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Jobwechsel: Welchen Urlaubsanspruch haben Sie?

Jobwechsel: Welchen Urlaubsanspruch haben Sie?
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Anastasia Johlen am 15.07.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Gesetzlicher Urlaubsanspruch: Wie viel Urlaub steht Arbeitnehmern zu?
    1. Mehr Urlaubstage als vorgeschrieben?
  2. Urlaubsanspruch bei Arbeitgeberwechsel im laufenden Jahr
    1. Urlaubsanspruch Fall 1: Jobwechsel im ersten Halbjahr
    2. Urlaubsanspruch Fall 2: Jobwechsel im zweiten Halbjahr
  3. Jobwechsel nach Erwerb des vollen Urlaubsanspruchs
  4. Neuer Arbeitgeber: Anspruch auf Urlaubsbescheinigung
  5. Ehemaliger Arbeitgeber genehmigt mehr Urlaub

Bei Ihnen steht in nächster Zeit ein Jobwechsel an und Sie freuen sich schon auf Ihre neue Arbeit! Doch ein Arbeitgeberwechsel bringt nicht nur Vorfreude mit sich, sondern häufig auch Fragen: Was passiert mit Ihrem Urlaubsanspruch beim Jobwechsel? Haben Sie noch einen generellen Anspruch auf Urlaub? Wie viele Tage dürfen Sie beim neuen Unternehmen freinehmen?

Erfahren Sie hier alles rund um den Urlaubsanspruch im neuen Job!

Gesetzlicher Urlaubsanspruch: Wie viel Urlaub steht Arbeitnehmern zu?

Bevor Sie mehr über den Urlaubsanspruch nach einem Jobwechsel erfahren, ist zu klären, welchen Anspruch auf bezahlte Erholungstage ein Arbeitnehmer generell hat (Bundesurlaubsgesetz):

  • Laut Gesetz haben Sie als volljähriger Angestellter mit einer Arbeitswoche von sechs Tagen einen Anspruch auf mindestens 24 Tage bezahlten Urlaub pro Kalenderjahr.
  • Hierbei spielt es keine Rolle, wie viele Stunden Sie am Tag arbeiten, ausschlaggebend sind die Arbeitstage, welche Sie pro Woche leisten.
  • Arbeiten Sie fünf Tage die Woche, haben Sie einen gesetzlichen Anspruch von mindestens 20 Tagen Urlaub pro Jahr.
  • Arbeiten Sie vier Tage die Woche, haben Sie einen gesetzlichen Anspruch von mindestens 16 Urlaubstagen pro Jahr.
  • Für jeden vollen Monat an geleisteter Arbeit steht dem Arbeitnehmer ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Beispiel: Urlaubsanspruch von 24 Tagen = 2 Tage im Monat
  • Nach sechs Monaten der Wartezeit (Probezeit/Urlaubssperre) hat ein neuer Arbeitnehmer Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.
  • Ein Unternehmen darf den Angestellten nicht weniger Urlaub gewähren, als die jeweilige gesetzliche Mindestanzahl an Urlaubstagen.

Mehr Urlaubstage als vorgeschrieben?

Natürlich gibt es auch Arbeitgeber, die Ihren Mitarbeitern Urlaub über den gesetzlichen Rahmen hinaus gewähren. Im Durchschnitt hat ein Arbeitnehmer in Deutschland 30 bezahlte Urlaubstage.

Weiterhin sollten Sie Sonderregelungen in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag beachten und sich an interne Absprachen bezüglich der Urlaubsplanung halten. Denn auch wenn Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub haben, muss Ihnen der Arbeitgeber nicht Ihre Urlaubswünsche erfüllen. Das A und O sind frühzeitige Planung und ein Urlaubsantrag, so gehen Sie auf Nummer sicher, dass Ihr Jahresurlaub nicht ins Wasser fällt.

Brauchen Sie Hilfe beim Urlaubsantrag? Dann finden Sie hier mehr zum Thema Urlaubsantrag.

Urlaubsanspruch bei Arbeitgeberwechsel im laufenden Jahr

Pauschal kann nicht gesagt werden, welchen Anspruch auf Erholungsurlaub Sie noch haben. Der Urlaubsanspruch steht in Abhängigkeit zu verschiedenen Faktoren:

So spielen etwa der Zeitpunkt des Arbeitgeberwechsels und der bisher genehmigte Urlaub beim alten Arbeitgeber eine zentrale Rolle. In der Regel wechseln Angestellte nicht zum Anfang des Jahres den Arbeitgeber, so ist es durchaus üblich, dass im ganzen Kalenderjahr ein Arbeitgeberwechsel möglich ist.

Urlaubsanspruch Fall 1: Jobwechsel im ersten Halbjahr

Wechseln Sie Ihren Arbeitgeber bis zum 30. Juni des laufenden Jahres, sieht es mit dem Urlaub recht gut aus. Beenden Sie also Ihr Arbeitsverhältnis bei dem alten Arbeitgeber im ersten Halbjahr, haben Sie noch einen Urlaubsanspruch von 5/12, sofern Sie noch keinen Urlaub genommen haben. Bei Ihrem alten Arbeitgeber besteht ein anteiliger Anspruch auf Erholungsurlaub in Höhe von 1/12 des Jahresurlaubs für jeden Monat, den Sie beschäftigt waren.

Bei Ihrem neuen Arbeitsplatz müssen Sie nachweisen, wie viel Tage Sie von Ihrem Urlaubsanspruch eines Kalenderjahres bereits in Anspruch genommen haben. Daraus ergibt sich im neuen Job ein sogenannter anteiliger Urlaubsanspruch, welcher 1/12 des Jahresurlaubs für jeden ganzen Monat beträgt, den Sie in dem neuen Unternehmen arbeiten. Der Arbeitgeber darf den Urlaubsanspruch um die Erholungstage kürzen, welche Sie bereits im alten Job beansprucht haben.

Haben Sie bereits den gesamten Jahresurlaub genommen, besteht im neuen Job in der Regel kein Anspruch auf Urlaub. Natürlich können Sie Glück haben und dennoch Urlaubstage bekommen; das ist jedoch ein freiwilliges Entgegenkommen des Unternehmens und keine Pflicht.

Urlaubsanspruch Fall 2: Jobwechsel im zweiten Halbjahr

Wechseln Sie im zweiten Halbjahr den Arbeitgeber, besteht laut Gesetz beim alten Arbeitgeber der volle Urlaubsanspruch. Jedoch müssen Sie dafür mindestens sechs Monate in dem Unternehmen gearbeitet haben, das heißt mindestens seit dem ersten Januar.

Warum das so ist? Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Angestellte etwa für drei Monate in einer Firma tätig sind, dann kündigen und ab dem 1. Juli ein neues Arbeitsverhältnis in einem anderen Unternehmen beginnen, nur um weitere bezahlte Urlaubstage zu ergattern. Haben Sie noch keine sechs Monate gearbeitet, wird Ihnen der Urlaubsanspruch anteilig zu den geleisteten Arbeitsmonaten verrechnet. In der Regel lassen sich die ehemaligen Angestellten den Urlaub auszahlen.

Jobwechsel nach Erwerb des vollen Urlaubsanspruchs

Rechtlich gesehen, kann es kompliziert werden, wenn ein Arbeitnehmer bereits den vollen Urlaubsanspruch bereits beim früheren Arbeitgeber erworben hat.

Beispiel:

  • Wechselt ein Arbeitnehmer zum 1. September den Arbeitgeber, hat er bei seinem alten Chef bereits den vollen Urlaubsanspruch erworben.
  • Der Beschäftigte hatte im alten Job 30 Urlaubstage für das ganze Jahr, wovon bereits 20 Tage bewilligt und genommen wurden. Übrig bleiben zehn Urlaubstage, welche aufgrund der Kündigung nicht genommen werden.
  • Ebenfalls findet keine Auszahlung dieser Urlaubstage statt.
  • Daraus ergibt sich ein anteiliger Urlaubsanspruch beim neuen Arbeitgeber, sofern dieser ebenfalls mehr als 20 Urlaubstage im Jahr gewährt.

Haben Sie also bereits den Jahresurlaub im alten Job verbraucht, besteht kein Anspruch auf weitere Urlaubstage im neuen Job. Das gilt auch, wenn Sie sich nach der Kündigung den Urlaub haben auszahlen lassen. Häufig ist dies dennoch die bessere Lösung, da viele Firmen ihren neuen Mitarbeitern zunächst eine Urlaubssperre verhängen. Nach der Urlaubssperre beginnt ein neues Kalenderjahr und Sie haben vollen Urlaubsanspruch.

Neuer Arbeitgeber: Anspruch auf Urlaubsbescheinigung

Ihr bisheriger Arbeitgeber steht in der Pflicht Ihnen eine Urlaubsbescheinigung auszustellen. Die Bescheinigung beinhaltet den gewährten oder abgegoltenen Urlaub des laufenden Kalenderjahres bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses. Verlangt Ihr neuer Chef eine Urlaubsbescheinigung, kann dieser Ihren Anspruch auf die freien Tage so lange verwehren, bis ihm die entsprechende Bescheinigung vorliegt. Insbesondere bei Rechtsstreitigkeiten mit dem alten Arbeitgeber ist die Urlaubsbescheinigung ein handfester Beweis für bereits genommenen Urlaub und den weiteren Anspruch.

Dank diesem Dokument kann der sogenannte „Doppelurlaub“ verhindert werden. Der neue Vorgesetzte kann sicher sein, dass die Aussagen des neuen Mitarbeiters mit der Realität übereinstimmen.

Ehemaliger Arbeitgeber genehmigt mehr Urlaub

Haben Sie in Ihrem alten Job Urlaub über die gesetzliche Mindestgrenze hinaus erhalten, können Sie von Glück sprechen. Denn, kein Unternehmen steht in der Pflicht, Urlaub über das gesetzliche Maß hinaus zu gewähren. Auch, wenn Sie bei Ihrem alten Chef mehr Urlaubstage im Jahr hatten, dürfen Sie nicht davon ausgehen, dass Sie in Ihrem neuen Job ebenfalls mehr Urlaub erhalten.

Bitte sprechen Sie das Thema Urlaub so früh wie möglich an, insbesondere, wenn Sie bereits Urlaub verplant und zum Beispiel eine Reise gebucht haben. In der Regel ist es ein wichtiger Hinweis, den Sie bereits im Bewerbungsverlauf erwähnen sollten, somit befinden Sie und Ihr neuer Arbeitgeber sich auf der sicheren Seite. Beide Parteien wissen worauf Sie sich einlassen. Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass Sie Urlaub gewährt bekommen, nur weil Sie diesen bereits gebucht und bezahlt haben. Wie bereits erwähnt, gilt oft eine Urlaubssperre zu Beginn eines neuen Beschäftigungsverhältnisses.

Also, bedenken Sie bei einem Jobwechsel, dass der Zeitpunkt einer Kündigung nicht ganz unwichtig ist. Weiterhin sollten Sie bei jedem Arbeitsvertrag den Absatz zum Urlaubsanspruch besonders gut durchlesen. Bestehen Sie bei individuellen Vereinbarungen immer auf einen Vertrag, so haben Sie die Tatsachen schwarz auf weiß. Das Team von karrieretipps.de wünscht Ihnen viel Erfolg im neuen Job!

Bild: Anastasia Johlen
Anastasia Johlen (55 Artikel)

Anastasia Johlen hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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