich nicht rechtfertigen, sondern sachlich erläutern, wie es zu dieser Pause kam und welche Ziele Sie in dieser Zeit verfolgt haben.

Versuchen Sie authentisch und professionell zu bleiben und das Gespräch wieder auf Ihre Pläne für die Zukunft sowie Ihre positiven Erfahrungen zu leiten. Das zeigt Ihrem Gegenüber, dass Sie selbst in Bezug auf schwierige Themen souverän bleiben.

Wie Ihre Antwort aussehen könnte

 „Erzählen Sie etwas über sich“

„Mein Name ist xxx, ich bin 28 Jahre alt und komme gebürtig aus Hannover. Ich befinde mich gerade in den letzten Zügen eines sechsmonatigen Praktikums in der Marketing Abteilung von Mercedes Benz in Berlin. Im vergangen Jahr habe ich meinen Masterabschluss an der LMU in München im Fach „Kommunikationswissenschaft“ erfolgreich abgeschlossen.  Meinen Bachelor habe ich ebenfalls dort gemacht. Das Thema meiner Masterarbeit war „Der Überlebenskampf traditioneller Unternehmen unter dem Druck der digitalen Globalisierung“. Praxiserfahrungen konnte ich durch verschiedene Praktika sammeln. Besonders interessant war jedoch der Einblick in das Marketing von Mercedes Benz, da mir dort bereits viel Verantwortung übertragen wurde. Für meine berufliche Zukunft finde ich es jedoch sehr wichtig, Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu bekommen. Die vielseitigen Aufgabenbereiche eines Verlages interessieren mich sehr und ich würde mich freuen, Teil der Presseabteilung zu werden. Mit der Herausforderung der Arbeit in einem Verlag, unter Zeitdruck Ergebnisse zu liefern, würde ich meines Erachtens gut zurechtkommen."

Welche gemeinen Fragen Sie noch erwarten können

Die Bitte „Erzählen Sie etwas über sich“ gehört eindeutig zu den schwierigsten Parts eines Vorstellungsgespräches, jedoch gibt es noch viele andere unangenehme Fragen, mit denen Sie während eines Job-Interviews konfrontiert werden können. Wir haben einige von ihnen zusammengefasst, damit Sie keine Überraschung erleben, wenn Sie die erste herausfordernde Frage Ihres Interviews gemeistert haben:

1. Wie geht es Ihnen?

Diese Frage scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich herausfordernd zu sein. Handelt es sich nicht einfach um eine nette Geste?  Leider ist dies nicht der Fall. Auf diese Art und Weise stellt Ihr Gegenüber Sie bereits zu Beginn des Interviews auf die Probe. Wenn Sie jetzt nicht souverän antworten, können Sie gleich einen instabilen Eindruck hinterlassen. Antworten Sie schlicht und einfach „Mir geht es gut, danke. Ich freue mich hier zu sein.“ Auf ein „und Ihnen?“ sollten Sie in diesem Fall allerdings verzichten.

2. Was hat Ihnen an Ihrem letzten Job am wenigsten gefallen?

Die Antwort auf diese offene Frage zeigt Ihrem Gegenüber, wie loyal Sie sind. Auch, wenn Sie negative Erfahrungen gemacht haben, ist ein Vorstellungsgespräch nicht der passende Ort für negative Äußerungen bezüglich einer/s ehemaligen Vorgesetzten.

3. Wie kommen Sie damit zurecht, geführt zu werden?

Diese Frage ist sehr geschickt. Sie ist zwar sehr direkt, jedoch zeigt Ihre Reaktion der Interviewerin oder dem Interviewer, was Sie von einer hierarchisch aufgebauten Firmenkultur halten. Es kommt hierbei darauf an, dass Sie nicht einfach nur mit „gut“ antworten, sondern Ihre Antwort erläutern. Auf diese Art und Weise merkt Ihr gegenüber, dass Sie die Frage ernst nehmen und nicht vor ihr zurückschrecken, jedoch gleichzeitig auch nicht eingeschüchtert sind.

4. Was werden Ihre KollegInnen von Ihnen lernen?

Diese Frage hilft Ihrem Gegenüber einzuschätzen, wie gut sie sich selbst einschätzen können und was Sie aktiv zu dem Erfolg des Unternehmens beisteuern wollen. Zudem zeigt Ihre Antwort, ob Sie eher an ökonomische Ziele denken oder daran, mit Ihren MitarbeiterInnen in Projekten zusammenarbeiten.

5. Was würden Sie tun, wenn Sie morgen im Lotto gewinnen?

Bei dieser Frage geht es darum, herauszufinden, wie es um Ihre Motivation für den Job steht. Geht es Ihnen nur um die monetäre Belohnung oder arbeiten Sie auch aus Leidenschaft zu Ihrem Beruf? Versuchen Sie, realistisch aber bescheiden zu antworten. „Ein Lottogewinn ist eine gute Sache, jedoch könnte ich mir nicht vorstellen, nie wieder zu arbeiten.“

6. Was bedeutet Integrität für Sie?

Diese Frage hilft Ihrem Gegenüber herauszufinden, welche ethischen und moralischen Werte Ihnen wichtig sind. Über Ihre Antwort können Sie in diesem Fall einen Moment nachdenken. Die oder der Personalverantwortliche möchte wissen, welche Einstellung Sie vertreten und, ob Sie in die Unternehmenskultur passen. Zudem zeigt Ihre Antwort auch, inwieweit Sie hinter Ihrem Beruf stehen.

7. Welche Gründe könnte es haben, wenn jemand nicht gerne mit Ihnen zusammen arbeitet?

Diese Fangfrage bezieht sich auf Ihre Teamfähigkeit. Für den Erfolg eines Unternehmens ist es wichtig, dass alle MitarbeiterInnen ein gemeinsames Ziel anstreben und in der Lage sind, an Projekten friedlich zusammenzuarbeiten.  Zudem gibt Ihre Antwort Auskunft darüber, wie gut Sie sich selbst reflektieren können. Wenn Sie sich als fehlerfrei beschrieben, spricht das nicht zwingend für Sie.

8. Was kann Ihnen dieser Job bieten, das Ihr bisheriger nicht konnte?

Ihre Antwort auf diese Frage gibt Ihrem Gegenüber Auskunft über verschiedene Dinge. Zunächst erfährt die/der Personalverantwortliche auf diesem Wege, ob Sie sich vorab genügend über das Unternehmen selbst sowie über die Aufgaben, die mit diesem Job einhergehen, informiert haben. Zudem zeigt Ihre Reaktion, wie Sie zu Ihrem bisherigen Beruf und den damit verbundenen Anforderungen stehen. Schließlich sagt Ihre Antwort auch aus, wie zielstrebig Sie sind.

Wenn Sie sich auf all diese Eventualitäten vorbereiten, sind Sie mit Sicherheit gut für Ihr nächstes Vorstellungsgespräch gewappnet!

Bild: Tanja Tänzer
Tanja Tänzer (52 Artikel)

Tanja Tänzer hat Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign Hochschule in Berlin studiert. Während Ihres Studiums hat sie bei verschiedenen Internetunternehmen im Bereich Content Management und Redaktion gearbeitet. Seit kurzem unterstützt Sie das Team von karrieretipps.de mit täglich knackig frischen News und Artikeln für unsere Leserschaft.

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