karrieretipps.de Karriere Schweigepflicht im Job: Was Sie geheim halten müssen

Schweigepflicht im Job: Was Sie geheim halten müssen

Schweigepflicht im Job: Was Sie geheim halten müssen
© pathdoc / shutterstock.com
Anastasia Klingsiek am 19.06.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Verschwiegenheitspflicht: Wer ist betroffen und was bedeutet es konkret?
    1. Sinn der Verschwiegenheitspflicht
  2. Welche Arbeitnehmer und Selbstständige fallen unter die Schweigepflicht?
    1. Personenkreis, der unter die berufliche Schweigepflicht fällt
  3. Arbeitnehmer und die Schweigepflicht:  Welche Informationen sind geheim?
  4. Sonderfälle: Wann wird die Schweigepflicht ungültig?
    1. Gründe für die Ungültigkeit der Schweigepflicht
  5. Verstoß: Welche Folgen und Konsequenzen gibt es?

Plaudern tun wir alle gerne; quatschen, berichten und sich austauschen. Jedoch gibt es auch Themen, über die Sie mit Freunden und Bekannten nicht reden sollten und auch nicht dürfen: Ihr Privatleben betrifft das nicht, da können Sie entscheiden, was Sie Preis geben und was nicht. Es geht um Ihren Arbeitsplatz: Sie fragen Sich jetzt vielleicht, was Sie nicht erzählen dürfen und wieso? Dann lesen Sie diesen Artikel weiter, denn Vorsichtig ist geboten: Zu viel Plauderei über Dinge aus Ihrem Berufsalltag kann Sie nicht nur Ihren Job kosten, sondern auch mit Haft oder Geldbußen bestraft werden.

Verschwiegenheitspflicht: Wer ist betroffen und was bedeutet es konkret?

Unter der Schweigepflicht (= Verschwiegenheitspflicht) ist die Vereinbarung zu verstehen, Informationen und Geheimnisse des Arbeitsumfelds oder Betriebs, nicht an Aussenstehende und Dritte weiterzugeben. Diese Pflicht ist im Arbeitsgesetzt verankert und muss nicht explizit in Ihrem Arbeitsvertrag festgehalten werden. Oft ergibt sich die Schweigepflicht jedoch als sogenannte Nebenpflicht in den Arbeitsverträgen.

Vermutlich verbinden Sie mit der Verschwiegenheitspflicht die ärztliche Schweigepflicht oder die Schweigepflicht eines Anwalts, denn diese ist in der Gesellschaft relativ bekannt. Es ist diesen und weiteren Berufsgruppen explizit untersagt, Informationen über Patienten oder Mandanten weiterzugeben.

Aber nicht nur besondere Branchen sind betroffen, sondern alle Arbeitnehmer haben eine Pflicht zu Schweigen:

Diese bestimmten Berufsgruppen und einzelne Mitarbeiter verpflichten sich mit der Schweigepflicht zur absoluten Verschwiegenheit. Hierbei handelt es sich um so genannte Geheimnisträger, welche also Privatpersonen oder staatliche Amtsträger sein können. Die Person, dessen Fakten es durch die Verschwiegenheitspflicht zu schützen gilt, wird Geheimnisherr genannt. In jedem Fall müssen anvertraute Sachverhalte und Daten über bestimmte Personen geheim bleiben, diese Punkte hängen zusätzlich mit dem Datenschutz zusammen und unterliegen oft dem Geschäftsgeheimnis eines Unternehmens. Deshalb ist die rechtliche Grundlage der Verschwiegenheitspflicht der Datenschutz. Somit fällt die Schweigepflicht für viele Arbeitnehmer unter das Betriebsgeheimnisse, sodass Kenntnisse über Vorgehensweisen, Abläufe oder strukturelle Änderungen im Unternehmen nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen. Oft sind Arbeitnehmer auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu dieser Verschwiegenheit verpflichtet.

Sinn der Verschwiegenheitspflicht

  • Schutz des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung
  • Schutz des persönlichen Lebensbereichs (Privatsphäre)
  • Schutz vor Diskriminierung (z.B. durch Bekanntwerden einer Infektion u.a.)

Welche Arbeitnehmer und Selbstständige fallen unter die Schweigepflicht?

Eine sehr große Berufsgruppe ist explizit von der beruflichen Schweigepflicht betroffen und verpflichtet sich zur höchsten Verschwiegenheit. Mit Beginn der Berufsausübung, ob als Auszubildender oder Praktikant, müssen die Geheimnisse des Unternehmens bewahrt werden, besonders in einem schweigepflichtigen Beruf. Diese Pflicht kann von keinem Arbeitgeber und Leiter aufgehoben oder abgeschwächt werden.

Personenkreis, der unter die berufliche Schweigepflicht fällt

  • Ärzte
  • Psychotherapeuten
  • Zahnärzte
  • Apotheker
  • Geistliche
  • Kranken- und Altenpfleger
  • Mitarbeiter der Rettungsdienste
  • Angestellte im Bereich von Unfall-, Lebens- und Krankenversicherung
  • Juristen (v.a. Rechtsanwälte, Notare)
  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
  • Ehe-, Familien, Jugend- und Suchtberater
  • Mitarbeiter staatlich anerkannter Beratungsstellen: Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen
  • Beauftragte für Datenschutz
  • Mitarbeiter der genannten Berufsgruppen (z.B. Buchhalter, Laborkräfte, Steuerfachangestellte u.v.m.)
  • sämtliche Auszubildende (Ausbildung & Studium), die sich auf einen der oben genannten Berufe vorbereitet

Ausnahmen: Das deutsche Strafrecht erweitert diese Liste nicht, so sind z.B. Heilpraktiker und Erzieher nicht erfasst. Deshalb machen sich diese Berufsgruppen bei einem Bruch der Schweigepflicht nicht strafbar, jedoch unterliegen diese häufig der Verschwiegenheitspflicht, geregelt durch andere Vorschriften oder dem Arbeitsvertrag.

Zu unterscheiden ist zwischen der beruflichen Schweigepflicht dieser Berufe und der betrieblichen Schweigepflicht aller Arbeitnehmer, wodurch die Betriebsgeheimnisse bewahrt werden.

Arbeitnehmer und die Schweigepflicht:  Welche Informationen sind geheim?

Über alle Tatsachen, die im Zusammenhang und Interesse des Betriebs oder Unternehmens stehen, hat ein Mitarbeiter stillschweigen zu bewahren. Diese Pflicht muss nicht ausdrücklich in einem Vertrag oder im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Denn diese gilt dennoch, und das nicht nur gegenüber Außenstehenden des Unternehmens, sondern auch gegenüber Kollegen und Vorgesetzten, die in das Geheimnis nicht eingeweiht sind. Grundsätzlich gilt dieses Stillschweigen gegenüber jedem, auch gegenüber Angehörigen des Arbeitnehmers. In einigen Fällen gilt die (berufliche) Schweigepflicht, je nach Gesetzeslage, auch gegenüber der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht.

So kann sich diese betriebliche Schweigepflicht auf technische Bereiche (Erfindungen, Produktionsabläufe), kaufmännische Bereiche (Absatzzahlen, Kundenverzeichnisse), den Kundenbereich (Bankverbindungen, Kontaktdaten) oder Personalangelegenheiten (Erkrankung, Unfälle, Diagnosen) fallen.

Sonderfälle: Wann wird die Schweigepflicht ungültig?

Unter bestimmten Umständen kann die Schweigepflicht außer Kraft gesetzt werden. Diese Entscheidung sollten Sie aber bitte nur aus einem guten Grund treffen und gilt nur für bestimmte Anlässe. Ansonsten könnten Sie sich der Verletzung von Privatgeheimnissen schuldig machen und Ihren Arbeitsvertrag brechen. Mögliche Konsequenzen könnten eine Kündigung oder sogar eine Klage, verbunden mit einer Geld- oder Haftstrafe, sein.

Gründe für die Ungültigkeit der Schweigepflicht

Gesetzliche Auskunftspflicht

Diese Pflicht betrifft Krankenhäuser, diese müssen bestimmte Daten von Patienten an die Krankenkassen weiterleiten. Dazu sind diese gesetzlich verpflichtet. Erlaubt ist dieses Vorgehen nur, weil eine gesetzliche Auskunftspflicht besteht. Zusätzlich müssen Krankenhäuser in besonderen Fällen, wie Infektionen, weitere Behörden einbeziehen. Dies ist durch das Infektionsschutzgesetz geregelt und das Gesundheitsamt muss informiert werden.

Ausdrückliche Erlaubnis

Wenn der Betroffene, z.B. ein Patient, Sie ausdrücklich von der Schweigepflicht befreit, kann diese aufgehoben werden. Dafür müssen Sie aber eine schriftliche Vereinbarung des Betroffenen erhalten, sodass Sie auch einen Nachweis für die außer Kraftsetzung haben. So kann zum Beispiel ein Arzt die Erlaubnis bekommen, auch mit der Familie des Patienten über eine Krankheit etc. zu sprechen.

Stillschweigende oder mutmaßliche Erlaubnis

Eine schriftliche Erlaubnis des Betroffenen ist in diesen Sonderfällen aber nicht immer notwendig. In manchen Situation ist es ausreichend, wenn von dem Einverständnis ausgegangen werden kann. Rät ein Arzt seinem Patienten beispielsweise zu einer Überweisung und zeigt sich der Betroffene damit einverstanden, willigt er stillschweigend ein, seine Patientenakte an den anderen Arzt weiterzugeben. Dasselbe gilt, wenn ein Patient nach einem Unfall oder einer Straftat bewusstlos ist.

Ein rechtfertigender Notstand

Besteht (lebensbedrohliche) Gefahr, dürfen Sie die Schweigepflicht brechen. Das kann zum Beispiel im Beruf der Sozialarbeit der Fall sein: Wird ein Kind vernachlässigt und befindet sich in Gefahr, können Sie diese Information weitergeben, zum Wohle des Kindes.

Planung einer Straftat

Kündigt eine Personen Ihnen eine Straftat oder ein Verbrechen an, dürfen Sie die Schweigepflicht ebenfalls brechen. So können Sie die Polizei darüber in Kenntnis setzen, ohne sich strafbar zu machen.

Verstoß: Welche Folgen und Konsequenzen gibt es?

Verstoßen Sie gegen die Schweigepflicht, kann es Sie Ihren Job kosten. Und nicht nur das, meistens kommen Geldstrafen oder Haft bis zu einem Jahr hinzu. Gesetzlich ist geregelt, dass Sie sogar eine Sperre für die Berufsausübung bekommen können. Wenn Sie nicht zu der oben genannten Berufsgruppe gehören, unterliegen Sie zwar keiner beruflichen Schweigepflicht, aber Sie stehen in der Pflicht die Betriebsgeheimnisse und somit die Privatgeheimnisse des Unternehmens zu bewahren (betriebliche Schweigepflicht).

Es ist also in jedem Fall zu empfehlen, dass Sie als Arbeitnehmer immer vorsichtig vorgehen: Haben Sie Zugriff auf betriebliche Daten und Kontakte von Kunden, können Sie davon ausgehen, dass Sie ein Berufsgeheimnisträger sind. Sorgen Sie am besten immer dafür, dass kein Dritter Zugriff auf diese Daten bekommt. Falls Sie sich unsicher sind, was in Ihren Job unter Betriebsgeheimnisse fällt, wenden Sie sich bitte an Ihren Arbeitgeber. Ansonsten können Sie sich auch am Sprichwort „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“ orientieren. Dann sollte nichts schief gehen.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (11 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

Letzte Artikel
Weitere Tipps für Ihre Karriere
Unternehmen gründen: Diese Schritte garantieren eine erfolgreiche Gründung
© Gajus / shutterstock.com
Unternehmen gründen: Diese Schritte garantieren eine...

Eine Geschäftsidee ist der erste Schritt in die Selbständigkeit und der Grundstein für ein eigenes Unternehmen. Eine Idee ist geboren, jetzt fehlt nur...

noch kein Bild für Kommunikation im Beruf: Diese 10 Sätze gefährden das Betriebsklima
 
Kommunikation im Beruf: Diese 10 Sätze gefährden das...

In vielen Unternehmen kann eine Unterhaltung zwischen Arbeitskollegen ein freundschaftlicher Austausch sein, denn oft besteht zwischen Arbeitnehmern ein...

Tipps für ein gutes Meeting: Vorbereitung, Durchführung & No-Gos
© 0beron / shutterstock.com
Tipps für ein gutes Meeting: Vorbereitung, Durchführung &...

Meetings gehören für viele Berufstätige zum Alltag und werden täglich oder regelmäßig in der Woche gehalten. Sie dienen der...

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
Viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche!

Auf karrieretipps.de finden Sie täglich aktuelle Stellenangebote aus Ihrer Umgebung.