karrieretipps.de Karriere Pausenzeiten im Job: Diese Regeln gelten!

Pausenzeiten im Job: Diese Regeln gelten!

Pausenzeiten im Job: Diese Regeln gelten!
© Roman Samborskyi | shutterstock.com
Anastasia Johlen am 11.05.2020 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Definition: Pausen nach dem Arbeitsrecht
    1. Sind Pausen bezahlt oder unbezahlt?
  2. Pausenarten: Welche Pausen gibt es?
  3. Wann haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Pause?
  4. Einteilung der Pausenzeit: Was müssen Sie beachten?
    1. Pausen während der Arbeit im Überblick
  5. Ausnahmen in der Ruhezeiten-Regelungen
  6. Pausen und Ruhezeit bei Bereitschaft
    1. Pausenanspruch bei Rufbereitschaft
    2. Pausenanspruch bei Bereitschaftsdienst
  7. Raucherpausen am Arbeitsplatz: Haben Sie ein Recht auf Raucherpausen?
    1. Raucherpause laut der Arbeitsstättenverordnung:

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf Pausen und Ruhzeiten während der Arbeitszeit. Wie viele Auszeiten einem Arbeitnehmer während der Arbeit zustehen, regelt das Arbeitsrecht. Dadurch werden im Grunde unzumutbare Bedingungen seitens des Arbeitgebers verhindert und klare Vorgaben für die Pausenregelung festgelegt. Trotz dieser Vorgaben herrscht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Sachen Pausenzeiten und dessen Umsetzung oftmals Streit. Was gilt als Arbeitspause? Welche Grundvorgaben beinhaltet das Arbeitszeitgesetz? Nach wie viel Arbeitsstunden haben Sie einen Anspruch auf Pause?

Definition: Pausen nach dem Arbeitsrecht

Was ist unter Arbeitspausen zu verstehen? Ist das Gespräch mit einem Arbeitskollegen über die Arbeit oder das Projekt eine Pause? Im Grunde wird durch die Unterhaltung die eigentliche Arbeit unterbrochen, aber es handelt sich um ein Gespräch, was die Arbeit als Ausgangspunkt hat. Zählt der Gang zur Toilette als Pause? Für das bessere Verständnis muss zunächst der Begriff Pause definiert werden.

Arbeitspausen und Arbeitszeiten werden hierzulande im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Nach § 4 ArbZG werden Ruhepausen so definiert:

„Die Arbeit ist durch im Voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen nach Satz 1 können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.“

Sind Pausen bezahlt oder unbezahlt?

Generell werden festgelegte Ruhepausen nicht bezahlt. Es kann jedoch vorkommen, dass einige Tarif- oder Arbeitsverträge eine Vereinbarung über die Bezahlung von Pausen beinhalten. Hierbei muss zwischen Ruhepause und Arbeitsunterbrechung unterschieden werden.
Auf den Punkt gebracht, bedeutet wohl jede Ruhepause eine Arbeitsunterbrechung, aber eine Arbeitsunterbrechung ist noch lange keine Ruhepause. So gilt der Gang zur Toilette zwar als Arbeitsunterbrechung, aber nicht als Ruhepause.

Pausenarten: Welche Pausen gibt es?

Generell wird zwischen verschiedenen Pausen unterschiedene:

  • Arbeitspause: Geregelte Arbeitsunterbrechung, die Arbeitnehmer teilnehmen müssen.
  • Betriebspause: Aufgrund betrieblicher Umstrukturierungen oder Störungen kann der Arbeitnehmer seiner Beschäftigung nicht nachgehen. Betriebspausen gelten als bezahlte Arbeitszeit und nicht als Arbeitspause.
  • Bildschirm- bzw. Lärmpause: Zur Entlastung von Mitarbeitern können regelmäßige kurze Bildschirmpausen eingelegt werden. Diese gelten als Arbeitszeit und nicht fallen nicht in die Arbeitspausenreglung.
  • Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen und Schichten: Nach Beendigung der täglichen Arbeit steht dem Arbeitnehmer per Gesetz mindestens eine Ruhezeit von 11 Stunden zwischen Ende der Arbeitstages und Beginn eines neuen Arbeitstages zu. Während dieser besonderen Ruhezeit dürfen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht zur Arbeit ins Unternehmen auffordern.

Wann haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Pause?

Einen Anspruch auf Pause haben Sie als Arbeitnehmer, wenn Ihre tägliche Arbeitszeit zwischen neun und sechs Stunden liegt. Arbeiten Sie mehr als 9 Stunden, stehen Ihnen 45 Minuten zu. Diese Pausen müssen nicht zwingend am Stück genommen werden, stattdessen können kleinere Pausen über den Arbeitstag verteilt werden. Dabei gilt zu beachten, dass Arbeitsunterbrechungen von weniger als 15 Minuten nicht als Pause zählen, sondern als reguläre Arbeitszeit. Im engeren Sinne zählt der Gang zur Toilette also nicht zur Pause.
Wie Sie Ihre Pause gestalten, bleibt im Grunde Ihnen überlassen, außer in Ihrem Arbeitsvertrag stehen Regelungen dazu. Verzichten Sie freiwillig auf Ihre Pause, kann diese trotzdem nicht als bezahlte Arbeitszeit gerechnet werden.

Beispiel Pausen einlegen

Beginnen Sie als um 8 Uhr morgens mit Ihrer Arbeit, müssen Sie spätestens um 14 Uhr eine Pause von 30 Minuten machen. Die Pause kann auch in 15-Minuten-Blöcken genommen werden, also zum Beispiel von 12:00 bis 12:15 Uhr sowie von 13:45 Uhr bis 14:00 Uhr.

Einteilung der Pausenzeit: Was müssen Sie beachten?

Wie Sie Ihre Pausen während der Arbeit einteilen, gibt Ihr Arbeitgeber vor. Sie dürfen nicht einfach selbst entscheiden, wie Sie Ihre Pausen über den Arbeitstag verteilen. Wie die Pausenzeit tatsächlich in Ihrer Arbeitszeit liegen, kann laut Betriebsverfassungsgesetz der Betriebsrat per Mitbestimmungsrecht beeinflussen. Der Arbeitgeber kann dann nicht einfach festlegen, wie die Pausen fallen.

In der Praxis sind Arbeitgeber in Sachen Pausen oft sehr kulant, immerhin wirkt sich ein zufriedener und ausgeruhter Mitarbeiter auch positiv auf die Arbeitsatmosphäre und Tätigkeiten auf. Mittlerweile bieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, sodass die Mitarbeiter während eines zweistündigen Zeitfensters ihre Mittagspause machen können.

Pausen während der Arbeit im Überblick

  1. Eine Pause muss spätestens nach sechs Arbeitsstunden stattfinden.
  2. Pausen müssen bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden mindestens 30 Minuten (oder zweimal 15 Minuten) lang sein.
  3. Pausen gelten nicht als Arbeitszeit und werden nicht bezahlt.
  4. Mitarbeiter müssen die Pausenregelung einhalten und Erholungszeit nehmen.
  5. Jugendliche müssen nach viereinhalb Stunden Arbeitszeit eine Pause von 30 Minuten machen.

Ausnahmen in der Ruhezeiten-Regelungen

Natürlich gibt es auch in Sachen Pausenregelung Ausnahmefälle, sodass in einigen Branchen besondere Richtlinien gelten und auch für Jugendliche und Arbeitnehmer in Schicht- und Verkehrsbetrieben.

Die Ausnahmen gelten bei…

  • Chefärzten
  • Jugendlichen
  • Leitenden Angestellten
  • Stillenden Müttern
  • Arbeitnehmern in Verkehrsbetrieben
  • Arbeitnehmern in Radioanstalten
  • Mitarbeitern in Kirchen
  • Arbeitnehmern in Gastronomiebetrieben
  • Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst
  • Arbeitnehmern in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Bei Angestellten im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen kann sich die Ruhezeit um bis zu zwei Stunden verkürzen. Diese Kürzung muss aber innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausgeglichen werden. In landwirtschaftlichen Betrieben, Tierhaltungsbetrieben, und im Gaststätten- und Hotelgewerbe kann die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitszagen oder Schichten um bis zu eine Stunde gekürzt werden, insofern die Ruhezeit anschließend auf mindestens 12 Stunden zwischen den Arbeitszeiten erhöht wird.

Pausen und Ruhezeit bei Bereitschaft

In einigen Berufen ist der Einsatz von Bereitschaft gefragt: ein Arbeitnehmer muss nicht zwingend am Arbeitsplatz im Unternehmen sein, jedoch auf Abruf stehen und jederzeit bereits sein, seiner Tätigkeit nachzugehen. Diese Bereitschaft ist in einigen Berufsbranchen typisch.

Pausenanspruch bei Rufbereitschaft

Bei der Rufbereitschaft muss der Arbeitnehmer abrufbereit sein, egal wo er sich befindet. Es bleibt dem Angestellten überlassen, wo er sich aufhält. Im Ernstfall muss sich der Arbeitnehmer sofort auf den Weg machen. Häufig werden Angestellte in Rufbereitschaft übers Handy oder andere Geräte informiert. Die Zeit ohne Anruf oder Meldung gilt als Ruhezeit.

Pausenanspruch bei Bereitschaftsdienst

Im Bereitschaftsdienst müssen Angestellte sich an Vorgaben halten und an einem festgelegten Ort aufhalten. Sie dürfen sich also nicht einfach irgendwo aufhalten und bereithalten. Häufig ist der Arbeitspatz oder ein Ort in der Nähe vorgegeben, an dem die Arbeitnehmer auf ihren Einsatz warten. Lässt der Bereitschaftsdienst keinen Platz für Privates, zählt dieser als volle Arbeitszeit. Dadurch hat der Arbeitnehmer im Bereitschaftsdienst Anspruch auf Pausen.

Raucherpausen am Arbeitsplatz: Haben Sie ein Recht auf Raucherpausen?

Generell gibt es in Deutschland kein Recht auf das Rauchen am Arbeitsplatz, somit gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Raucherraum oder eine Raucherecke. Definitiv Verboten ist es direkt im Büroraum zu rauchen, da alle Arbeitnehmer ein Recht auf einen sogenannten rauchfreien Arbeitsplatz haben. Deshalb ist es untersagt direkt am Arbeitsplatz in geschlossenen Räumen zu rauchen.

Es gibt keine gesetzliche Regelung, die besagt wie oft und wie lange ein Arbeitnehmer rauchen darf. Allgemein haben Sie also auch keinen Anspruch auf die sogenannte „5-Minuten-Raucherpause“. Spezielle Betriebsvereinbarung regeln, wie Raucher sich während der Arbeitszeit zu verhalten haben. Der Arbeitnehmer muss sich an diese Vereinbarungen halten.

Raucherpause laut der Arbeitsstättenverordnung:

„Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind. Soweit erforderlich, hat der Arbeitgeber ein allgemeines oder auf einzelne Bereiche der Arbeitsstätte beschränktes Rauchverbot zu erlassen.“

Ihr Arbeitgeber hat das Recht ein teilweises oder komplettes Rauchverbot auszusprechen. Es wird also vom Unternehmen festgelegt, wie oft und wie lange Sie als Raucher Ihre Zigarette „genießen“ dürfen. Häufig akzeptieren viele Unternehmen, dass rauchende Angestellte eine Raucherpause während der Arbeitszeit machen. Diese Pausen müssen jedoch nachgeholt werden und dadurch wird der Arbeitstag in der Regel länger. Im Grunde hat Ihr Arbeitgeber sogar das Recht dazu, Sie bei zu häufigen Raucherpausen abzumahnen.

Wie Sie sehen ist es wichtig zwischen Ruhepausen und Arbeitsunterbrechung zu unterscheiden. Weiterhin gelten per Gesetz bestimmte Regelungen, wann ein Arbeitgeber Pausen machen soll und wann nicht. Die Einhaltung der vorgegebenen Ruhepausen spiegelt sich in Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ausgeruhte Arbeitnehmer sind motivierter und haben eine bessere Arbeitsmoral, das wiederum wirkt sich positiv auf das Betriebsklima und die wirtschaftlichen Erfolge des Unternehmens aus.

Bild: Anastasia Johlen
Anastasia Johlen (61 Artikel)

Anastasia Johlen hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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