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Führungsstile: Die bekanntesten Führungsmethoden im Beruf

Führungsstile: Die bekanntesten Führungsmethoden im Beruf
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Anastasia Klingsiek am 19.11.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Was ist unter einem Führungsstil zu verstehen?
  2. Die verschiedenen Führungsstile
    1. Führungsstile nach Weber: Die tradierenden Führungsstile 
      1. Patriarchalischer Führungsstil 
      2. Autokratischer Führungsstile
      3. Charismatischer Führungsstile
      4. Bürokratischer Führungsstil
    2. Führungsstile nach Kurt Lewin: Die klassischen Führungsstile
      1. Autoritärer oder hierarchischer Führungsstil 
      2. Der demokratische oder kooperative Führungsstil
      3. Der Laissez-faire-Führungsstil 
    3. Welcher Führungsstil ist der Beste?
    4. Situativer Führungsstil: Die Mischung als moderner Ansatz
      1. Situativer Führungsstil führt zum gruppenbezogenen Führungsstil 
        1. Gruppenorientierte Führungsstile mit den Behandlungsformen:

Immer wieder stellt sich die Frage, welcher Führungsstil in einem Unternehmen richtig ist. Hierbei steht sicherlich im Vordergrund, in welcher Berufsbranche das Unternehmen tätig ist, wie viele Mitarbeiter angestellt sind und welche Ziele verfolgt werden. Mittlerweile bestehen unterschiedliche Theorien der Sozialpsychologie und Psychologie, welches Menschenbild hinter den verschiedenen Führungsstilen stecken vermag und wie sich diese Mitarbeiterführung auf das Arbeitsklima und die Mitarbeitermotivation ausübt. Besonders in der heutigen Zeit erwartet die Führungskraft viel von ihren Mitarbeitern, aber die Mitarbeiter haben ebenfalls Ansprüche an ihren Vorgesetzten. Aber was sind denn die bekanntesten Führungsstile? Was sagen die jeweiligen Methoden der Führung über den Vorgesetzten aus und welche Ziele verstecken sich hinter dem jeweiligen Konzept?

Was ist unter einem Führungsstil zu verstehen?

Unter dem Führungsstil ist die Art und Weise zu verstehen, wie die Führungskraft in einem Unternehmen oder Betrieb sich gegenüber seinen Mitarbeitern verhält. Es handelt sich somit um eine Verhaltensweise, die unter anderem durch spezielle Schulung angeeignet wird oder ausgebaut werden kann. Ebenfalls spielt die Grundhaltung der Führungskraft eine wesentliche Rolle, da diese in seinem Vorgehen und Handeln einwirkt. Durch dieses Zusammenspiel von Führungskonzepten und persönlichen Führungseinstellung der Person, kann allgemein nicht von einer richtigen oder falschen Führungsweise gesprochen werden.

Die verschiedenen Führungsstile

Es existieren Konzepte und Grundlagen für die Führungsstile, die nicht pauschal verallgemeinert werde können, da sie von Einflussfaktoren, wie der Person auf dem Chefsessel und wirtschaftlichen sowie betrieblichen Ansprüchen abhängen.

Die zwei bekanntesten Führungsmodelle sind die tradierende Führungsstile nach dem Soziologen Max Weber und die klassischen Führungsstile nach dem Psychologen Kurt Lewin.  Die beiden Theorien unterscheiden sich in der Perspektive, so konzentriert sich Weber auf die Frage, wieso sich Menschen überhaupt in der autoritären Form beherrschen lassen und Lewins möchte verdeutlichen, wie sich die verschiedenen Führungsstile auf die gemeinsame Atmosphäre auswirken. 

Führungsstile nach Weber: Die tradierenden Führungsstile 

Patriarchalischer Führungsstil 

Bei diesem Führungsstil sieht sich der Patriarch eher als Vater und die Angestellten haben zu dieser Führungskraft ein gewisses Vertrauensverhältnis. Wie ein Vater, kümmert sich die Person in der Führungsposition um das Wohl seiner „Unterlegenden“ und diese sind gehorsam. Begründet wird diese Position mit dem Alters- Erfahrungs- und Wissensvorsprung der Führungsperson. Entscheidungen werden alleine getroffen, quasi nach dem Prinzip der Alleinherrschaft. Dieser Führungsstil ist in der heutigen Zeit eher selten.

Autokratischer Führungsstile

Bei dem autokratischen Führungsstil handelt es sich um einer der am häufigsten gewählten Stile. Hierbei besteht auch alleiniges Entscheidungsrecht der oberen Köpfe in einem Unternehmen. So haben der Vorgesetzte oder andere Führungspersonen keine persönliche Beziehung zu bestimmten Personen, wie etwa den Angestellten. Besonders in größeren Unternehmen ist dieser Führungsstil gebräuchlich und persönlicher Kontakt besteht nicht zu allen Mitarbeiten. Besonders für Mitarbeiter kann dieser Führungsstil an die Substanz gehen, da absolut kein Mitspracherecht besteht und die eigene Meinung der Angestellten keine Aufmerksamkeit erhält. 

Charismatischer Führungsstile

Bei einem Charismatiker handelt es sich um einen Menschen mit einem ausgeprägten Empathievermögen. Unter dem Charisma verstehen sich viele positive Charaktereigenschaften, welche die menschliche Ausstrahlung bestimmen. Diese Merkmale verursachen eine gewisse Abhängigkeit zwischen der charismatischen Führungsperson und seinen Angestellten. Besitzt ein Vorgesetzter charismatische Züge ist es für diesen eine Leichtigkeit, andere Menschen ohne Schwierigkeiten etwas für diesen zu tun. Kennzeichen einer Person mit Charisma sind ein hohes Machtmotiv und ein starkes Selbstbewusstsein. Die Mitarbeiter dieses Führungsstil folgen aus eigenem Antrieb dem Vorgesetzten, dadurch besteht die Gefahr der Ausbeutung.

Bürokratischer Führungsstil

Der bürokratische Führungsstil beschränkt sich nicht auf eine Person und ist somit nicht an eine bestimmte Person gebunden. Vielmehr wirken bürokratische Instanzen und ein spezielle Ablauf für die Führung der Mitarbeiter. Die Führungsperson ist für die Durchführung des Ablaufs und bürokratischen Vorgehens verantwortlich, jedoch auf einen begrenzten Zeitraum. Diese Person ist jederzeit austauschbar, da sich dieser Führungsstil an klaren Richtlinien, Dienstanweisungen und Vorschriften gebunden ist, welche in schriftlicher Form festgelegt sind. 

Diese bürokratische Führungsform ist typisch für Behörden und Ämter. Es bietet sich weniger Flexibilität und Effizienz als bei den anderen Führungsstilen. Die Macht dieser Führung wird bei diesem Stil nicht durch eine Person verkörpert und ermöglicht, sondern durch spezielle Strukturen. Persönliche Sympathien und Antipathien spielen bei diesem Führungsstil also keine Rolle.

Führungsstile nach Kurt Lewin: Die klassischen Führungsstile

Autoritärer oder hierarchischer Führungsstil 

Der autoritäre Führungsstil wird auch als hierarchischer Führungsstil bezeichnet und kennzeichnet sich durch die alleinige Entscheidungsgewalt des Vorgesetzten ohne Mitsprache der Mitarbeiter. Charakteristisch für die autoritäre Führung ist extreme Strenge und Konsequenz, Mitarbeiter werden vor feststehende Entscheidungen gestellt und haben dieser Entscheidung des Chefs zu folgen. Bei Fehlern steht der Vorgesetzte nicht als Ansprechpartner, geschweige denn als Hilfestellung, zur Verfügung. Auf die Bedürfnisse und Probleme der Mitarbeiter wird somit keine Rücksicht genommen. Im Fokus dieser Führungsmethode steht immer der Erfolg des aktuelle Projekt oder eben des Unternehmens. Ebenfalls ist bei einer autoritären Führung keine Kritik gewünscht und auf alle Fragen und Antworten gibt es von diesem Vorgesetzten scheinbar eine passende Antwort.

Sicherlich besteht aus Arbeitgebersicht eine gewisse Dynamik und Entscheidungen werden schnell getroffen und der gesamte Arbeitsprozess und Ablauf steht unter Kontrolle. Jedoch kann diese Verantwortung auch zur Last werden, denn die gesamte Verantwortung lastet auf einer einzelnen Person. Überforderungen könnten zu Fehlentscheidungen führen und auch bei einem Ausfall dieser autoritären Führungsperson würde das gesamte Unternehmen zusammenfallen. 

Der autoritäre Führungsstil ist vergleichbar mit dem autokratischen Führungsstil von Weber, so überschneiden sich auch die Vor- und Nachteile dieser beiden Führungsmethoden.

Der demokratische oder kooperative Führungsstil

Der demokratische Führungsstil wird auch kooperativer Führungsstil genannt. Die demokratische Führungskraft bezieht seine Mitarbeiter in die Betriebsentscheidungen ein, dazu gehören offene Diskussionen und fachliche Unterstützungen sind gewünscht und erlaubt. Somit beruht dieser Führungsstil auf der Zusammenarbeit von Führungsperson und Mitarbeitern. Dazu zählt auch die Aufgabe des Vorgesetzten, die Mitarbeiter zu motivieren und auf dessen Probleme zu reagieren. 

Durch den Austausch zwischen Mitarbeiter- und Führungsebene wird die Kreativität bei den Mitarbeitern gefördert, was sich zum Vorteil des Unternehmens entwickeln kann. Ebenfalls verteilt sich die Verantwortung des Unternehmens auf mehrere Bereiche und lastet nicht auf einer Einzelperson. Insgesamt arbeiten die Mitarbeiter vermutlich selbstständiger und können sich einfacher mit ihrem Arbeitgeber und Unternehmen identifizieren. Nachteil ist, dass sich durch die Einbeziehung der Mitarbeiter der gesamte Entscheidungsprozess erheblich verlangsamt, zusätzlich kann zwischen den Mitarbeitern Konkurrenz entstehen, welche zu internen Problemen führen könnte.

Der Laissez-faire-Führungsstil 

Übersetzt bedeutet der Führungsstil Laissez-faire „Machen lassen“. Konkret bedeutet das, dass die Mitarbeiter selbstständig arbeiten und sich so etwa Aufgaben selbst suchen und organisieren. Die Selbstbestimmung der Mitarbeiter  beruht auf einer eigenverantwortlichen Arbeitsmoral, so muss der Vorgesetzte weder informiert werden, noch eingreifen oder den Mitarbeiter unterstützen und helfen. Im Falle von Fehlern muss der Mitarbeiter in der Regel auch keine Strafe erwarten, denn auch nicht bestrafen gehört beim Laissez-faire-Führungsstil dazu. Die Angestellten besitzen Handlungsfreiheit, sie können sich frei entfalten, wodurch sich die Kreativität und Eigenständigkeit entfalten. 

Die mangelnde Kontrolle kann im schlimmsten Fall zu einem chaotischen Zustand führen. Nicht jeder Mitarbeiter kann selbstständig arbeiten, ohne Kontrolle, feste Strukturen und Vorgaben des Vorgesetzten. Weiterhin kann es zu Rivalitäten unter den Mitarbeitern kommen, denn größere Gruppen haben den Wunsch nach einer Führungsperson. So kann sich unbewusst eine Führung durch Mitarbeiter entwickeln.

Welcher Führungsstil ist der Beste?

Es kann nicht pauschal festgelegt werden, welcher dieser Führungsstile die beste Lösung in der Arbeitswelt ist. Es kann keiner der genannten Führungsstile als optimal bezeichnet werden, da die Führung in Abhängigkeit des individuellen Kontextes steht. So hängt es etwa davon ab, wie viele Mitarbeiter angestellt sind, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist und welchen Stil die Führung bevorzugt. Sicherlich ist es hilfreich, die verschiedenen Führungsstile miteinander kombinieren zu können, abhängig von der jeweiligen Situation. Dieser Führungsstil wird als situativer Führungsstil bezeichnet und scheint in vielen Branchen und Unternehmen sich als sinnvoll bewiesen zu haben. 

Situativer Führungsstil: Die Mischung als moderner Ansatz

Bei den genannten Führungsstilen handelt es sich um theoretische Konstrukte, die in der Realität nicht so klar voneinander abgegrenzt durchgeführt werden können. Denn in der Praxis hängt der Führungsstil etwa vom Vorgesetzten, den Mitarbeitern, der Art der Arbeit und der Situation ab. Auch die Entwicklung in der Arbeitsgesellschaft wirkt auf die Führungsstile, denn der Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Arbeitswelt. 

Bei dem situativen Führungsstil wird davon ausgegangen, dass die Mitarbeiter bestimmte „Reifegrade“ haben, welche im Grund auf der Berufserfahrung und Berufsausbildung beruhen. So muss ein Berufsanfänger oder ein neuer Mitarbeiter neu eingearbeitet werden und Instruktionen erhalten, anders als ein Mitarbeiter der Jahre der Berufserfahrung hinter sich hat oder bereits mehrere Jahre in dem Betrieb tätig ist. Es handelt sich um einen flexiblen Führungsstil, der sich an die jeweiligen Bedürfnisse anpasst und die genannten Führungsstil in Mischung, abhängig der individuellen Situation, beinhalten kann.  

Situativer Führungsstil führt zum gruppenbezogenen Führungsstil 

Der situative Führungsstil kann auch in Abhängigkeit der Berufsbranche stehen, so wird in Berufsfeldern, wie etwa beim Rettungsdienst in einer Notsituation nach klaren Vorgaben und Richtlinien gehandelt, so etwa bei einem Verkehrsunfall. Dieses Verhalten kann dann Menschenleben retten, muss aber nicht zum eigentlichen Führungsstil im Berufsalltag zählen. Somit richtet sich der situative Führungsstil nach einzelnen Gruppenmitgliedern bzw. nach der Art der Gruppe von Menschen/ Mitarbeitern. Somit muss jeder Mitarbeiter eine individuelle Behandlung erhalten, welche sich je nach Verhalten, Benehmen und Ansehen in der Gruppe ändert. 

Gruppenorientierte Führungsstile mit den Behandlungsformen:

  • Anspornende Behandlung: Richtet sich an Mitarbeiter oder Gruppen, die weniger Leistung erbringen als andere, sich vor Aufgaben drücken oder sogar faul sind. Durch eine gezielte Aktivierung der Leistungsreserven und die Aufstellung klarer Ziele sollen die Betroffenen angespornt werden. 
  • Integrierender Behandlung: Diese Behandlung richtet sich besonders an Neulinge und Außenseitern der Mitarbeitergruppe. Der Vorgesetzte bietet Hilfe und Unterstützung an und möchte die Neulinge oder Außenseite an die Gruppe heranführen.
  • Wertschätzende Behandlung: Als Vorgesetzter sollten die guten Leistungen oder Arbeitseinstellungen wertgeschätzt werden, durch diese Anerkennung erhalten Sie diese Arbeitsmoral.
  • Fördernde Behandlung: Erkennt der Vorgesetzte Potenzial in einem Mitarbeiter, sollte dieser polarisierende Angestellte mehr Kompetenzen und Verantwortung übertragen bekommen. Auch leistungsstarke Mitarbeiter benötigen weiterhin angemessenen Anreiz und Lob.
  • Ermutigende Behandlung: Schüchterne Mitarbeiter oder problembeladene Angestellte sollten durch Verständnis, Ermunterung und Anteilnahme mit einer positiven und offenen Haltung gestärkt werden. Diese Mitarbeiter werden ermutigt und das Selbstbewusstsein soll gestärkt werden.
  • Bremsende Behandlung: Es gibt auch Mitarbeiter, die überheblich, frech oder übereifrig sind. Auch Querdenker, Gruppenclowns und Intriganten können für Unruhe unter den Mitarbeitern sorgen. Gütige Strenge kann diese Mitarbeiter zurück zu den gewünschten Leistungen steuern.

Dank dieser Übersicht, wissen Sie welche Möglichkeiten Sie als Vorgesetzter haben, um ein Unternehmen zu führen. Wenn Sie angestellt sind, wissen Sie jetzt, welche alternativen Führungsstile Ihnen im weiteren Berufsverlauf begegnen können und welcher Ihnen zusagt. Das Team von karrieretipps.de wünscht Ihnen viel Erfolg beim Umsetzen der Führungsstile und hoffe Sie finden die passende Methode oder den Arbeitgeber mit dem passenden Führungsstil.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (30 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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