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Bore-out: Wenn die Arbeit vor Langeweile krankmacht

Bore-out: Wenn die Arbeit vor Langeweile krankmacht
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Christiane Peters am 21.06.2021 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Was ist ein Bore-out?
  2. Wen trifft ein Bore-out am ehesten?
  3. Das sind die Gründe für einen Bore-out
  4. So versuchen Mitarbeiter ihre Arbeitsauslastung vorzutäuschen
  5. So macht sich ein Bore-out bemerkbar
  6. So können Sie einen Bore-out bei Mitarbeitern vermeiden!
    1. Tipp 1: Berücksichtigen Sie, dass Job und Qualifikation passen!
    2. Tipp 2: Entwickeln Sie ein genaues Anforderungsprofil!
    3. Tipp 3: Seien Sie offen für Gespräche!
    4. Tipp 4: Ermöglichen Sie mehr Abwechslung bei der Arbeit!
    5. Tipp 5: Vermeiden Sie monotone Arbeitsplätze!
    6. Tipp 6: Suchen Sie den Austausch!
  7. Bore-out: Was tun?  
  8. Bore-out kostet Geld

Neben Burn-out und Mobbing geistert seit einiger Zeit nun ein neues Phänomen durch unsere Büros: Bore-out heißt diese moderne Wortschöpfung. Meistens sind es Beschäftigte in Verwaltungs- und Dienstleistungsjobs, die an dieser „Krankheit“ verzweifeln. Tendenz weiter steigend. Was bedeutet das für unsere Arbeitswelt? Wer ist schuld an dieser Entwicklung- der leidende Mitarbeiter selbst, die Kollegen oder der Vorgesetzte? Wie kann man einen Bore-out verhindern?

Was ist ein Bore-out?

Im Gegensatz zu dem weit mehr bekannten Begriff Burn-out, der eine enorme Arbeitsbelastung beschreibt, steht Bore-out (engl. Boredom) für eine krankmachende Langeweile und Unterforderung. Betroffene haben zu wenig Arbeit oder sie sind überqualifiziert und ihre Tätigkeiten bleiben weit hinter dem zurück, was sie eigentlich leisten könnten. Sie sind nicht ausgelastet, unzufrieden und antriebslos.  
 
Oftmals quält sie das Gefühl, ihre Fähigkeiten und Potenziale nicht richtig einsetzen zu können. Da sich diese Mitarbeiter selbst oft schämen und einen Jobverlust fürchten, täuschen sie häufig eine hohe Arbeitsauslastung vor. Das führt zu Stress und Erschöpfungszuständen und einer weiteren Belastung der Psyche. Die Frustration steigt.

Psychologen warnen, Bore-out nicht ernst zu nehmen. Menschen, die über einen längeren Zeitraum unter einer depressiven Stimmung leiden, die Freude an Dingen verloren haben, die früher wichtig waren, brauchen ärztliche Betreuung. Meist reicht eine ambulante Behandlung, die die psychosomatischen und psychischen Probleme löst. Bei stärkeren Fällen kann auch ein Klinikaufenthalt notwendig sein.

Wen trifft ein Bore-out am ehesten?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es in der Regel eher festangestellte und gut ausgebildete Menschen sind, die an einer Unterforderung leiden. Sie haben eine gute Stellung und verdienen gut. Mit mangelnder Motivation oder geringer Qualifikation hat dieses Phänomen also meistens nichts zu tun. Im Gegenteil - diese Menschen haben ihre Tätigkeit mit hohem Engagement begonnen und waren auch bereit, Dinge zu bewegen und zum Erfolg zu führen. Im Laufe der Zeit mussten sie jedoch feststellen, dass ihre Position nur wenig Gestaltungsspielraum bietet und eigene Aktivitäten begrenzt.

Paradox ist, dass diese Menschen nur sehr selten bereit sind, ihre nicht erfüllende Tätigkeit aufzugeben und ihren Job zu wechseln. Zu groß ist ihre Befürchtung, damit ihre Privilegien und Sicherheiten aufzugeben. Die Furcht vor einer Veränderung lähmt sie. Deshalb nehmen sie ihre unbefriedigende und psychisch belastende Situation und Unzufriedenheit in Kauf. Mit der Konsequenz, dass sie früher oder später erkranken.   
Gefährdet sind jedoch, so die Wissenschaft, auch Berufseinsteiger. Die meisten möchten nach ihrer erfolgreichen Ausbildung hoch motiviert ihrer Arbeit nachgehen. Wenn sie dauerhaft zu wenig zu tun haben, kann das zu Frust führen und im schlimmsten Fall zur Demotivation.  

Das sind die Gründe für einen Bore-out

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Unterforderung und krankhafte Langweile am Arbeitsplatz. Hier die wichtigsten:  

  • Falsche Berufswahl: Der Mitarbeiter hat Fähigkeiten und Potenziale, die in seinem ausgeübten Beruf nicht oder nur unzureichend zum Einsatz kommen.  
  • Falscher Arbeitsplatz: Die Arbeit ist nicht immer nur quantitativ zu wenig. Sie kann auch zu einfach sein und den Mitarbeiter nicht fordern. Kritisch wird es, wenn sich einfache Tätigkeiten ständig wiederholen und der Beschäftigte so gut wie keine Eigenverantwortung hat.  
  • Schlechtes Team: Menschen, die in einem Team arbeiten, in dem einige Kollegen sich gegenüber den anderen profilieren und die interessanten Aufgaben an sich ziehen, fühlen sich langfristig benachteiligt. Ihre Motivation sinkt und ihre Identifikation mit der Arbeit wird immer geringer.

So versuchen Mitarbeiter ihre Arbeitsauslastung vorzutäuschen

Einige Bore-out-Betroffene haben sogar konkrete Strategien entwickelt, um von ihrer Langeweile abzulenken und nicht aufzufallen.

Diese drei Strategien kommen häufig zur Anwendung:  

  • Strategie 1: Wenn es möglich ist, beschäftigen sie sich mit anderen unternehmensfremden Dingen, surfen im Internet und recherchieren für private Interessen. Sobald ein Vorgesetzter ins Büro kommt, öffnen sie am Bildschirm schnell ein anderes Dokument.  
  • Strategie 2: Nicht ausgelastete Mitarbeiter erledigen ihre Arbeit so schnell wie möglich, um anschließend Zeit für Privates zu haben. Sie tun jedoch so, als ob sie die nächsten Tage gutzutun hätten. Andere verteilen ihre Aufgabe über einen langen Zeitraum, obwohl sie in wesentlich kürzerer Zeit erledigt werden könnte.
  • Strategie 3: Anwendung findet auch die Burn-out-Strategie, indem Betroffene über die viele Arbeit stöhnen, die in der Realität gar nicht vorhanden ist. So signalisieren sie, dass sie keine weiteren Aufgaben übernehmen können.

So macht sich ein Bore-out bemerkbar

Die Arbeitswelt verändert sich rasant, die zunehmende Digitalisierung setzt andere Prioritäten, neue Arbeitsfelder entstehen. Nicht jeder Mitarbeiter kann sich mit der Situation arrangieren. Während einige sich motiviert den neuen Herausforderungen stellen, haben andere die Identifikation mit ihrer Arbeit längst verloren. Die Folge - Unzufriedenheit und mangelndes Engagement.

Ein einzelnes Symptom allein ist jedoch kein Indiz für einen Bore-out. Vielmehr ist es die Kombination mehrerer Symptome, die über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind. Diese Symptome lassen auf einen Bore-out bei einem Mitarbeiter schließen:

  • Distanz zu Kollegen und zur Arbeit
  • Große Erschöpfung und geringe Leistungsbereitschaft
  • Aggressivität, teilweise Wutausbrüche und wenig rationales Verhalten  
  • Verschlossenheit und Introvertiertheit, kaum Kommunikation
  • Essstörungen oder andere Süchte
  • Antriebs- und Schlafstörungen

So können Sie einen Bore-out bei Mitarbeitern vermeiden!

Als Führungskraft ist es Ihnen wichtig, dass jeder Mitarbeiter zufrieden und leistungsbereit ist und seine Aufgaben mit Engagement erfüllt. Mit konkreten Maßnahmen können Sie einen Bore-out bei Ihren Mitarbeitern verhindern.

Diese 6 Tipps helfen Ihnen, präventiv tätig zu werden:

Tipp 1: Berücksichtigen Sie, dass Job und Qualifikation passen!

Bereits bei der Einstellung eines Mitarbeiters ist darauf zu achten, dass dieser für die ausgeschriebene Stelle nicht überqualifiziert ist.

Tipp 2: Entwickeln Sie ein genaues Anforderungsprofil!

Damit jeder Mitarbeiter sich in seiner Tätigkeit entwickeln kann, empfiehlt sich eine konkrete Stellenbeschreibung für den jeweiligen Arbeitsplatz. Das verhindert spätere Enttäuschungen.

Tipp 3: Seien Sie offen für Gespräche!

Wenn Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich mitzuteilen, wenn sie unterfordert sind, fördern Sie Transparenz und Offenheit. Das führt dann dazu, dass Probleme direkt angesprochen werden und schneller eine Lösung erreicht wird.

Tipp 4: Ermöglichen Sie mehr Abwechslung bei der Arbeit!

Ein regelmäßiger Tätigkeitswechsel kann hilfreich sein. Menschen mit monotonen Aufgaben gewinnen durch eine Jobrotation mehr Sinn und Erfüllung bei der Arbeit.  

Tipp 5: Vermeiden Sie monotone Arbeitsplätze!

Ein Umfeld mit abwechslungsreichen Arbeitsplätzen führt zu mehr Motivation und Leistungsbereitschaft.

Tipp 6: Suchen Sie den Austausch!

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter stärker in die Planung einbeziehen, sie nach Ihrer Meinung fragen und Ihnen in bestimmten Situationen Lob aussprechen, fühlen sie sich mehr wertgeschätzt.

Bore-out: Was tun?  

Es muss nicht immer der Vorgesetzte sein, der bei einem Bore-out-Verdacht das Gespräch mit dem Mitarbeiter sucht. Betroffene können auch selbst aktiv werden und einen Weg aus der ausweglosen Situation finden.

Das kann man selbst tun:

  • Selbsterkenntnis: Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Reflektieren Sie Ihre tägliche Arbeit, schreiben Sie auf, was Sie konkret tun. Stellen Sie fest, was Scheinarbeit ist. Was macht Ihnen Spaß? Was langweilt Sie?
  • Eigeninitiative: Sprechen Sie Ihren Chef an und erklären Sie ihm, dass Sie aufgrund Ihrer Fähigkeiten weitere Aufgaben übernehmen möchten und dass Sie diese neben Ihrer bisherigen Tätigkeit sehr gut in Einklang bringen können. Sinnvoll ist es, wenn Sie bereits konkrete Vorschläge machen.
  • Bewerbung auf einen neuen Job: Finden Sie keine zufriedenstellende Lösung, kann die Aufgabe des bisherigen Jobs helfen, wieder mehr Sinn und Freude an der Arbeit und am Leben zu gewinnen.

Bore-out kostet Geld

Mitarbeiter, die sich in ihrem Job langweilen, unter Monotonie leiden und ihre Probleme nicht dem Arbeitgeber mitteilen, sind auch eine Belastung für das Unternehmen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben einen hohen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe festgestellt. Auch aus diesem Grund ist eine ernsthafte Beschäftigung mit diesem Phänomen wichtig.

Es gibt immer mehr Menschen, die bei ihrer täglichen Arbeit nicht überfordert, sondern unterfordert sind. Vielfach belächelt, weil die meisten eine Überlastung als größeres und ernsthafteres Problem sehen, kann ein Bore-out sich zu einer psychischen Erkrankung entwickeln. Wie oben beschrieben, gibt es Symptome, die auf einen möglichen Bore-out hinweisen. Rechtzeitig erkannt, ist es möglich, durch gezielte Maßnahmen gegenzusteuern und eine Lösung herbeizuführen.

Bild: Christiane Peters
Christiane Peters (15 Artikel)

Christiane Peters hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Geschichte studiert. Aktuell arbeitet sie als Journalistin für ein Wirtschaftsmagazin. Schwerpunkte ihrer redaktionellen Tätigkeit sind Themen aus den Bereichen New Work, Personalmanagement, Führung und Karriere. Auf karrieretipps.de kann sie ihre langjährigen Erfahrungen und ihren Blick für aktuelle Themen und Trends in der Personal- und Karriereentwicklung zur Anwendung bringen.

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