karrieretipps.de Karriere Phrasen im Job: So wird man sie los

Phrasen im Job: So wird man sie los

Phrasen im Job: So wird man sie los
© Monkey Business Images | shutterstock.com
Christiane Peters am 12.07.2021 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Was sind Phrasen?
  2. So lassen sich Phrasen erkennen
  3. Das kann man gegen Phrasen tun
    1. Tipp 1: Mit gezielten Fragen kontern
    2. Tipp 2: Sprüche abprallen lassen
    3. Tipp 3: Floskeln bewusst missverstehen
    4. Tipp 4: Den Angreifer auf die Phrasen ansprechen
    5. Tipp 5: Den direkten Angriff starten
  4. Das können Sie tun, um nicht selbst zum Phrasendrescher zu werden

Man kann sie einfach nicht mehr hören, diese Phrasen und nichtssagenden Worte, die wir alle im Job immer wieder über uns ergehen lassen müssen.  Da kommt bei einigen richtig Wut auf, andere schalten völlig ab und hören einfach nicht mehr hin. „Das funktioniert in der Praxis nicht.“, „Dafür bin ich nicht verantwortlich.“ „Wir können doch nicht ständig alles verändern!“, „An Ihrer Stelle würde ich das auch behaupten.“ Wie kann man sich ihnen entziehen? Noch besser, wie kann man diese fiesen Äußerungen bekämpfen und wie wird man sie endlich los?  

Was sind Phrasen?

Phrasen und Floskeln sind Wörter und Wendungen, die inhaltlich eine geringe Aussagekraft haben oder die so inflationär verwendet werden, dass man sie einfach nicht mehr hören kann. Manche verwenden sie ohne „böse“ Absicht, weil sich diese Worthülsen einfach in den Wortschatz eingeschlichen haben. Es gibt aber auch andere, die sie bewusst einsetzen, um andere zu verunsichern.  

Menschen, die ständig mit leeren Argumenten, Behauptungen oder auch Vorurteilen ihr Unwesen treiben, sind wahrlich keine angenehmen Zeitgenossen. Mit ihren nichtssagenden Äußerungen und leeren Worthülsen gehen sie vielen auf die Nerven. Die einfach nur abwertenden, unsachlichen, abwehrenden oder blockierenden Kommentare sind wenig hilfreich und im Berufsalltag alles andere als motivierend.    

So lassen sich Phrasen erkennen

Wenn man genau hinhört, ist es gar nicht so schwer, einen Menschen zu entlarven, der mit seiner Phrasendrescherei ablenken oder andere sogar verletzen will. Entgegnet Ihnen jemand: „Das geht sowieso nicht!“, will Ihnen Ihr Gegenüber höchstwahrscheinlich klarmachen, dass er keine Lust auf das weitere Gespräch hat und dieses für sich längst abgehakt hat. Mit dieser Äußerung kann er jedoch noch weitere Ziele verfolgen:

  • von der eigenen Unwissenheit ablenken
  • jede Diskussion im Keim ersticken lassen
  • den Gesprächspartner zum Schweigen bringen
  • eventuelle Veränderungen unmöglich machen
  • das Gegenüber unfähig oder inkompetent dastehen lassen

Das kann man gegen Phrasen tun

Gegen diese destruktiven und fiesen Worthülsen ist ein Kraut gewachsen und man kann ihnen gezielt entgegentreten. Wichtig dabei, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Mit einem kühlen Kopf, möglichst wenig Emotionalität und einer Portion Sachlichkeit kannst du Phrasendreschern das Handwerk legen.

Hier einige Tipps, wie Sie den Phrasen ihre abwertende und negative Kraft entziehen können:

Tipp 1: Mit gezielten Fragen kontern

Lassen Sie sich nicht von einer Phrase einschüchtern, sondern kontern Sie mit einer passenden Frage. Ihr Gesprächspartner ist nun gefordert, er muss sich erklären und Argumente liefern. Damit entziehen Sie ihm die Möglichkeit, das Gespräch einfach für beendet zu erklären.
Zum Beispiel: Wenn Ihr Gegenüber sagt: „Das wird doch niemals funktionieren.“, dann können Sie ihn mit folgender Frage in Erklärungsnot bringen: „Wo genau sehen Sie das Problem?“ oder „Warum sagen Sie das?“

Tipp 2: Sprüche abprallen lassen

Es gibt Situationen, da hilft nur eins: Die Phrasen einfach ignorieren. Das ist in Diskussionsrunden ein hilfreiches Instrument, damit nicht förderliche Gespräche vermieden werden und weitergearbeitet werden kann. Diese Vorgehensweise hat den Nachteil: Da es keine Aussprache gibt, bleiben die Aussagen im Raum und können für den Fortgang des Gesprächs nachteilig sein.

Sie können zum Beispiel Folgendes sagen: „Das ist Ihre Meinung.“ oder „Vielen Dank. Jetzt geht es weiter mit dem nächsten Punkt!“

Tipp 3: Floskeln bewusst missverstehen

Manche Gesprächspartner legen es bewusst darauf an, andere Menschen mit ihren Sprüchen zu verletzen. Wenn Sie es geschickt anstellen und sich gegen diesen Affront wappnen, können Sie den Spieß umdrehen, indem Sie die Äußerungen bewusst missverstehen. So können Sie kontern: „Ein hervorragender Vorschlag! Herzlichen Dank für das positive Feedback!“

Tipp 4: Den Angreifer auf die Phrasen ansprechen

Manchmal kann auch eine direkte Reaktion der richtige Weg sein. Warum nicht mit dem Gegenüber Klartext sprechen und ihm ins Gesicht sagen, dass er mit seinen abwertenden Sprüchen nicht zum Erfolg beiträgt? Zum Beispiel können Sie sagen: „Das ist doch offensichtlich, Sie bringen uns mit Ihren Sprüchen überhaupt nicht weiter. Möchten Sie hier vom Thema ablenken?!“ oder „Die Fakten sagen etwas Anderes.“

Tipp 5: Den direkten Angriff starten

Es gibt jedoch Zeitgenossen, die einem bewusst „Knüppel in die Beine werfen“ und mit ihren Phrasen nicht nur destruktiv sind, sondern einen regelrechten Angriff auf ihr Gegenüber starten. Entweder man ignoriert diesen oder man geht zum Gegenangriff über. Das kann gefährlich sein, denn damit begibt man sich auf die Ebene des Angreifers. Experten empfehlen deshalb, diese Variante nur bei extremen Fällen anzuwenden.

Wenn Sie sagen: „Wären Sie in meiner Position, dann würden Sie sehen, dass das so nicht funktioniert.“, dann klingt das schon hart. Mit einer etwas weicheren Variante würden Sie sich allerdings nicht auf dasselbe Niveau begeben.  

Das können Sie tun, um nicht selbst zum Phrasendrescher zu werden

Jeder kann sich vor der grassierenden Floskelitis schützen: Hinterfragen Sie Ihre Formulierungen und prüfen Sie, was Sie mit Ihrer konkreten Äußerung überhaupt aussagen möchten. Am besten sortieren Sie alle nutzlosen Ausdrücke und Redewendungen einfach aus und verbannen Sie diese aus Ihrem Wortschatz.

Hier einige Floskeln, die im Job gerne verwendet werden, um etwas Schlaues zu sagen, auf die Sie jedoch verzichten sollten:  

  • Das habe ich auf dem Schirm: Besser und professioneller ist es, wenn Sie sagen: „Diese Aufgabe habe ich nicht vergessen. Ich beschäftige mich bereits damit.“  
  • Ich bin ein echter Teamplayer: Diese Äußerung gehört ebenfalls in die Kategorie wenig zielführend. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie sagen, dass Sie gerne im Team arbeiten.
  • Das wäre am optimalsten: Noch so eine Floskel, die zudem noch grammatikalisch falsch ist. Es gibt keine Steigerung von „optimalsten“. Mit „optimal“ sind Sie auf der sicheren Seite.
  • Meines Wissens nach: Das klingt nicht nur schlecht, sondern ist auch falsch: „Meines Wissens“ ist eine Alternative zu „soviel ich weiß“. Da es sich bei der Wortkombination um den Genitiv handelt, darf es nicht, „meines Wissens nach“ heißen. Wortverbindungen mit „nach“ dürfen nur mit dem Dativ gebildet werden, wie zum Beispiel „meiner Erfahrung nach“.
  • Das macht Sinn: Häufig zu hören und trotzdem nicht richtig formuliert. Korrekt muss es heißen: Es ergibt Sinn.
  • Könntest du vielleicht?: Diese Phrase ist gang und gäbe im Berufsalltag. Und sie zeigt, dass der Fragende schon mit einem Nein rechnet. Mit der Formulierung: „Kannst du mich bei dieser Aufgabe unterstützen?“ fahren Sie besser.
  • Ich wollte nur einmal nachfragen: Das ist umständlich, besser ist es, wenn Sie sagen: „Dazu habe ich eine Frage.“
  • Dürfte ich deine Meinung dazu erfragen?: Formulieren Sie klar und eindeutig: Wie ist deine Meinung?   
  • Ich würde eigentlich gerne darüber sprechen: Fragen Sie konkret: Darf ich dir einige Terminvorschläge machen, damit wir darüber sprechen können?
  • Füllwörter wie „eigentlich“ oder „vielleicht“ haben sich längst in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen. Unverbindlichkeit lässt grüßen. Sie sind nicht zu empfehlen, weil sie Ihre Argumente und Aussagen abschwächen. Nicht besser sind die nichtssagenden Ausdrücke möglicherweise, praktisch, im Grunde genommen, gegebenenfalls. Es gibt keinen Grund, sie im Wortschatz zu behalten.  

Wir alle sind nicht frei von Phrasen und Floskeln, wenn wir mit anderen kommunizieren. Oftmals werden wenig konstruktive Redewendungen einfach nur so herausposaunt, manchmal mit Absicht, manchmal ohne Überlegung. Mit der Folge, dass diese den Gesprächspartner verunsichern, angreifen oder das Gespräch in eine andere Richtung führen. Worthülsen sind ein Nährboden für Konflikte und Missverständnisse. Doch gegen die Floskelitis ist ein Kraut gewachsen. Jeder kann seine Äußerungen selbst kritisch hinterfragen und nutzlose Phrasen einfach aus dem Wortschatz verbannen. In Verbindung mit den oben aufgeführten Tipps lassen sich auch unangenehme Phrasendrescher überführen.

Bild: Christiane Peters
Christiane Peters (15 Artikel)

Christiane Peters hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert. Aktuell arbeitet sie als Journalistin für ein Wirtschaftsmagazin. Schwerpunkte ihrer redaktionellen Tätigkeit sind Themen aus den Bereichen New Work, Personalmanagement, Führung und Karriere. Auf karrieretipps.de kann sie ihre langjährigen Erfahrungen und ihren Blick für aktuelle Themen und Trends in der Personal- und Karriereentwicklung zur Anwendung bringen.

Letzte Artikel
Weitere Tipps für Ihre Karriere
Quereinsteiger: Tipps für die fachfremde Bewerbung
© G-Stock Studio | shutterstock.com
Quereinsteiger: Tipps für die fachfremde Bewerbung

Haben Sie auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Ihren durch Ausbildung oder Studium erlernten und vertrauten Beruf aufzugeben und in einer anderen, bisher...

Negative Unternehmensbewertungen: So gehen Sie effizient mit Kritik um
© Victoruler | shutterstock.com
Negative Unternehmensbewertungen: So gehen Sie effizient...

Die sozialen Medien wie Twitter, Facebook und Instagram bieten viele Chancen für die Unternehmenskommunikation. Die Möglichkeit des persönlichen...

Nach dem Burn-out: So klappt der Wiedereinstieg!
© George Rudy | shutterstock.com
Nach dem Burn-out: So klappt der Wiedereinstieg!

Nach einem Burn-out in den Job zurückzukehren, ist für jeden Betroffenen emotionale Schwerstarbeit. Nach einer wochen- oder monatelangen Auszeit ist ein...

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
Viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche!

Auf karrieretipps.de finden Sie täglich aktuelle Stellenangebote aus Ihrer Umgebung.