karrieretipps.de Karriere Neues Mutterschutzgesetz: Welche Änderungen bringt 2018?

Neues Mutterschutzgesetz: Welche Änderungen bringt 2018?

Neues Mutterschutzgesetz: Welche Änderungen bringt 2018?
© VGstockstudio | shutterstock.com
Tanja Tänzer am 06.12.2017 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Erste große Anpassung seit dem Jahr 1952
  2. Änderungen bei Arbeitsverboten gegen den Willen von Arbeitnehmerinnen
  3. Besserer Arbeitsschutz in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeiten
  4. Neue Beurteilungen von Gefährdungen am Arbeitsplatz
  5. Mehr Personengruppen vom Mutterschutzgesetz betroffen

Der Mutterschutz in Deutschland gilt als eine der größten Errungenschaften zum Schutze der Arbeitnehmer und hat in vielen Unternehmen einen wichtigen Stellenwert in der langfristigen Personalplanung. Gerade für Unternehmen, die auf die Expertise von jungen Frauen in ihrer Firma angewiesen sind, ist es wichtig, dass sie sich mit den verschiedenen Feinheiten der Gesetze beschäftigen.

Für das Jahr 2018 ist eine erneute Anpassung des Gesetzes zum Schutz von werdenden und gerade gewordenen Müttern zu verzeichnen. Dabei geht es nicht nur um genaue Detailfragen zu der Dauer vom Mutterschutz, sondern auch um einige rechtliche Aspekte zur Behandlung von werdenden Müttern.

Erste große Anpassung seit dem Jahr 1952

Das Mutterschaftsgesetz mit seinen derzeitigen Richtlinien entstammt noch Gesetzen aus dem Jahr 1952. Entsprechend haben Politiker einen hohen Bedarf darin gesehen, eine Anpassung an die Lebenswirklichkeit im Arbeitsleben vorzunehmen und dabei auch Personen zu berücksichtigen, die nach damaligen Maßstäben nicht in Lohn und Brot gestanden haben. Teile der Gesetze sind dabei bereits im Jahr 2017 in Kraft getreten. Aufgrund des Widerstands aus der Wirtschaft, der auch jetzt noch besteht, werden wesentliche Bestandteile allerdings erst mit dem 01.01.2018 in Kraft treten. Es lohnt sich dabei nicht nur für Arbeitnehmer, sich über die entsprechenden Änderungen zu informieren, die auch die eigene Person betreffen können.

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Gesetze beschäftigt sich mit dem Schutz von Arbeitnehmerinnen, die zum Beispiel nebenher in einem Studium tätig sind oder nur eine Praktikantenstelle in einem Unternehmen wahrnehmen. Darüber hinaus sollen die neuen Vorschriften dafür sorgen, dass werdende Mütter von bestimmten Aufgaben in Unternehmen verschont bleiben, die durch den Stress eine negative Auswirkung auf die Schwangerschaft haben können. Zuletzt werden auch die Arbeitgeber in die Pflicht genommen: Sie sollen künftig über Risiken am Arbeitsplatz besser informieren und werden somit in die Haftung im Sinne der Sorgfaltspflicht gegenüber Arbeitnehmerinnen genommen.

Änderungen bei Arbeitsverboten gegen den Willen von Arbeitnehmerinnen

In der Vergangenheit haben viele Arbeitgeber ihren Arbeitnehmerinnen bei einer Schwangerschaft verboten, bestimmte Tätigkeiten durchzuführen oder an entsprechenden Tagen und Schichten zu arbeiten. Es war für sie einfacher, den Arbeitnehmerinnen entsprechende Arbeitsverbote zu erteilen, anstatt ihre Stellen komplett neu zu definieren und zu verändern. Das will der Gesetzgeber mit den neuen Vorschriften, die im Jahr 2018 gültig werden, verhindern. Hier die wichtigsten Eckpunkte zu diesem Teil der neuen Gesetze:

  • Arbeitsplätze in der Medizin oder der Chemie oder anderen Branchen dürfen nicht mehr pauschal mit einem Arbeitsverbot für die Arbeitnehmerinnen belegt werden. Ein entsprechendes Verfahren für Genehmigungen wird eingerichtet.
  • Ähnliches gilt für Sonntags- und Nachtarbeit, die bisher in vielen Fällen ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr möglich war.
  • Es ist den Arbeitgebern nicht mehr gestattet, diese Arbeitsverbote gegen den Willen der Arbeitnehmerinnen durchzusetzen. Stattdessen gibt es verschiedene Prüf- und Genehmigungsverfahren, die genutzt werden müssen.

Auf diese Weise sollen die nachteiligen und meistens auf bestimmte Branchen begrenzten Berufsverbote verhindert werden. Verbände der Arbeitgeber und Wirtschaft kritisieren bei diesem Punkt die gestiegene Bürokratie und die damit verbundene Zeitspanne bei den notwendigen Genehmigungsverfahren.

Besserer Arbeitsschutz in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeiten

Eines der Ziele ist es, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst einen Konsens darin finden sollen, wie flexibel die Arbeitszeit eingeteilt werden kann. Bisher gelten zum Beispiel strikte Bedingungen für den Einsatz von schwangeren Kräften an Wochenenden oder in der Zeit von 20 bis 22 Uhr. Ähnliche Probleme gelten dann, wenn es darum geht, dass eine schwangere Arbeitskraft bei Überstunden eingesetzt wird. Auch hier will der Gesetzgeber mit den neuen Vorschriften sowohl dem Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmerinnen mehr Flexibilität ermöglichen. In allen Punkten gilt allerdings, dass der Arbeitgeber eine besondere Sorgfaltspflicht gegenüber seinen Arbeitnehmerinnen hat, diese über Risiken aufklären muss und im Zweifel die Genehmigung durch einen Arzt braucht, wenn er sie über die Regelarbeitszeit hinaus einsetzen möchte.

Neue Beurteilungen von Gefährdungen am Arbeitsplatz

Bei den neuen Vorschriften liegt ein besonderes Augenmerk der Gesetzgeber darauf, dass die Arbeitgeber ihre schwangeren Kräfte umfangreich vor Gefahren schützen und bereits bei der Einstellung auf eventuelle Gefahren hinweisen, die während einer Schwangerschaft oder der Stillzeit eintreten können. Daher gibt es nun genaue Vorschriften, wie in einem solchen Fall mit Gefährdungen am Arbeitsplatz umzugehen ist. Es handelt sich um den Punkt, der bei den meisten Arbeitgeber-Verbänden auf den größten Widerstand stößt, da sie eine Risiko-Einschätzung für die meisten Tätigkeiten in ihrem Unternehmen in Auftrag geben müssen.

  • Die Mutter oder werdende Mutter muss die Möglichkeit haben, ihre Tätigkeit vollkommen frei von möglichen Gefährdungen durchzuführen. Das hat der Gesetzgeber in seinen neuen Gesetzen eindeutig geregelt.
  • Ist dies bei einem Arbeitsplatz nicht ohne einen großen Mehraufwand möglich, muss die Arbeitnehmerin an einem Platz im Unternehmen eingesetzt werden, der ihrer Qualifikation entspricht.
  • Ob eine Gefährdung vorliegt, werden künftig neu geschaffene Stellen innerhalb der Länder entscheiden. Diese können auch als eine Beschwerdestelle für die Arbeitnehmer fungieren.

Künftig haben die Arbeitgeber gegenüber den werdenden Müttern und in der Stillzeit also deutlich mehr Verantwortung gegenüber ihren Arbeitnehmerinnen. Wie konkret die Situationen und Richtlinien für eine mögliche Gefährdung sind, wird sich vor allem in der Praxis entscheiden und kann in der Theorie noch nicht festgelegt werden.

Mehr Personengruppen vom Mutterschutzgesetz betroffen

Aufgrund des Alters der bisherigen Gesetze waren viele Personen in Unternehmen bisher nicht durch die Gesetze und Regularien im Mutterschutz geschützt. Da sich die Arbeitswelt in den letzten 60 Jahren stark verändert hat und viele neue Formen der Beschäftigung geschaffen worden sind, hat der Gesetzgeber an diesem Punkt nachgezogen und bietet nun klarerer Formulierungen an, auf welche Personen das Mutterschutzgesetz anzuwenden ist. Das bedeutet auch, dass künftig bei mehr Personen darauf zu achten ist, dass zum Beispiel in keinem Fall gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen wird. Die folgenden Personengruppen sind ab 2018 ebenfalls durch das Gesetz geschützt:

  • Frauen in der Berufsausbildung und angestellte Praktikantinnen sind nun ebenfalls von den vielen Möglichkeiten des Mutterschutzgesetzes betroffen.
  • Auch Schülerinnen und Studenten können in bestimmten Fällen betroffen sein und sind vor allem durch die Gesetze in Hinblick auf die Gefährdung geschützt.
  • Behinderte Personen in Werkstätten sollen ebenfalls mit dem neuen Gesetz zusätzlichen Schutz erhalten.

Der Ausbau der Personengruppe, die von dem Gesetz betroffen ist und geschützt wird, ist ein wichtiger Schritt für die Arbeitnehmerinnen. Immerhin hat sich die Realität auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren stark verändert und viele, vor allem junge Frauen, wurden nicht ausreichend durch die veralteten Gesetze und Vorschriften bei ihren Tätigkeiten geschützt. Alles in allem lässt sich sagen, dass die neue Gesetzesvorlage zwar bei den Unternehmen auf Kritik stößt, die Arbeitnehmerinnen aber tatsächlich besser schützt. Zudem profitieren beide Seiten von der einfachen und flexiblen Möglichkeit bei der Anpassung von Arbeitszeiten und Tätigkeiten in einem Unternehmen. Das Gesetz wird somit zum Glück zum 01.01.2018 in Kraft treten.

Bild: Tanja Tänzer
Tanja Tänzer (52 Artikel)

Tanja Tänzer hat Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign Hochschule in Berlin studiert. Während Ihres Studiums hat sie bei verschiedenen Internetunternehmen im Bereich Content Management und Redaktion gearbeitet. Seit kurzem unterstützt Sie das Team von karrieretipps.de mit täglich knackig frischen News und Artikeln für unsere Leserschaft.

Letzte Artikel
Weitere Tipps für Ihre Karriere
Unternehmen gründen: Diese Schritte garantieren eine erfolgreiche Gründung
© Gajus / shutterstock.com
Unternehmen gründen: Diese Schritte garantieren eine...

Eine Geschäftsidee ist der erste Schritt in die Selbständigkeit und der Grundstein für ein eigenes Unternehmen. Eine Idee ist geboren, jetzt fehlt nur...

noch kein Bild für Kommunikation im Beruf: Diese 10 Sätze gefährden das Betriebsklima
 
Kommunikation im Beruf: Diese 10 Sätze gefährden das...

In vielen Unternehmen kann eine Unterhaltung zwischen Arbeitskollegen ein freundschaftlicher Austausch sein, denn oft besteht zwischen Arbeitnehmern ein...

Tipps für ein gutes Meeting: Vorbereitung, Durchführung & No-Gos
© 0beron / shutterstock.com
Tipps für ein gutes Meeting: Vorbereitung, Durchführung &...

Meetings gehören für viele Berufstätige zum Alltag und werden täglich oder regelmäßig in der Woche gehalten. Sie dienen der...

Viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche!

Auf karrieretipps.de finden Sie täglich aktuelle Stellenangebote aus Ihrer Umgebung.