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Hamburger Modell: Stufenweise zurück in den Job

Hamburger Modell: Stufenweise zurück in den Job
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Anastasia Klingsiek am 20.11.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Was ist das Hamburger Modell?
  2. Hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf das Hamburger Modell?
  3. Rechtzeitig Anspruch auf das Hamburger Modell anmelden
  4. Medizinische Aufsicht: Schrittweise zurück in den Job
  5. Der Stufenplan zur Wiedereingliederung
    1. Inhalt des Stufenplans
  6. Finanzielle Situation bei der stufenweisen Rückkehr in den Job
  7. Was ist wenn der Arbeitnehmer die Wiedereingliederung nicht ernst nimmt oder sich übernimmt?

Bereits nach wenigen Tagen oder Wochen Krankheit haben sich bei Ihnen einige Aufgaben am Arbeitsplatz angesammelt. Bei kleineren Erkrankungen und milden Beschwerden finden Sie nach einer Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Erkrankung in der Regel schnell zurück in den Berufsalltag. Aber, es gibt auch schwerverlaufende Erkrankungen oder längere Krankheitsverläufe, sodass eine Arbeitsunfähigkeit für mehrere Monate oder sogar Jahre bestehen kann. Wie finden Sie zurück in den Arbeitsalltag nach Monaten der Krankheit? Wie können Sie den Ansprüchen und Leistung vor Ihrer Krankheit gerecht werden? Das Hamburger Modell soll Ihnen bei der Wiedereingliederung in alte Arbeitsstelle helfen und Sie stufenweise zurück zu Ihrer Arbeitsqualität vor der Erkrankung führen. Und auch für Arbeitgeber ist das Hamburger Modell sinnvoll.

Was ist das Hamburger Modell?

Das Hamburger Modell ermöglicht Arbeitnehmern nach längerer Krankheit den Wiedereinstieg in den Beruf. Es handelt sich um eine Maßnahme der stufenweisen Wiedereingliederung in die Arbeit, Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit eines Mitarbeiters vornehmlich wieder am alten Arbeitsplatz herzustellen. Grundvoraussetzung ist eine Genesung der Krankheit und eine ausreichende Belastbarkeit des Arbeitnehmers sowie die schriftliche Zustimmung des Arbeitgebers.

Die Wiedereingliederung in das Berufsleben wird nur eingeleitet, wenn eine Aussicht auf Erfolg absehbar ist und der Arbeitnehmer aus medizinischer und gesundheitlicher Sicht bereit ist. Angestellte können aufgrund der Krankheit noch nicht der vollen Arbeitsbelastung gerecht werden, jedoch würde es ohne das Hamburger Modell vielleicht noch Wochen, sogar Monate dauern, bis der erste Tag zurück im Beruf beginnt. Somit sind Sie als Arbeitnehmer zwar noch krankgeschrieben und arbeitsunfähig, Sie können dennoch langsam den beruflichen Alltag erneut erlernen.

Als volelr Erfolg zählt das Hamburger Modell, wenn der Arbeitnehmer durch die stufenweise Wiedereingliederung die vorherige Arbeitsleistung wiederhergestellt wird. Bei einer negativen Prognose auf Erfolg, wird die Eingliederung nicht angewandt. Arbeitgeber stehen in der Pflicht ihren Arbeitnehmern nach längererArbeitsunfähigkeit die stufenweise Rückkehr in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Damit das Hamburger Modell angewandt wird, muss der Arbeitnehmer mindestens sechs Wochen arbeitsunfähig sein. Wie lange die Wiedereingliederung in den Job bei dem Arbeitnehmer dauert, hängt vom Einzelfall ab. 

Hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf das Hamburger Modell?

Nach dem Sozialgesetzbuch ist in Deutschland jeder Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeitern nach sechswöchiger Krankheit eine stufenweise Wiedereingliederung zu ermöglich. In der Regel fällt das Hamburger Modell in die gesetzliche Leistung der Krankenkassen oder der Rentenversicherung. Ist für die Krankschreibung ein Arbeitsunfall verantwortlich, übernimmt die Berufsgenossenschaft. Jeder Mitarbeiter, der aufgrund einer Krankheit mindestens sechs Wochen arbeitsunfähig ist, hat einen Anspruch das das Hamburger Modell und die damit verbundenen stufenweise Wiedereingliederung. Es spielt keine Rolle, ob Sie als Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit tätig waren oder eine Ausbildung absolvierten. Ebenfalls ist es irrelevant, um welche Krankheit es sich handelte oder welcher Grund die Krankschreibung hatte. 

So ist jedem Arbeitnehmer nach einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens sechs Wochen die stufenweise Rückkehr in den Beruf mit langsam steigender Belastung gewährt.

Rechtzeitig Anspruch auf das Hamburger Modell anmelden

Nur wenn Sie noch Krankengeld beziehen, können Sie am Hamburger Modell teilnehmen, dieser Bezug von Krankengeld endet nach 72 Wochen. Beginnen Sie als Arbeitnehmer zwei Wochen nach der Entlassung aus eine Rehaklinik mit der Wiedereingliederung in Ihren Job, dann erhalten Sie Übergangsgeld von der Rentenversicherung. In anderen Fällen wird das Geld von der gesetzlichen Unfallversicherung ausgezahlt. Die Zahlung endet nach insgesamt 72 Wochen.

Medizinische Aufsicht: Schrittweise zurück in den Job

Die Schrittweise Wiedereingliederung steht im Vordergrund, abhängig von der gesundheitlichen Verfassung des Arbeitnehmers, dem Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit und der schwere der Krankheit. Auch spielen die Berufsbranche und Aufgabenbereiche des Angestellten eine Rolle, ist der Arbeitnehmer aufgrund einer schweren Handverletzung langfristig krankgeschrieben gewesen und im handwerklichen Bereich tätig, kann die Wiedereingliederung vermutlich länger dauern, als wenn nicht körperliche Ursachen für die Berufsunfähigkeit verantwortlich waren.

Das Hamburger Modell funktioniert lediglich in ärztlicher Absprache. Der behandelnde Arzt entscheidet über das Arbeitspensum und berät den Arbeitnehmer. Es wird ein Stufenplan erstellt, der die Arbeitssteigerung beinhaltet und so den Arbeitnehmer allmählich zurück in den Berufsalltag führt, bis am Ende die volle Arbeitszeit und Leistung erbracht wird. Der Arzt muss eine ausreichende Belastbarkeit des Angestellten bescheinigen, sodass die Gesundheit bewahrt und gefördert wird. Eine voreilige Überlastung des Arbeitnehmers kann sich im schlimmsten Fall erheblich negativ auf den gesundheitlichen Zustand auswirken. 

Der Stufenplan zur Wiedereingliederung

Der Ablauf der stufenweisen Wiedereingliederung durch das Hamburger Modell ist für Arbeitnehmer nach langer Krankheitsperiode genau geregelt. Grundlage ist der Stufenplan, auch Eingliederungsplan genannt, welcher gemeinsam mit dem Arbeitnehmer und behandelnden Arzt erstellt wird. Dieser Plan ist individuell auf den Arbeitnehmer und seine Situation abgestimmt: Wie belastbar ist der Arbeitnehmer bereits? Wie schnell wird die weitere Genesung fortschreiten? Wie kann die Arbeitsleistung am besten gesteigert werden, die Gesundheit aber geschont?

Die tatsächliche Wiedereingliederung kann erst mit Zustimmung des Mitarbeiters und seinem Arbeitgeber beginnen, denn nur in einer Zusammenarbeit kann das Modell umgesetzt werden. Eine schriftliche Vereinbarung ist notwendig, um die Zusammenarbeit für die Eingliederung festzuhalten. 

Inhalt des Stufenplans

Der Eingliederungsplan sollte eine umfangreichen Überblick über die Wiedereingliederung des Arbeitnehmer liefern, so etwa die voraussichtliche Dauer der Eingliederungsphase und die jeweiligen Maßnahmen zur Förderung der vorherigen Arbeitsleistung und Gesundheit. Insbesondere muss der Stufenplan folgendes enthalten:

  • Zusätzliche Informationen zu den einzelnen Stufen/Maßnahmen
  • Beginn und Ende des Stufenplans
  • nähere Angaben zu den einzelnen Stufen (insbesondere Art und Dauer)
  • voraussichtlicher Zeitpunkt der Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit
  • Rücktrittsrechte und -gründe bei der Maßnahme
  • zu vermeidende Tätigkeiten und Belastungen
  • flankierende Maßnahmen am Arbeitsplatz
  • Rücktrittsrecht beider Seiten (Arbeitnehmer/Arbeitgeber) 

Eine gerechte Wiedereingliederung kann durch ständige oder zeitbezogene Arbeitsreduzierung beziehungsweise Veränderung des Arbeitsplatzes gefördert werden. Die jeweiligen Maßnahmen/ Stufen werden auch als diese bezeichnet, etwa Stufe 1= Arbeit von 3 Stunden, Stufe 2= Arbeit von 5 Stunden. 

Wichtiger Hinweis: Bevor die Maßnahmen zur Wiedereingliederung beginnen können, sollte die Krankenkasse über Ihr Vorgehen informiert werden. Ohne Zustimmung der Krankenkasse kann das Hamburger Modell nicht durchgeführt werden, auch wenn die Zustimmung vom Arbeitgeber eingeholt wurde.

Finanzielle Situation bei der stufenweisen Rückkehr in den Job

Sie erhalten als Arbeitnehmer in der Eingliederungsphase in den Beruf keinen Gehalt. Jedoch bekommen Sie Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse, Übergangsgeld von der Rentenversicherung oder Verletztengeld von der gesetzlichen Unfallversicherung, Beamter erhalten volle Dienstbezüge. Dennoch müssen Sie als Wiedereinsteiger vermutlich finanzielle Einbußen verkraften, jedoch gibt es Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter freiwillig unterstützen, etwa mit Fahrtkostenerstattungen. Da es sich um eine schrittweise Wiedereingliederung der erkrankten Arbeitnehmer handelt, darf der Arbeitgeber auch keine Leistungen erwarten oder einen Anspruch haben. 

Für einen Mitarbeiter, der über ein Jahr unter einer psychischen Erkrankung, wie Depression, litt, ist das pünktliche aufstehen am Morgen und den Dienst anzutreten bereits ein sehr großer Schritt in Richtung Gesundheit. Da darf der Arbeitgeber keinerlei Ansprüche an Leistungen, Arbeitspensum oder Unterstützung stellen. 

Was ist wenn der Arbeitnehmer die Wiedereingliederung nicht ernst nimmt oder sich übernimmt?

Natürlich kann auch der Fall eintreten, dass Sie trotz der Chance auf das Hamburger Modell und die Rückkehr ins Berufsleben nicht arbeiten gehen. Das könnte Ihnen bei einer Kündigung aufgrund von Krankheit Probleme bereiten, da Sie die Chance der Wiedereingliederung nicht ernst genommen haben. Dadurch hat sich Ihr Arbeitgeber nichts vorzuwerfen. Ebenfalls kann der Arbeitgeber die Eingliederung aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, so zum Beispiel, wenn Sie sich als Arbeitnehmer übernehmen. Der Abbruch sollte jedoch vorher mit Ihnen und Ihrer Krankenkasse besprochen werden, sodass sich keine Partei hintergangen fühlt. 

Sind Sie seit längerer Zeit krank und möchten mit Hilfe des Hamburger Modells langsam zurück in Ihren Job und die Arbeitswelt finden? Möchten Sie langsam wieder fit für die Arbeitswelt werden und gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber Ihre berufliche Rückkehr ermöglichen? Dann ergreifen Sie die Initiative und sprechen Sie Ihren Chef auf das Hamburger Modell an. Arbeiten Sie sich Schritt für Schritt zurück an Ihren Arbeitsplatz. Das Team von karrieretipps.de wünscht Ihnen Gesundheit und eine erfolgreiche Rückkehr ins Berufsleben.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (30 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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