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Krankenversicherung: Private oder gesetzliche Krankenkasse als Freiberufler?

Krankenversicherung: Private oder gesetzliche Krankenkasse als Freiberufler?
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Anastasia Klingsiek am 29.03.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Wie unterscheiden sich die gesetzliche und private Krankenversicherung?
  2. Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
    1. Kosten für Selbstständige bei der GKV
  3. Private Krankenversicherung (PKV)
    1. PKV Voraussetzungen: Wer kann sich privat versichern lassen?
  4. Wann können Sie in die PKV wechseln?
  5. Kosten für Selbstständige bei der PKV
  6. Kosten- und Beitragsvergleich beider Krankenversicherungen
  7. Kündigungsfristen: Wie beenden Sie Ihre Mitgliedschaft in GKV und PKV?
    1. Kündigung der gesetzlichen Krankenversicherung
    2. Kündigung der privaten Krankenversicherung
  8. Lohnt sich die private Krankenversicherung für Selbstständige?
    1. Vorteile der PKV
    2. Nachteile der PKV
    3. Vorteile der GKV 
    4. Nachteile der GKV

Als Selbstständiger oder Freiberufler können Sie frei zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung wählen. In Deutschland sind rund 90 Prozent der Versicherten bei der gesetzlichen Krankenkasse. Als Angestellter besteht bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse, hingegen dürfen Sie als Selbstständiger, unabhängig von Ihrem Einkommen, frei zwischen der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung entscheiden. Welche Krankenversicherung für Sie empfehlenswert ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. 

Wie unterscheiden sich die gesetzliche und private Krankenversicherung?

Die beiden Krankenversicherungen unterscheiden sich hinsichtlich der Leistungen und Beitragskosten. In keinem anderen Land existieren zwei Systeme der gesundheitlichen Absicherung gleichzeitig. 

Sie sollten sich bewusst machen, dass es nur in wenigen Fällen möglich ist, die private Krankenversicherung wieder zu verlassen. Oft scheint die Privatversicherung für Selbstständige und Jungunternehmer sehr attraktiv, doch die gesetzliche Krankenkasse bleibt für viele die mittel- und langfristige Alternative.

Die Höhe des Beitrags für die gesetzliche Krankenversicherung hängt mit der Höhe des Einkommens zusammen, hingegen in der privaten Krankenkasse von Alter und Gesundheit.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Grundsätzlich nimmt die gesetzliche Krankenkasse jeden auf, solange die Person nicht bereits privat versichert ist. 

  • Der Grundbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent.
  • Bei angestellten Arbeitnehmern übernimmt der Arbeitgeber davon 7,3 Prozent.

Kosten für Selbstständige bei der GKV

Da die Beiträge sich am Einkommen des Versicherten orientieren, variieren die Kosten je nach Einkommensklasse und Verdienst. 

  • Haben Sie als Selbstständiger ein Einkommen über 4.537,50 Euro im Monat (Stand 2019) zahlen Sie ohne Krankengeldanspruch und inklusive gesetzlicher Pflegeversicherung rund 774 Euro pro Monat plus kassenindividuelle Zusatzbeiträge.
  • Wenn Sie zusätzlich den Anspruch auf Krankengeld haben möchten, zahlen Sie als sehr gut verdienender Selbstständiger mindestens 800 Euro im Monat. 
  • Vergessen Sie bitte nicht, dass auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Erträge aus Kapitalvermögen und Renten zum Einkommen zählen.

Wenn Sie ein Selbstständiger mit gutem bis sehr gutem Einkommen sind, ist die GKV sehr teuer und trotzdem wird nur die Grundversorgung der Gesundheitsleistungen abgedeckt. Deshalb sind Sie als Selbstständiger mit hohem Verdienst besser bei der privaten Krankenversicherung aufgehoben.

Private Krankenversicherung (PKV)

Generell sind die Kosten bei der privaten Krankenversicherung geringer, solange der Versicherte jung und gesund ist. Die private Krankenversicherung wird für Gutverdiener oder Beamte mit einem langfristigen und sicheren Einkommen empfohlen. 

Für Gutverdiener ist die private Krankenversicherung deutlich günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung. Doch mit dem Alter steigen auch die Beiträge bei einer privaten Krankenkasse und ein Wechsel zur GKV gestaltet sich im Laufe der Zeit schwierig. 

PKV Voraussetzungen: Wer kann sich privat versichern lassen?

Mitglieder der PKV sind typischerweise Beamte, Selbstständige und gutverdienende Arbeitnehmer. Sie können sich nur privat versichern lassen, wenn Sie nicht versicherungspflichtig in der GKV sind. Bei bestimmten Personengruppen und einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze besteht keine Pflicht zur GKV. 

  • Die Pflichtgrenze für Arbeitnehmer beträgt 60.750 Euro (Stand: 2019). 

Die Versicherungspflichtgrenze wird auch als Jahresarbeitsentgeltgrenze bezeichnet und jedes Jahr neu festgelegt. Für die anderen Berufs- bzw. Personengruppen gilt diese Grenze nicht und sie können eigenständig wählen, ob sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind. 

Personengruppen für die PKV:

  • Selbstständige und Freiberufler (Künstler, Publizisten und Landwirte können Ausnahmen sein)
  • Beamte und andere Personen mit Anspruch auf Beihilfe
  • Studenten, die sich von der Versicherungspflicht in der GKV befreien lassen oder mindestens 30 Jahre alt sind.
  • Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze

Wann können Sie in die PKV wechseln?

Sie können von einer gesetzlichen Krankenkasse zur privaten Krankenversicherung wechseln, sobald Sie versicherungsfrei sind. Für die jeweiligen Personengruppen tritt dieser Zustand zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Bedingungen ein. 

Die PKV ist für Selbständige, Freiberufler und Beamte freiwillig und einkommensunabhängig. Angestellte unterliegen generell der Versicherungspflicht in der GKV und können nur in die PKV wechseln, wenn sie die aktuelle Versicherungspflichtgrenze überschreiten. 

  • Selbstständige können zu PKW wechseln, sobald diese (überwiegend) selbstständig tätig sind.
  • Beamte können zur PKV wechseln, wenn Sie Beihilfe erhalten.
  • Studenten können mit Beginn ihres Studiums zur PKV wechseln. 
  • Arbeitnehmer treten in die PKV ein, 
  1. wenn diese ein neues Arbeitsverhältnis aufnehmen oder den Arbeitgeber wechseln und das Jahreseinkommen voraussichtlich für die nächsten 12 Monate die Versicherungspflichtgrenze übersteigt. Mit Beginn dieses Beschäftigungsverhältnisses sind Sie sofort von der Versicherungspflicht der GKV befreit und müssen sich an keine bestimmten Fristen oder Daten halten.
  2. Wenn sie eine Gehaltserhöhung erhalten, durch welche das Jahreseinkommen vorausschauend für die nächsten 12 Monate die Pflichtgrenze übersteigt, werden Sie zum nächsten 1. Januar von der Versicherungspflicht in der GKV befreit. 

Kosten für Selbstständige bei der PKV

Natürlich stehen die Kosten auch in direktem Zusammenhang mit individuellen Leistungen und Zusätzen. Wenn Sie auf die Chefarztbehandlung im Einzelzimmer bestehen, müssen Sie logischerweise mehr Beitragskosten bei der PKV tragen, als wenn Sie auf diese Vorzüge verzichten.

Der Vorteil bei der privaten Krankenkasse ist, dass Sie sich ein individuelles Leistungspaket zusammenstellenn können, welches in gerechter Relation zu möglichen Leistungen und Kosten gesetzt wird. 

Mindestbeiträge für Selbstständige bei der PKV

Selbstständige mit Krankengeld-Anspruch

  • Bemessungsgrundlage 2019 in Euro: 1038,33 
  • Krankenkassenbeitrag in Euro: 151,60
  • Pflegekassenbeitrag in Euro: 31,67 
  • Gesamtbeitrag in Euro: 183, 27 + Zusatzbeitrag

Selbstständige ohne Krankengeld-Anspruch

  • Bemessungsgrundlage 2019 in Euro: 1038,33 
  • Krankenkassenbeitrag in Euro: 145,37
  • Pflegekassenbeitrag in Euro: 31,67 
  • Gesamtbeitrag in Euro: 177,04 + Zusatzbeitrag

Kosten- und Beitragsvergleich beider Krankenversicherungen

Allgemein ist ein Anstieg der Kosten in beiden Gesundheitssystemen zu erkennen, was unter anderem mit der alternden Gesellschaft und dem medizinischen Fortschritt zusammenhängt. Bei beiden Versicherungen fällt ein Kostenanstieg auf, wobei dieser bei der privaten Krankenversicherung gemäßigt stattfindet.

Allgemein lassen sich die Beiträge der PKV nicht pauschalisieren, was an den zahlreichen Tarifoptionen und persönlichen Faktoren liegt.

Kündigungsfristen: Wie beenden Sie Ihre Mitgliedschaft in GKV und PKV?

Wenn Sie noch als Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Einkommen tätig sind und eine Existenzgründung anstreben, müssen Sie die gesetzlich Krankenversicherung nicht zwingend verlassend. 

Es besteht die Möglichkeit weiterhin bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert zu bleiben. Dafür müssen Sie einen entsprechenden Antrag ausfüllen und eine obligatorische Gesundheitsprüfung durchführen lassen.

Kündigung der gesetzlichen Krankenversicherung

Möchten Sie die GKV verlassen, müssen Sie Ihre Mitgliedschaft in der Regel zum Ende des übernächsten Kalendermonats kündigen (vgl. § 175 SGB V). Sie können die Versicherung generell nur kündigen, wenn Sie eine Folgeversicherung nachweisen. 

Kündigung der privaten Krankenversicherung

Möchten Sie die private Krankenversicherung verlassen, sollten Sie sich über die Kündigungsmodalitäten und Fristen im Vertrag erkundigen. Je länger Sie Mitglied einer privaten Krankenkasse sind, desto weniger lohnt sich eine Kündigung dieses Versicherungsverhältnisses. 

Lohnt sich die private Krankenversicherung für Selbstständige?

Ob sich für Sie die private Krankenversicherung lohnt, hängt von individuellen und persönlichen Aspekten ab. So sollten Sie Ihre Voraussetzungen und Ziele Prüfen. Betrachten Sie einen Wechsel oder Eintritt in eine der beiden Krankenversicherungen immer langfristig und ganzheitlich. Am besten lassen Sie sich professionell beraten und beide Optionen gegenüberstellen.

Vorteile der PKV

  • Sie müssen Ihre Einkünfte nicht offenlegen, Beiträge hängen nicht von der Einkommensentwicklung ab.
  • Sie können die Leistungen individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen, bei der GKV besteht eine Einheitsversorgung
  • Sie erhalten in der Regel schneller Termine bei Fachärzten
  • tarifliche Entlastungsoptionen sind wählbar, wodurch Kosten begrenzt werden

Nachteile der PKV

  • Jedes Familienmitglied muss extra versichert werden
  • Ab 55 Jahren ist kein Wechsel in die GKV möglich
  • Kostenentwicklung im Alter
  • Arztbesuche und Behandlungen werden in Vorkasse gezahlt

Vorteile der GKV 

  • Kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern und Kindern bis zum 25. Lebensjahr (Familienversicherung)
  • Über sechs Wochen Beitragsfreiheit während Mutterschafts- und Elternzeit
  • Mutterschaftsgeld
  • Härtefallregelung
  • direkte Kostenabrechnung mit Arzt und Krankenhaus
  • kalkulierbare Beiträge 

Nachteile der GKV

  • Einkommensabhängiger Beitrag
  • Einheitsleistungen
  • Leistungen können gestrichen werden
  • Grundversorgung: gesetzlich vorgeschriebene Leistungen 
  • bei stationärer Behandlung nur Anspruch auf Regelleistung
  • Kaum Einfluss auf Beitragsgestaltung
  • Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalt 

Nehmen Sie sich als Selbstständiger ausreichend Zeit und lassen Sie sich beraten. Danach können Sie entscheiden, welche Krankenversicherung für Sie die richtige Wahl ist.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (48 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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