karrieretipps.de Karriere Das 360 Grad Feedback: Definition, Umsetzung & Nutzen

Das 360 Grad Feedback: Definition, Umsetzung & Nutzen

Das 360 Grad Feedback: Definition, Umsetzung & Nutzen
© Tetiana Yurchenko | shutterstock.com
Anastasia Klingsiek am 05.10.2018 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Was ist ein 360 Grad Feedback?
    1. 1. Vorbereitung: Alle Beteiligten müssen informiert werden
    2. 2. Fragebogen erstellen
    3. 3. Analyse und Auswertung der Beurteilungen
    4. 4. Mit den Daten eine Lösung finden 
  2. Warum sollte in Unternehmen ein 360 Grad Feedback durchgeführt werden?
  3. Vorteile von dem 360 Grad Feedback
    1. 1. Die Wirkung auf Führungskräfte 
    2. 2. Die Selbstwahrnehmung wird erhöht
    3. 3. Vorgesetzte erhalten Informationen über Ihre Mitarbeiter
    4. 4. Mitarbeiter erhalten objektive Beurteilungen
    5. 5. Der Kunde ist König
    6. 6. Die richtige Umsetzung führt zu einem effektiven Arbeitsklima
  4. Risiken des 360 Grad Feedbacks

Feedback im Berufsleben ist wichtig, so ist besonders in größeren Unternehmen garantiert, dass alles einwandfrei läuft. Mitarbeiter, Azubis und Kooperationspartner erhalten vermutlich regelmäßig Rückmeldung zu Ihrem Verhalten und der Arbeit. Denn ohne Rückmeldung und Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Abteilungen kann es zu Problemen kommen, die sich negativ auf das Unternehmen und bestimmte Abläufe auswirken. Aber nicht nur für Mitarbeiter sind Rückmeldungen wichtig, sondern auch für Führungskräfte. Insbesondere, da Führungskräfte so viel Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen, manchmal aber nicht immer zur Zufriedenheit anderer. Schuld kann eine falsche Eigenwahrnehmung durch ungenügenden oder fehlenden Signalen des Umfelds sein, aber auch eine zu große Selbstsicherheit. Deshalb eignet sich ein 360 Grad Feedback, um Vorgesetzte, Mitarbeiter und Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen und ein umfangreiche Beurteilung zu erhalten. Was genau ein 360 Grad Feedback ist und was die Vor- und Nachteile sind, erfahren Sie hier.

Was ist ein 360 Grad Feedback?

Es handelt sich bei dem 360 Grad Feedback um eine wirksame Methode zur effektiven Beurteilung und Verbesserung von Management- und Führungskompetenzen. Grundlage hierbei sind bestimmte Bedingungen und Voraussetzungen, sodass die Fähigkeiten von Fach- und Führungskräften in unterschiedlichen Blickwinkeln, eben in 360 Grad, beurteilt werden. Das heißt, dass nicht nur Mitarbeiter der Person eine Rückmeldung geben, sondern auch Vorgesetzte, Kollegen, Teammitglieder und sogar Kunden oder Partner (Fremdbild), zusätzlich soll der Betroffene sich selbst einschätzen.

Wesentlicher Bestandteil dieser Feedback-Methode ist die Rundumbetrachtung von allen Perspektiven und Seiten des Berufsumfelds. Das 360 Grad Feedback besteht aus vier Phasen:

1. Vorbereitung: Alle Beteiligten müssen informiert werden

Alle Feedbackgeber werden informiert, auch darüber, wie diese Rückmeldung abläuft, ob es eine persönliche „Gegenüberstellung“ gibt oder eine anonyme Beurteilung stattfinden, sodass der Feedbackgeber keine Konsequenzen zu befürchten hat. 

2. Fragebogen erstellen

In der Regel wird für das 360 Grad Feedback ein Fragebogen genutzt, denn so können alle Beteiligten ihre Beurteilung abgeben. Oft ist es eine Herausforderung, einen passenden Termin für alle Betroffenen zu finden. Zusätzlich machen Internet und online Plattformen eine schnelle und einfache Kommunikation möglich, so kann etwa der Fragebogen anschließend per Mail versendet werden. Entweder werden die Fragebögen in anonymer Form oder mit Namen abgeben, das müssen Sie für sich entscheiden. Sicherlich ist es sinnvoll, wenn der Feedbackgeber identifiziert werden kann, damit der Betroffene die Kritik und Beurteilung besser einordnen kann.

3. Analyse und Auswertung der Beurteilungen

Nachdem alle Fragebogen ausgefüllt wurden, wird eine Übersicht über die Ergebnisse erstellt. Schaubilder und Abbildungen können die Ergebnisse veranschaulichen. Wichtig ist, dass die Transparent und Nachvollziehbarkeit erfüllt wird und die Beurteilungen begründet werden.

4. Mit den Daten eine Lösung finden 

Mit Hilfe der Beurteilung und Daten kann eine Lösung gesucht werden und das sollten Sie als Vorgesetzter auch tun. Sonst war der ganze Aufwand umsonst. So können Sie sich für Weiterbildungsmaßnahmen, Verbesserung der Kooperation oder für betriebliche Events stark machen. Wenn Sie die Person ist, die von der Beurteilung betroffen ist, können Sie auch entsprechende Kurse besuchen und sollten als erstes die Kritik beherzigen und annehmen. 

Warum sollte in Unternehmen ein 360 Grad Feedback durchgeführt werden?

In einigen Fällen kann es sein, dass eine Führungsperson sehr gute Fachkompetenzen aufweist und im Unternehmen geschätzt wird, jedoch ist der menschliche Umgang mit seinen Mitarbeitern und Kollegen nicht vorzeigefähig. Oft fehlt dem beruflichen Umfeld die Möglichkeit diese Person auf das Fehlverhalten anzusprechen und in einem klärenden Gespräch mit gegenseitiger Rückmeldung eine Lösung zu finden. Andeutungen und Erwähnungen über das Verhalten werden oft gar nicht von dem Betroffenen wahrgenommen, Gründe könnten zum Beispiel eine falsche und überhebliche Selbstwahrnehmung sein oder zu viel Stress. 

Durch ein 360 Grad Feedback können Sie als Vorgesetzter und Mitarbeiter eine größerer Objektivität erhalten und unterschiedliche Meinungen. Bemerken Sie als Führungskraft etwa, dass in der allgemeinen Kommunikation und im Arbeitsklima eine betrübte Stimmung herrscht, sollten Sie sich auf diese Rückmeldung einlassen und auch als Mitarbeiter können Sie einen Gewinn aus dieser Methode ziehen, denn so bemerken Sie, ob die Probleme mit der betroffenen Person nicht doch andere Ursachen haben und ob andere dieselbe Wahrnehmung wie Sie haben. Es ist unwahrscheinlich, dass Führungskräfte ihre Positionen in einem Unternehmen durch zufälliges Verhalten erreicht haben. Sie haben wahrscheinlich ein gewisses Verständnis für angemessenes Führungsverhalten und besitzen vermutlich eine ziemlich gute Vorstellung von ihren eigenen Stärken und Bedürfnissen. Aber ehrliches und zuverlässiges Feedback ist notwendig, um die eigenen Wahrnehmungen zu testen, bisher unsichtbare Stärken zu erkennen und blinde Flecken in der eigenen Selbstwahrnehmung zu erkennen.

Vorteile von dem 360 Grad Feedback

360-Grad-Feedback-Umfragen kommen Führungskräften, Teams und dem gesamten Unternehmen sofort zugute. Durch die Bereitstellung einer sicheren, vertraulichen und zuverlässigen Möglichkeit für Kollegen, Feedback zu geben, erhält ein Unternehmen wertvolle Einblicke in die aktuelle Führung, die Teams und den allgemeinen Zustand des Unternehmens. 360-Feedback-Umfragen liefern Führungskräften fundiertes Wissen und Feedback darüber, was funktioniert und was nicht. Wenn diese Feedback-Daten korrekt verwendet werden, können Unternehmen schnell handeln, indem sie den Mitarbeitern und Vorgesetzten helfen, sich zu verbessern und bessere Führungskräfte und Mitarbeiter im Unternehmen zu werden. 

1. Die Wirkung auf Führungskräfte 

Führungskräfte tun sich oft schwer ihre Schwächen zu erkennen, aber ebenso wenig können sie ihre Stärken erkennen. Dieses letztgenannte Phänomen kann daran liegen, dass Stärken oft Verhaltensweisen sind, die natürlicher sind. Da sie ohne bewusste Anstrengung erworben wurden, wissen die Führungskräfte oft nicht, wie gut sie in so etwas wie Problemlösung, Teamfähigkeit oder strategisches Denken sind.

2. Die Selbstwahrnehmung wird erhöht

Selbstbewusstsein bedeutet, Ihre Persönlichkeit zu verstehen, einschließlich der Stärken, Schwächen, Überzeugungen, Motivationen, Gedanken und Emotionen. Und Selbstbewusstsein ist besonders wichtig, wenn Sie eine Führungsposition im Beruf haben. Die Führung von Menschen erfordert eine sorgfältige Balance zwischen konkurrierenden Prioritäten. Viele Führungskräfte mit guten Absichten machen Fehler, weil sie kontinuierliche Verbesserungen in die falsche Richtung machen.

Jeder denkt, dass er einen guten Überblick darüber hat, wie andere Menschen ihn sehen. Jedoch zeigt sich, dass Menschen sich in der Regel schlechter einschätzen, als das Umfeld, also ihr Vorgesetzter und ihre Mitarbeiter. Deshalb ist es wichtig, dass Sie, egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter, eine umfangreiche und vielseitige Beurteilung erhalten, sodass Sie Ihre eigene Person entsprechend einordnen können.

3. Vorgesetzte erhalten Informationen über Ihre Mitarbeiter

In den meisten Fällen hat der direkte Vorgesetzte kaum Kontakt zu seinen Mitarbeitern und verbringt wenig Zeit mit ihnen. Deshalb kann er sich durch das 360 Grad Feedback objektive Informationen einholen, wie sein Mitarbeiter mit anderen Personen, Kunden und Abteilungen umgeht. So hat das 360 Grad Feedback nicht nur Vorteile für die Mitarbeiter und Vorgesetzten zur eigenen Person, sondern auch in Hinblick auf andere im Berufsumfeld. 

4. Mitarbeiter erhalten objektive Beurteilungen

Durch das 360 Grad Feedback erhalten Mitarbeiter nicht nur von ein oder zwei Personen, die in enger Zusammenarbeit mit ihnen stehen, eine Rückmeldung, sondern auch von anderen Bereichen des Unternehmens. Dadurch wird die Transparenz von Leistungs- und Beurteilungskriterien gefördert und so kann sich der Mitarbeiter entsprechend der Kritik und Beurteilung entwickeln und den Erwartungen des Unternehmens gerecht werden.

5. Der Kunde ist König

Besonders in Unternehmen oder Betrieben mit einem starken Kundenkontakt und enger Zusammenarbeit ist es wichtig, dass die Kunden entsprechende Kontaktpersonen beurteilen dürfen. Durch das Feedback von Kunden oder bestimmten Kundengruppen kann das Unternehmen Defizite aufarbeiten und Lücken im Kundenservice schließen. So können wichtige Kunden an Ihr Unternehmen gebunden oder neue Kundschaft gewonnen werden. Ihre Mitarbeiter im Kundenbereich sind das Gesicht Ihres Unternehmens uns sollten das Image und den Ruf entsprechend vorteilhaft spiegeln, weshalb eine objektive Rückmeldung von Kunden sehr hilfreich ist.

6. Die richtige Umsetzung führt zu einem effektiven Arbeitsklima

360 Grad Feedback ist eines der mächtigsten Werkzeuge für eine gute interne und externe Unternehmenskultur, um Beziehungen zu verbessern und die Verantwortlichkeit zu erhöhen. Es ist keine Wunderwaffe, und viele Unternehmen erhalten durch falsche Durchführung einen negativen Effekt und machen die Betriebssituation noch schlimmer als zuvor. Ein gutes 360 Grad Feedbackprogramm ist mit einem erhöhten Engagement der Mitarbeiter und einer verbesserten Leistung verbunden. So kann diese Bewertungsmethode zu etwas werden, worauf sich die Mitarbeiter freuen, anstatt Angst zu haben. Für die richtige Durchführung des 360 Grad Feedbacks können Sie sich auch bei einem externen Coach erkunden und um Hilfe bitten.

Risiken des 360 Grad Feedbacks

Sicherlich ist ein erhebliches Risiko, dass die Beteiligten des Feedbacks sich nicht ehrlich äußern. Vermutlich aus Respekt vor dem Vorgesetzten oder aus Angst vor beruflichen Konsequenzen, doch hat sich das Unternehmen auf dieses Methode der Rückmeldung eingelassen. Insbesondere wenn erhebliche Probleme vorhanden sind, sollte das Konzept auch entsprechend durchgeführt werden. Ansonsten ist der Sinn und Zweck verflogen. 

Zusätzlich besteht bei der 360 Grad Feedback- Methode die Gefahr, dass nicht die Führungskraft beurteilt wird, sondern die Beziehung zu dem entsprechenden Feedback-Geber und das ist nicht erwünscht. Denn im Vordergrund soll der Umgang und das Auftreten im Unternehmen stehen, auch wenn das schwierig ist.

Damit Sie ein erfolgreiches 360 Grad Feedback durchführen können, sollten Sie vorab das Einverständnis aller Beteiligten einholen und auch selbst als Führungskraft sich offen gegenüber konstruktiver Kritik präsentieren. Sicherlich fällt es dem Einen schwieriger, sich auf diese Kommunikation einzulassen, als anderen Personen. Doch im Vorfeld sollte jedem Teilnehmer bewusst sein, was für einen positiven Effekt das Feedback auf die gesamte Unternehmenskultur haben kann, wenn jeder zu einer effektiven Durchführung beiträgt. Karrieretipps.de wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Durchführung des 360 Grad Feedbacks.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (28 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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