karrieretipps.de Karriere Nach dem Burn-out: So klappt der Wiedereinstieg!

Nach dem Burn-out: So klappt der Wiedereinstieg!

Nach dem Burn-out: So klappt der Wiedereinstieg!
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Christiane Peters am 26.07.2021 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Psychische Erkrankungen – die Ausfallzeiten steigen
  2. Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement
    1. Was bedeutet BEM im betrieblichen Alltag?
  3. Zurück in den Job: 9 Tipps für einen erfolgreichen Wiedereinstieg
    1. Tipp 1: Stressoren feststellen
    2. Tipp 2: Konfliktsituationen durchspielen
    3. Tipp 3: Schrittweiser Wiedereinstieg
    4. Tipp 4: Frühwarnsymptome erkennen
    5. Tipp 5: Effektives Zeitmanagement
    6. Tipp 6: Gutes Stressmanagement
    7. Tipp 7: Fachwissen auffrischen
    8. Tipp 8: Überlegungen zum Neustart
    9. Tipp 9: Gespräche suchen
  4. Darum liegt die Rückfallquote so hoch

Nach einem Burn-out in den Job zurückzukehren, ist für jeden Betroffenen emotionale Schwerstarbeit. Nach einer wochen- oder monatelangen Auszeit ist ein Wiedereinstand nicht so einfach umzusetzen. Eine sorgfältige Planung ist unumgänglich. Denn wer eine solche Krise erlebt hat, den prägen oftmals Zweifel, Ängste, Unsicherheiten und Selbstzweifel. Wie lassen sich diese überwinden? Wie gelingt die Rückkehr in den Job und wie begegnet man möglichen Belastungen? Ist das Fachwissen überhaupt noch ausreichend? Wie kann man dauerhaft gesund bleiben? Was kann der Arbeitgeber tun?

Psychische Erkrankungen – die Ausfallzeiten steigen

Die Ausfallzeiten aufgrund psychischer Krankheiten haben sich in den letzten Jahren verdoppelt. Wer psychisch krank ist, Burn-out gehört ebenfalls dazu, der fehlt deutlich länger als bei körperlichen Erkrankungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die häufigsten Ursachen für Frühverrentung psychische Erkrankungen sind. Auch die Kosten von Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Leiden und damit verbundene Produktivitätsausfälle liegen auf einem hohen Niveau.

Der Gesetzgeber hat vorgesorgt und eine Grundlage dafür geschaffen, damit Betroffene nach langer körperlicher oder psychischer Krankheit wieder zurück an ihren Arbeitsplatz gehen können. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Leistungen und Hilfen anzubieten, um einer erneuten Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters vorzubeugen.

Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement

Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, länger erkrankten Beschäftigten ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Das ist im Neunten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX) § 167 Absatz 2 gesetzlich verankert. Das BEM dient dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit.
Gleichzeitig sichert es durch frühzeitige Intervention die individuellen Chancen den Arbeitsplatz zu behalten.

Was bedeutet BEM im betrieblichen Alltag?

  • Arbeitgeber sind verpflichtet, allen Beschäftigten, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind, ein BEM anzubieten.
  • Der Arbeitgeber hat zu klären, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen und Hilfen einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt werden kann.
  • Die genaue Ausgestaltung ist nicht gesetzlich festgeschrieben. Jedes Unternehmen kann damit individuelle Lösungen entwickeln.
  • Gesetzlich vorgegeben ist, vorausgesetzt der Betroffene hat zugestimmt, dass der Betriebs- oder Personalrat in den Prozess involviert wird. Wenn es erforderlich ist, sind auch der Werks- oder Betriebsarzt hinzuziehen.
  • Positiv ist es, wenn Arbeitgeber Verständnis für die Situation aufbringen und Betroffene beim Wiedereinstieg mitbestimmen lassen. Das kostet zwar Zeit, erweist sich in der Praxis aber als wirkungsvoll. Gesprächsthemen können zum Beispiel sein: Wechsel des Aufgabengebiets, geregelte Arbeitszeiten oder die Vermeidung von Überstunden und das unbedingte Einhalten von Pausen.
  • Wenn für die Überwindung der Arbeitsunfähigkeit und der Vorbeugung erneuter Erkrankung Leistungen zur Teilhabe oder begleitende Hilfen im Arbeitsleben notwendig sind, müssen vom Arbeitgeber die Rehabilitationsträger oder bei schwerbehinderten Beschäftigten das Integrationsamt hinzugezogen werden.

Zurück in den Job: 9 Tipps für einen erfolgreichen Wiedereinstieg

Ein Burn-out ist eine langwierige Erkrankung und eine Erschöpfungskrise, die zusätzlich auch noch von anderen Leiden wie Depressionen begleitet werden kann. Die Gefahr eines Rückfalls ist groß. Deshalb sollte die Rückkehr in den Job genau geplant werden. Sinnvoll ist es zudem, sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie man künftig mit Belastungen umgehen möchte und wie man langfristig gesund bleibt.

Diese 9 Tipps helfen Ihnen bei Ihrem Wiedereinstieg:

Tipp 1: Stressoren feststellen

Um den Weg zurück ins Arbeitseben bestmöglich zu gestalten, sollten Sie sich fragen, was die Ursachen für den Burn-out waren. Das Arbeitsumfeld wie Kollegen oder der Chef können Auslöser gewesen sein. Aber auch schlechte Arbeitsbedingungen wie Lärm oder unerträgliche Temperaturen am
Arbeitsplatz kommen als mögliche Faktoren in Betracht.

Möglicherweise haben auch unzählige Überstunden oder ständige Überforderung Sie zermürbt.

Tipp 2: Konfliktsituationen durchspielen

Machen Sie sich klar, wann für Sie Stress entsteht. Hilfreich kann es sein, wenn Sie sich in typische Stresssituationen hineinversetzen und sich dann überlegen, wie Sie künftig darauf reagieren.

Ein Beispiel: Gesetzt den Fall, Sie werden mit einer negativen Aufgabe konfrontiert. Halten Sie dagegen, reagieren Sie aggressiv oder akzeptieren Sie und erledigen das, was Ihr Gegenüber verlangt? Hilfreich ist es, wenn diese neu erlernten Verhaltensweisen in Fleisch und Blut übergehen und in der jeweiligen Situation abrufbar sind. Ein Coaching ist eine gute Möglichkeit, sich hier die notwendige Unterstützung zu holen.  

Tipp 3: Schrittweiser Wiedereinstieg

Nehmen Sie Ihre Arbeit stufenweise auf. Beginnen Sie mit wenigen Stunden täglich und erhöhen Sie diese nach und nach.

Tipp 4: Frühwarnsymptome erkennen

Werden Sie achtsamer gegenüber sich selbst und haben Sie Ihre psychische und physische Leistungsfähigkeit im Blick. Auch wenn Sie die ersten Wochen nach dem Wiedereinstieg gut bewältigt haben, sollten Sie sich nicht überschätzen. Die Freude, wieder arbeiten
zu können, könnte dazu verführen, sich zu viel zuzumuten.

Tipp 5: Effektives Zeitmanagement

Setzen Sie Prioritäten und sagen Sie „Nein“, wenn Sie das Gefühl haben, an Ihre Leistungsgrenzen zu stoßen. Planen Sie bewusst auch private Aktivitäten in Ihren Tagesablauf ein.  

Tipp 6: Gutes Stressmanagement

Stärken Sie Ihre eigene Widerstandskraft, indem Sie sich gegen äußere Einflüsse stärken. Damit reduzieren Sie die Anfälligkeit für einen erneuten Burn-out.  

Tipp 7: Fachwissen auffrischen

Wenn Sie einige Monate nicht im Unternehmen gearbeitet haben, kann es durchaus sein, dass Sie fachlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dann kann es sinnvoll sein diese Lücken zu schließen. Auch wenn das nicht der Fall ist, bedenken Sie, dass Sie sich erst wieder einarbeiten müssen und das braucht Zeit.

Tipp 8: Überlegungen zum Neustart

Nicht immer ist es sinnvoll, an den alten Arbeitsplatz wieder zurückzukehren. Wenn Sie das Gefühl haben, dass eine Wiedereingliederung für Sie nicht der richtige Weg ist, dann können Sie auch darüber nachdenken, sich neu zu orientieren und einen Arbeitsplatzwechsel in Betracht zu ziehen. Auch eine Umschulung kann eine Option für einen beruflichen Neustart sein.  

Tipp 9: Gespräche suchen

Nicht nur mit dem Vorgesetzten, sondern auch den Kollegen sollte das Gespräch gesucht werden. Hier lässt sich erklären, warum beispielsweise bestimmte Maßnahmen getroffen worden sind. Das verhindert Gerüchte über Sonderbehandlungen und lässt keinen Neid aufkommen.

Darum liegt die Rückfallquote so hoch

Die Zahlen sind alarmierend. Untersuchungen zufolge erleidet ein Drittel der wegen einer psychischen Erkrankung stationär behandelten Menschen in den ersten zwei Jahren nach der Entlassung einen Rückfall.

Es gibt verschiedene Ursachen für einen Rückfall in die Krankheit. Den häufigsten Grund sehen Spezialisten in der Wahl des Zeitpunkts für die Arbeitsaufnahme. Wenn er Heilungsprozess noch nicht komplett abgeschlossen ist, ist es definitiv zu früh. Für Experten ist klar, nur eine umfassende Therapie verschaffe dem Betroffenen Vertrauen in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten. Das führe dann langfristig zu mehr Stabilität und Belastbarkeit.

Das äußert sich in diesen Verhaltensweisen:

  • Unsicherheit und Angst: Menschen, die sich noch in der akuten Burn-out-Phase befinden, zeigen Reaktionen wie Selbstzweifel, Ängstlichkeit oder auch Aggressionen. Hilfsangebote seitens des Arbeitgebers werden nicht als Unterstützung, sondern als Belastung gesehen.
  • Überforderung: Tätigkeiten, die früher problemlos erledigt wurden, stellen jetzt einen besonderen Kraftakt dar. Das führt zu Angst und Resignation.

Menschen, die einen Burn-out erleiden und gezwungenermaßen monatelang ausfallen, stehen vor einer riesigen Herausforderung, wenn sie wieder zurück in den Job gehen. Anders als bei anderen Erkrankungen kann man in der Regel nicht einfach dort weitermachen, wo man aufgehört hat. Eine Rückkehr in das Unternehmen und an den Arbeitsplatz muss gut vorbereitet sein. Dazu braucht man Unterstützung, durch den Arbeitgeber, die Kollegen, die Familie und Freunde. Wie oben beschrieben, kann der Wiedereinstieg gelingen, vorausgesetzt, man hält sich an bestimmte Regeln und Verhaltensweisen. Wer gelernt hat, diese in seinen Arbeitsalltag zu integrieren, mehr auf sich zu achten und auch einmal „Nein“ zu sagen, kann es schaffen und einen Rückfall vermeiden.

Bild: Christiane Peters
Christiane Peters (15 Artikel)

Christiane Peters hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert. Aktuell arbeitet sie als Journalistin für ein Wirtschaftsmagazin. Schwerpunkte ihrer redaktionellen Tätigkeit sind Themen aus den Bereichen New Work, Personalmanagement, Führung und Karriere. Auf karrieretipps.de kann sie ihre langjährigen Erfahrungen und ihren Blick für aktuelle Themen und Trends in der Personal- und Karriereentwicklung zur Anwendung bringen.

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