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CEO, Trafficer & Co.: Jobtitel & Bezeichnungen in der modernen Arbeitswelt

CEO, Trafficer & Co.: Jobtitel & Bezeichnungen in der modernen Arbeitswelt
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Anastasia Klingsiek am 14.01.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Klassische Bezeichnungen: Funktion von Jobtiteln
  2. Was steckt hinter den skurrilen Berufsbezeichnungen?
  3. Was verursachen die neumodischen Jobtitel?
    1. „Innovative“ Jobtitel: Mögliche Probleme für Unternehmen
    2. Jobbezeichnungen im Bewerbungsprozess: Ratlosigkeit & Verwirrung
  4. Öde Jobs mit wohlklingenden Jobtitel
    1. Skurrile und beschönigende Berufsbezeichnungen
  5. Häufige englische Jobtitel und ihre Bedeutung
    1. Bedeutung von Hierarchiestufen
  6. Gefahr durch falsche Jobtitel und Bezeichnungsdschungel

Die Jobsuche auf dem modernen Stellenmarkt ist manchmal nicht ganz einfach: Neumodische Berufsbezeichnungen und englische Jobtitel sind fester Bestandteil. Dabei sind viele dieser Positions- und Jobtitel überzogen und sogar schlichtweg falsch. Komplizierte Stellenanzeigen mit englischen Berufsbezeichnungen bleiben trotz sehr guter Englischkenntnisse unverständlich und sind häufig sogar mehr Schein als Sein. 

Arbeitssuchende und Arbeitnehmer stehen vor der Frage, welche Position oder welcher Beruf sich hinter den kryptischen Namen und Jobtiteln verbirgt. CEO, CFO, Digital Prophet, Business Developer, Manager, Junior: Was bedeuten diese wohlklingenden Jobtitel in der Geschäftswelt wirklich? Was steckt hinter dem Wirrwarr aus Anglizismen und Verschönerungen der Berufsposition? Erfahren Sie hier alles über Jobtitel, Berufsbezeichnungen und Positionsnamen.

Klassische Bezeichnungen: Funktion von Jobtiteln

Ein Jobtitel soll über die berufliche Position oder akademische Qualifikation des Trägers informieren. Daraus resultieren ein einheitlicher Arbeitsmarkt, Verständlichkeit und Ordnung. Doch durch die Weiterentwicklung des Arbeitsmarkts entstehen nicht nur neue Jobs, sondern auch neue Berufsbezeichnungen und Jobtitel. Besonders im Bereich der Informationstechnik finden sich unzählige neue Bezeichnungen und Titel, aber auch in anderen Branchen. 

Was steckt hinter den skurrilen Berufsbezeichnungen?

Immer flacher werdende Hierarchien, eine sich rasant verändernde Arbeitswelt, Globalisierung, Internationalität und Spezialisierung: Diese Faktoren sind sicherlich nicht ganz unschuldig an den neuen Berufsbezeichnungen, hinter denen oft klassische Berufe und Positionen stecken. Es handelt sich um einen Trend, eine Art Selbstmarketing der Unternehmen, schlichtweg um ein Konzept, das klappt. Besonders in der westlichen Geschäftswelt gehört dieses „Namedropping“ mittlerweile zum Standard. Wie Sie sehen, sind Anglizismen nicht nur in der Berufswelt vollkommen normal: Statt Namedropping hätte auch die deutsche Bezeichnung Referenznennung verwendet werden können.

Sich mit komplizierten Berufsbezeichnungen schmücken, hervorstechen zwischen den typischen Titeln und dadurch Besonderheit verkörpern. Die Positions- und Jobbezeichnungen sollen neue Mitarbeiter anwerben; neue Herausforderungen, Modernität und Aktualität verkörpern. Vor allem sollen sie motivierend wirken.

Ein junges Startup befinden sich noch in seinen Kinderschuhen, das große Geld ist noch in weiter Ferne. Trotzdem müssen Mitarbeiter her, diese werden mit fast lächerlichen und gewichtigen Titeln ausgestattet. Business Developer klingt doch gleich vielversprechender als Praktikant, oder? Und auch ein Junior, Master oder Senior hinter der englischen Berufsbezeichnung verspricht das Gelbe vom Ei. Zumindest wenn diese Titel und Bezeichnungen in einem unangemessenem Rahmen und ohne Bedeutung an Mitarbeiter verteilt werden. Zunächst einmal existieren Unternehmen, die englische Berufsbezeichnungen und Position vollkommen wahrlos gebrauchen, dann gibt es noch die sinnlosen Übertragungen ins Englische. Es werden gefühlt jeglichen Berufe mit englischen Auschmückungen aufgebesser, die meist, wie aus dem Ärmel geschüttelt, wirken. Kein Wunder, dass besonders Arbeitnehmer vor Generation Y und Z vollkommen untergehen. 

Was verursachen die neumodischen Jobtitel?

Ob Visitenkarten, Stellenausschreiben, Artikel oder Werbung. Dreht es sich um den Arbeitsmarkt in Deutschland, begegnen den Menschen immer wieder englische Jobtitel. Fancy klingende Titel, Berufsnahmen mit scheinbarer Prestige und trendy Stellenausschreibungen führen nicht nur zu Missverständnissen zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen. 

Die Berufsbezeichnung ist durch dieses Vorgehen nicht gerade verständlicher, im Gegenteil: Vielmals stellt sich die Frage, welche Aufgaben, Tätigkeiten und Position hinter den Begriffen verstecken. Besonders Unternehmen im Bereich neuer Technologien lehnen sich mit ihren Berufsbezeichnungen an den englischen Sprachraum an. Zusätzlich entstehen immer schneller neue Stellen, für die neue Namen entwickelt werden müssen. 

„Innovative“ Jobtitel: Mögliche Probleme für Unternehmen

Am Ende steht das Unternehmen selbst vor einem großen Problem: Wie soll es bestehenden Mitarbeitern noch gerecht werden, wenn der Mitarbeiterumfang stetig wächst? Praktikanten und Berufseinsteiger werden mit eigentlich lächerlichen, dennoch verlockenden Jobtiteln überworfen. Englische und skurrile Berufsbezeichnungen gleichen einer Währung auf dem modernen Arbeitsmarkt, welche schlechte Bezahlung ausgleichen sollen. 

Die Unternehmenskultur definiert den Wert der Arbeit scheinbar über Jobtitel. Titel werden immer länger, sollen innovativer klingen und Seriosität erwecken. Doch Letztendlich geht manchmal genau dieser Wunscheffekt verloren. Besonders, wenn in einem Unternehmen plötzlich drei CEO's, 22 Head of's und sechs Officer arbeiten, dafür aber 8 „normale“ Angestellte.

Die Zuordnung der Berufsbezeichnungen und Titel wirkt vielleicht sogar willkürlich, unüberlegt und ohne Bedeutung. Niemand weiß mehr genau, was der ellenlange Titel wirklich bedeutet und irgendwann versiegt auch die größte Bezeichnungsvielfalt. Es scheint vergessen, dass besonders Titel in einem Unternehmen einst für interne und externe Ordnung sorgen sollten. 

Klassische Hierarchien und die Bezeichnungen verdeutlichten, wer sich noch am Anfang oder bereits auf den oberen Sprossen der Karriereleiter befand. Sicherlich existieren auch noch Unternehmen, die bewusst diese altbewährten Bezeichnungen bevorzugen. Dennoch geht der Trend in Richtung englischsprachiger und verwirrender Titel und Benennungen.

Jobbezeichnungen im Bewerbungsprozess: Ratlosigkeit & Verwirrung

Doch oft entstehen durch die kryptischen Berufs- und Positionsbezeichnungen vollkommen unrealistische und falsche Vorstellung von dem Beruf und der ausgeschriebenen Stelle. Dadurch besteht das Risiko, dass sich ein Bewerber mit höheren oder falschen Erwartungen für ein Jobangebot meldet, was nicht den vorhandenen Qualifikationen entspricht.

Das wohl größte Problem heutzutage ist, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf die meisten Jobtitel nicht mehr wirklich verlassen können. Die Berufsbezeichnungen befinden sich im ständigen Wandel und auch die Auslegungen der Definition können erheblich voneinander abweichen.

Öde Jobs mit wohlklingenden Jobtitel

Anglizismen gehören besonders in der Berufs- und Arbeitswelt zum Alltag, doch oft verbergen sich hinter den wohlklingenden Jobtiteln simple Aufgaben und Berufsbereiche. Dadurch kann ein öder Job gleich vielversprechender wirken oder eine Beförderung ersetzt werden. Natürlich sind nicht alle Jobtitel und Berufsbezeichnung schwachsinnig, einige sind auch seriös und geben Auskunft über Arbeitsfelder und Qualifikation. 

Skurrile und beschönigende Berufsbezeichnungen


Accounting bzw. Accountant

Buchhalter, dokumentieren und buchen von Geschäftsvorfällen, analysieren von Finanzdaten und Abschlüssen

Approvals

Prüft, ob Produkte Gesundheitsrisiken für Verbraucher enthalten

Food Stylist

Herstellung, Verfeinerung und Präparierung von Lebensmitteln, bevor diese dem Verbraucher präsentiert werden, machen Fotos von Lebensmitteln und Gerichten für Kochbücher/ Zeitschriften 

Trafficer

Der Beruf hat nichts mit Tätigkeiten im Berufsverkehr zu tun. Indirekt könnte man die Aufgaben jedoch dennoch dem Verkehrswesen zu ordnen: Dieser Beruf sorgt dafür, dass alles in den richtigen Bahnen verläuft: Anfallende Arbeit wird verteilt, sodass für reibungslose Arbeitsabläufe gesorgt ist.

Production Controlling/ Expedition/ Scheduling

Planung und Kontrolle von Produktionsmengen und Abläufe

Vision Clearance Engineer

Was sich vielversprechend anhört und nach einem Job mit Führungsposition klingt, ist wohl eher als Fensterputzer oder Glasreiniger bekannt.

Facility Manager

Im Grunde handelt es sich um Tätigkeiten eines Hausmeisters, welche sich auf die hauseigenen Infastrukturen ausweiten sollen. Laut Unternehmen steckt hinter dieser Berufsbezeichnung weitaus mehr, als „nur“ das bekannte Hausmeister-Dasein.

Environment Improvment Technician

Ein Beruf mit technischer Vielfalt und aufregenden Arbeitsbereichen. Sicherlich, so scheint es: Es handelt sich um einen Mitarbeiter der Gebäudereinigung oder salopp gesagt um eine Putzkraft.


Häufige englische Jobtitel und ihre Bedeutung

Und auch wenn Sie es nicht glauben möchten, es gibt auch Berufsbezeichnungen und Titel, hinter denen eine ernsthafte Bedeutung steckt. Es kommt darauf an, wie seriös und ernsthaft die jeweiligen Bezeichnungen in den Unternehmen angewandt werden. Wahllose Ernennung und Verteilung der Titel führt zu einer falschen Bedeutung der englischen Jobtitel. Hingegen kann die bewusste und durchdachte Umsetzung der Bezeichnungen hilfreich für internationales Ansehen und Verständnis sein.


Associate: Angestellter ohne Führungsverantwortung (Facharbeiter oder Spezialist auf einem Gebiet)

Chief Content Officer, kurz CCO: Verantwortlich für Inhalte der Marketing- Maßnahmen (Werbung), etwa die Inhalte auf der Firmenwebseite. Erfahrung im Journalismus und in Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) sind voraussetzend.

Chief Executive Officer, kurz CEO: CEO= Geschäftsführer, höchste Führungsposition im Unternehmen. Bei Konzernen handelt es sich bei CEO um den Vorstandsvorsitzenden, bei kleineren Unternehmen ist es der Firmenchef.

Chief Financial Officer, kurz CFO: Leiter des Finanzbereichs des gesamten Unternehmens, Aufgaben entsprechen einem kaufmännischen Geschäftsführer, Verwaltung der Geldmittel und die Finanzplanung

Chief Operating Officer, kurz COO: CCO hat die höchste Position im Unternehmen im Bereich des leitenden Tagesgeschäfts. Für Betriebsabläufe und täglichen Entscheidungen der Firma verantwortlich (Betriebsleiter)

Director: Führungsposition, welche über dem Manager liegt

Head of: Leiter eines Fachbereichs

Manager: Mitarbeiter mit Führungsposition (Abteilungsleiter)


Bedeutung von Hierarchiestufen

Junior: Position für Einsteiger mit ein bis drei Jahren Berufserfahrung.

Senior: Wesentlich mehr Berufserfahrung als sein Kollege ohne titel-Ergänzung und mehr Verantwortung. Team- oder Gruppenleiter.


Gefahr durch falsche Jobtitel und Bezeichnungsdschungel

Fakt ist, dass Anglizismen nicht nur im Alltag eine wachsende Rolle einnehmen, sondern besonders im Berufsleben und auf dem Arbeitsmarkt. Trotzdem wird Unternehmen oft geraten, die klassischen Berufsbezeichnungen etwa bei Stellenausschreiben zu wählen. Denn immerhin sind dieser Wortvielfalt und diesem Kreationsvermögen scheinbar keine Grenzen gesetzt und nicht jeder, kennt die aktuellen Berufsbezeichnungen für normale Berufe und Jobangebote. 

Würden Sie eine Jobsuche nach CEO oder Geschäftsführer starten? Suchen Arbeitnehmer nach einem Job in der Buchhaltung oder im Accounting? Vielleicht sollte weniger darauf geachtet werden, was für Buchstaben, Worte und Sprachen auf Visitenkarten und in Jobbörsen stehen und vielmehr auf die Qualifikationen, Leistungen und Erfahrungen geachtet werden. Denn, was bringt ein Mitarbeiter, der ehemals den Titel Business Developer trug, dabei verbirgt sich lediglich ein sechswöchiges Praktikum dahinter? 

Nicht jeder Trend, nicht jeder Wandel muss mit gemacht werden. Sinnvolle und durchdachte Verwendung gängiger Berufsbezeichnungen kann sinnvoll sein, dennoch gibt es einige Unternehmen, die sich bewusst gegen das Konkurrieren, erkämpfen oder Schenken von Berufstiteln entscheiden.

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (48 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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