karrieretipps.de Karriere Du oder Sie im Job: Erst denken, dann handeln!

Du oder Sie im Job: Erst denken, dann handeln!

Du oder Sie im Job: Erst denken, dann handeln!
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Christiane Peters am 05.07.2021 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Duzen oder siezen – im Job gibt es Regeln!
  2. Sie oder Du - Distanz oder Nähe
    1. Punkt 1: Das Du anbieten
    2. Punkt 2: Das Du ablehnen
    3. Punkt 3: Hamburger Sie
    4. Punkt 4:  Duz-Hierarchie
    5. Punkt 5: Das Du für Auserwählte
    6. Punkt 6: Mit dem Du warten
    7. Punkt 7: Das Du wieder zurücknehmen
    8. Punkt 8: Das Du ignorieren
  3. Die Vor- und Nachteile des Duzens
    1. Vorteile des Duzens  
    2. Nachteile des Duzens

Sind Sie schnell beim Du? Oder gehören Sie zu denjenigen, die eine Person erst einmal genauer kennenlernen möchten, bevor Sie ihr das Du anbieten? Fakt ist, das Duzen wird immer salonfähiger. Zumindest in unserer täglichen Wahrnehmung. Im Job-Alltag ist diese Entwicklung noch nicht wirklich angekommen. Hierzulande wird in vielen Unternehmen immer noch gesiezt. Der zwischenmenschliche Umgang funktioniert offensichtlich nur unter Einhaltung von Normen. Was tun? Duzen oder Siezen? Wer bietet es an? Darf man das Du ablehnen? Lässt sich ein Du zurücknehmen? Gibt es im Job eine Duz-Hierarchie?

Duzen oder siezen – im Job gibt es Regeln!

Vielleicht erinnern Sie sich noch, als der schwedische Möbelriese Anfang der Siebzigerjahre uns in der Werbung einfach duzte. Damals empörten sich einige Zeitgenossen regelrecht, manche empfanden es gar als Frechheit oder Anmaßung. Wo bleibt die gute Kinderstube? Abgesehen davon, dass in Schweden jeder und jede geduzt wird, war das Du von IKEA selbstverständlich reine Taktik - Marketing halt. Um Nähe zu den Kunden herzustellen.

Wie auch immer. Wir sind heute lockerer geworden, das Du kommt uns schneller über die Lippen. Im Job-Alltag ist diese Entwicklung noch nicht wirklich angekommen. Hierzulande wird in vielen Unternehmen immer noch gesiezt. Der zwischenmenschliche Umgang funktioniert offensichtlich nur unter Einhaltung von Normen. Mit Ausnahme einiger Branchen. In der Medienbranche wird seit Jahren auf das Du gesetzt.

Sie oder Du - Distanz oder Nähe

Im Job, wo Respekt und Höflichkeit den Umgang mit Menschen ausmachen, zu denen eine gewisse Distanz existiert, da vermitteln gewisse Etikette-Regeln auch eine Portion Sicherheit. Das Siezen verkörpert Distanz und gleichzeitig Respekt. Dagegen kann ein unüberlegtes Duzen als respektlose Geste wirken und unprofessionell erscheinen. Manche sehen darin sogar ein Eindringen in den privaten Bereich.

Das Du wiederum verkörpert Nähe, schafft Vertrautheit, fördert eine offene Kommunikation, verflacht Hierarchiedenken und befeuert ein stärkeres Teamdenken.

Warum duzen wir, wen duzen wir und wann sollte man darauf verzichten? Viele Fragen, die folgenden Punkte sollen mehr Klarheit verschaffen:

Punkt 1: Das Du anbieten

Hier gilt immer noch die altbewährte Regel: Der Ranghöhere schlägt das Du vor, also der Vorgesetzte, seinem Mitarbeiter, der Mitarbeiter, dem Azubi oder Praktikanten. Der Geschäftsführer oder Vorstand kann zum Beispiel mit einem Duz-Generalangebot ein Zeichen für eine neue Unternehmenskultur setzen.

Punkt 2: Das Du ablehnen

Das Du ablehnen: Ist das überhaupt möglich? Klare Antwort: Ja. Selbstverständlich kann niemand gezwungen werden, das angebotene Du anzunehmen. Doch der Ton macht die Musik. Überlegen Sie gut, wie Sie ablehnen. Wenn Sie respektvoll und höflich „Nein“ sagen, werden Sie in der Regel niemanden kränken.

Doch wie so oft kommt es auch hier auf jede Menge Fingerspitzengefühl an. Wer höflich ablehnt, macht meist nichts kaputt. Dennoch sollten wir uns nichts vormachen, derjenige, der die Ablehnung erhält, fühlt sich herabgesetzt und vielleicht auch gekränkt. Je nach Charakter des Betroffenen ist es nicht auszuschließen, dass das abgelehnte Du bei ihm so etwas wie „das zahle ich ihm heim“ auslöst.

Deshalb: Wenn Sie das Du rückgängig machen möchten, dann mit Bedacht und mit einer guten Begründung wie zum Beispiel „Das Du erscheint mir zu nah. Ich fühle mich damit unwohl“.

Punkt 3: Hamburger Sie

Es gibt noch die Variante „Vorname plus Sie“. Diese Kombination, auch als „Hamburger Sie“ bekannt, hat ebenfalls ihre Befürworter. Sie ermögliche einen entspannten Umgang nach internationalen Standards.

Punkt 4:  Duz-Hierarchie

„Frau schlägt vor“ – diese antiquierte Etikette-Regel gilt im Job längst nicht mehr. Im Berufsleben zählt heute eindeutig die Hierarchie. Hier schlägt der Ranghöhere den Wechsel aufs Du vor.
Das gilt auch für das Alter: Dass der Ältere dem Jüngeren das Du anbietet, hat nur noch im Privaten Bedeutung. Im Business zählt allein die Initiative des Ranghöheren. Bei gleicher Hierarchiestufe und gleichem Geschlecht gilt: Derjenige, der die längste Zeit im Unternehmen tätig ist, hat das Du-Vorschlagsrecht.

Punkt 5: Das Du für Auserwählte

Schwierig wird es, wenn der Chef das Du nur ausgewählten Mitarbeitern anbietet und damit so eine Art Auszeichnung vergibt. Geduzt werden nur die, mit denen er zufrieden ist und die aus seiner Sicht am meisten für das Unternehmen tun. Diese Vorgehensweise ist schädlich fürs Betriebsklima und führt zur Spaltung.

Punkt 6: Mit dem Du warten

Es gibt keine Eile: Wenn Sie neu im Unternehmen sind, müssen Sie nicht sofort ein Duz-Angebot aussprechen. Es kann durchaus taktvoll sein, erst einmal abzuwarten und die alteingesessenen Kollegen zunächst zu siezen, auch wenn diese sich untereinander duzen. Dann kann Ihnen jeder das Du persönlich anbieten und damit ein Zeichen setzen, dass Sie nun zum Team gehören.

Dennoch ist es keine Katastrophe, wenn der neue Mitarbeiter ein Angebot für das Du ausspricht, weil das gesamte Team sich duzt. Wer freundlich nachfragt und Respekt walten lässt, wird bestimmt eine positive Antwort erhalten. Es kommt eben immer darauf an, wie Sie etwas sagen.

Punkt 7: Das Du wieder zurücknehmen

Einmal Du, immer Du? Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Ein Du gilt eigentlich lebenslänglich. Wer ein Du wieder zurücknehmen möchte, der hat einen triftigen Grund. So viel ist klar, jemandem das Du zu verbieten, kommt schon einer Beleidigung gleich. Da muss etwas Gravierendes vorgefallen sein, dass man so verärgert und gekränkt ist und es nicht ertragen kann, weiterhin per du miteinander umzugehen. Solche Fälle sind allerdings sehr selten.  

Doch es gibt Sonderfälle, wo das Du schnell erteilt und das relativ schnell wieder bereut wird:

  • Die Betriebs- und Weihnachtsfeier
    Das gibt es immer wieder: Zu später Stunde und wenn der Alkoholkonsum bereits Höhen erreicht hat, die den Verstand aussetzen lassen, macht der Chef seinen Mitarbeitern das Du-Angebot.
    Das muss jedoch nicht immer etwas bedeuten. Beobachten Sie die Situation, ob Ihr Chef mit klarem Kopf und im nüchternen Zustand ebenfalls beim Du bleibt. Falls nicht, dann sollten Sie auch zum Sie zurückkehren. Ansonsten gilt das Du.   
  • Teams mit jungen und älteren Mitarbeitern
    Es gibt Situationen, da bekommt man ein Duz-Angebot und nimmt dieses aus Höflichkeit und ohne lange nachzudenken, einfach an. Kurz darauf bereut man diesen Schritt jedoch. Wie kommt man aus der Nummer raus? Ein Rücktritt kann für die Person als Herabsetzung interpretiert werden. Reagieren Sie möglichst schnell. Gehen Sie taktvoll und höflich vor und begründen Sie Ihre Entscheidung zum Beispiel: „Ich möchte doch lieber beim Sie bleiben. Beim Du fühle ich mich unwohl.“ Auch eine zeitnahe Reaktion kann Schlimmeres vermeiden.Solche Fälle lassen sich zum Beispiel in Teams beobachten, in denen jüngere und ältere Mitarbeiter zusammenarbeiten. Den Jungen fällt es schwer, ihre älteren Kollegen zu duzen. Sie kennen es aus der Schulzeit, wo sie geduzt wurden, sie aber ihre Lehrer gesiezt haben.
    Doch ist das im Job angebracht - Sie selbst werden geduzt, Siezen jedoch Ihre Kollegen? Das ist ein No-Go! Das geht gar nicht und ist ein Zeichen von Ergebenheit beziehungsweise Dominanz. Kommunikation muss auf Augenhöhe stattfinden: Entweder duzen sich beide oder sie siezen sich.

Punkt 8: Das Du ignorieren

Was tun, wenn man ungewollt geduzt wird? Einfach zurück siezen? Das ist zwar eine Möglichkeit. Respektvoller ist es jedoch, das Thema einfach anzusprechen. So lässt sich schnell klären, ob das Du zur Unternehmenskultur gehört. Im Gespräch haben Sie die Chance mitzuteilen, warum Sie lieber beim Sie bleiben möchten.   

Die Vor- und Nachteile des Duzens

Wenn Menschen sich im Job duzen, hat das Vor- und Nachteile. Im Zweifel wird heute meistens dem Siezen der Vorzug gegeben. Egal, ob Du oder Sie, innerhalb des Unternehmens sollte man sich auf eine Anredeform einigen, so vermeidet unnötige Unsicherheiten.

Vorteile des Duzens  

Vorteil 1: persönliche nähe
Vorteil 2: Vertrautheit untereinander
Vorteil 3: Gemeinschaftsgefühl
Vorteil 4: offene Firmenkultur
Vorteil 5: flache Hierarchien

Nachteile des Duzens

Wer duzt, sollte sich auch über mögliche negative Entwicklungen im Unternehmen Gedanken machen. Das sind die wesentlichen Nachteile:

Nachteil 1: Weniger Distanz
Nachteil 2: Verlust an Respekt
Nachteil 2: Verbale Entgleisungen
Nachteil 3: Mögliche Streitigkeiten eskalieren schneller
Nachteil 4: Falsche Vertrautheit, die einige Mitarbeiter ausnutzen

Du oder Sie? Jeder von uns hat diese Frage vermutlich schon mehrmals in seinem Leben beantworten müssen. Es gibt hinreichend Argumente Pro und Contra Du oder Sie. Einen Haken hat das ganze Für und Wider schon. Die Sache mit den Anredeformen kann nämlich ziemlich kompliziert sein. Die Gefahr, ins Fettnäpfchen zu treten, ist also groß. Wenn Sie die oben beschriebenen Punkte beherzigen, können Sie jedoch einige umgehen.

Bild: Christiane Peters
Christiane Peters (15 Artikel)

Christiane Peters hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert. Aktuell arbeitet sie als Journalistin für ein Wirtschaftsmagazin. Schwerpunkte ihrer redaktionellen Tätigkeit sind Themen aus den Bereichen New Work, Personalmanagement, Führung und Karriere. Auf karrieretipps.de kann sie ihre langjährigen Erfahrungen und ihren Blick für aktuelle Themen und Trends in der Personal- und Karriereentwicklung zur Anwendung bringen.

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