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Berufspendler: Gesundheitliche Risiken und Alternativen

Berufspendler: Gesundheitliche Risiken und Alternativen
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Anastasia Klingsiek am 25.02.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Ab wann gelten Arbeitnehmer als Pendler?
    1. Definition Pendler
  2. Warum Pendeln so viele Deutsche?
    1. Mögliche Gründe fürs Pendeln
  3. Berufspendler: Bus, Bahn oder Auto?
    1. PKW: Der Favorit unter den Pendlern
  4. Gesundheit: Pendeln zum Arbeitsplatz macht krank
    1. Expertenrat für die Gesundheit: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen 
    2. Umzug statt Pendeln: Nicht für jeden eine Alternative
  5. Pendlerarten: Alternativen zum täglichen Pendeln
    1. Wochenendpendler
    2. Flexibel Pendeln 

In Deutschland tun es 18,4 Millionen Menschen jeden Tag: Sie sind Berufspendler und zwischen Wohn- und Arbeitsort liegen einige Kilometer. Ein Arbeitsplatz in direkter Wohnnähe ist eine Seltenheit, vielleicht sogar ein Privileg. So gehört ein längerer Arbeitsweg für viele Arbeitnehmer zum Berufsalltag. Deutschland die Pendlerrepublik. Warum ist für viele Deutsche eine längere Wegstrecke zwischen Arbeit und Wohnen normal? Wie steht es um die Gesundheit von Berufspendlern und welche Alternativen bieten sich an?

Erfahren Sie hier alles rund um das Pendeln und wie sich das Hin und Her zwischen Wohnort und Arbeit auf die Gesundheit und das Privatleben auswirkt.

Ab wann gelten Arbeitnehmer als Pendler?

Sicherlich, jeder Berufstätige muss eine gewisse Strecke zur Arbeit zurücklegen. Nur in seltenen Fällen liegt der Arbeitsplatz auf der gegenüberliegende Straßenseite oder wenige Blocks weiter. Besonders in Großstädten ist es keine Seltenheit, dass öffentliche Verkehrsmittel zum Bestreiten des Arbeitswegs genutzt werden, aber gelten Sie bereits mit einem Arbeitsweg von wenigen Minuten als Pendler? 

Definition Pendler

  • Laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zählen Arbeitnehmer als Pendler, wenn diese für ihren Job regelmäßig in eine andere Gemeinde fahren. 
  • Nach der Definition des Statistischen Bundesamts gelten Berufstätige als Fernpendler, wenn diese mehr als 50 Kilometer für einen einfachen Arbeitsweg zurücklegen. 
  • Andere Seiten sprechen bereits von Pendlern, wenn der Arbeitnehmer für den Hin- oder Rückfahrt mehr als eineinhalb Stunden am Tag unterwegs sind. 

Wie Sie sehen, geht die Definition des Pendlers auseinander, doch allgemein gilt die Definition, dass Pendler Arbeitnehmer sind, die bei ihrem Arbeitsweg zwischen Wohnort und Arbeitsstätte die Grenze der Wohngemeinde überschreiten.

Warum Pendeln so viele Deutsche?

Was sind das für Menschen, die sich tagtäglich durch den Berufsverkehr kämpfen und die Strapazen über mehrere Kilometer auf sich nehmen? Warum nehmen so viele Arbeitnehmer einen langen Arbeitsweg auf sich?

In Bezug auf das Berufspendeln gibt es unzählige Fragen und vermutlich genau so viele unterschiedliche Antworten. Die Beweggründe für einen langen Arbeitsweg sind dabei vollkommen unterschiedlich. Neben den Kosten und der Umsetzung ist ein weiterer Grund für das Pendeln häufig der Wohnort außerhalb von Städten. 

Auch hohe Mieten und Kaufpreise für Wohnungen oder Häuser in den Städten drängen viele Menschen zum Leben am Rande einer Großstadt. Natürlich gibt es auch Arbeitnehmer, die ein Leben im Dorf und auf dem Land, dem in der Stadt vorziehen und dafür einen längeren Arbeitsweg auf sich nehmen.

Mögliche Gründe fürs Pendeln

  • Steigende Mieten und Immobilienpreise in den Städten.
  • Viele Menschen wohnen im Umland und müssen pendeln.
  • Wenig Arbeitsplätze in direkter Wohnnähe (Arbeitsmarktsituation).
  • Arbeitnehmer qualifizierter Jobs legen häufig einen längeren Arbeitsweg zurück, da stellen mit guter Bezahlung eher in der Stadt sind.
  • Individuelle Gründe z. B. Partner oder Kinder sind ortsgebunden (Arbeit, Schule, Freunde etc.) oder das Landleben wird vorgezogen. 

Berufspendler: Bus, Bahn oder Auto?

Nur 14 Prozent der Berufspendler nutzen den öffentlichen Personennahverkehr. Besonders in Regionen mit schlecht ausgebautem öffentlichen Verkehrsnetz bleibt Arbeitnehmern oft keine Alternative als auf Rad oder Auto umzusteigen. Nur neun Prozent der Berufstätigen nutzen für ihren Arbeitsweg das Rad und weitere neun Prozent gehen zu Fuß.

PKW: Der Favorit unter den Pendlern

Vorzugsweise entscheiden sich die Deutschen für das Pendeln mit dem Auto. 69 Prozent der Berufspendler ziehen die Fahrt mit dem PKW vor. Selbst bei einem Arbeitsweg unter fünf Kilometern setzen sich Arbeitnehmer in das Auto. 

Ganz allgemein muss gesagt werden, dass für das Pendeln erhebliche Kosten im Monat auf den Arbeitnehmer zukommen. Die Fahrt mit dem Auto zählt im Vergleich zu Bus und Bahn wahrscheinlich zur kostspieligeren Variante, denn Unterhalt, Verschleiß und Kraftstoff können monatlich mehrere hundert Euro kosten. Und sicherlich kann sich jeder Autofahrer denken, was zum Alltag der Berufspendler auf den Straßen gehört: Staus, Stress und Berufsverkehr.

Dennoch punktet der PKW mit dem Vorteil der Flexibilität:

  • Geschäftsleute, die zusätzlich viel während der Arbeit reisen, sind nicht an Fahrpläne von Bus und Bahn gebunden. 

Tipp für Ihre Gesundheit & Umwelt: 

Wenn es sich einrichten lässt, versuchen Sie doch auf Bus oder Bahn umzusteigen. Noch besser wäre es, wenn Sie für den zukünftigen Arbeitsweg das Fahrrad wählen. Bei kleineren Distanzen bietet sich das besonders in Städten an; oft sind Sie sogar schneller als andere Verkehrsmittel. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass Sie sich und Ihrer Umwelt etwas Gutes tun. Weniger Abgase und Belastungen für mehr Bewegung und Aktivität.

Gesundheit: Pendeln zum Arbeitsplatz macht krank

Studien zeigen, dass Pendler sich im Vergleich zu Arbeitnehmern mit keinem oder einem kurzen Arbeitsweg schlechter fühlen. Die Folge ist: Sie suchen häufiger einen Arzt auf und haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen

Typische gesundheitliche Beschwerden von Berufspendlern:

  • Nacken- oder Schulterschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Kopfschmerzen
  • Mattigkeit 
  • Schwindelgefühl
  • Erschöpfbarkeit 
  • Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten

Expertenrat für die Gesundheit: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen 

Die Mehrzahl der Berufstätigen pendeln mit dem Auto zur Arbeit, obwohl Bus & Bahn nicht nur finanziell günstiger, sondern auch gesundheitsförderlicher wären. Anders sieht es aus, wenn Pendler mit dem Zug oder Bus sehr lange unterwegs sind, oft umsteigen oder mit Verspätungen und Ausfällen rechnen müssen. 

  • Damit Pendler pünktlich bei ihrem Arbeitgeber ankommen, müssen sie häufig früh aufstehen und mehrere Kilometer zurücklegen.
  • Da vorzugsweise der PKW zum Pendeln genutzt wird, ist es nicht verwunderlich, dass bereits vor Arbeitsbeginn ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration gefragt ist. 
  • Ausruhen oder ein morgendliches Nickerchen vorm Arbeiten ist bei der Anreise mit dem Auto nicht gegeben.
  • Anders sieht das beim Berufspendeln in Bus und Bahn aus, dort können Arbeitnehmer nicht nur schlafen und ruhen, sondern bereits Aufgaben und Arbeit erledigen oder nacharbeiten.

Umzug statt Pendeln: Nicht für jeden eine Alternative

Ein Umzug für die Karriere kommt nur für wenige Beschäftigte infrage. Gerade einmal drei Prozent der Bevölkerung geht diesen Schritt für den Job. Weiterhin möchten viele nicht von der Familie getrennt leben, sodass ein Zweitwohnsitz in der Stadt des Arbeitgebers nur selten das richtige Mittel ist. Ein Umzug mit der ganzen Familie bedeutet eine gute Planung und Koordination, sowie einer gewissen Garantie und Sicherheit.

Trotzdem sehen viele Beschäftigte in dem Pendeln keinen Dauerzustand für die restliche Berufslaufbahn, sodass es am Ende doch heißt:

Jobwechsel oder Umzug? 

  • Lohnt sich der Umzug für den Job? 
  • Haben Sie Kinder, die aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden? 
  • Hat der Umzug mehr Vorteile als Nachteile? 

Mögliche Vorteile eines Umzugs

  • Aus gesundheitlicher Perspektive betrachtet, ist es unter bestimmten Umständen ratsam, über einen Umzug für den Job nachzudenken. 
  • Der Arbeitnehmer selbst leidet weniger unter Stress und körperlichen Beschwerden aufgrund von langen Wegzeiten. 
  • Weiterhin schwindet das Risiko von seelischen Beschwerden und familiäre Schwierigkeiten, die durch den Arbeitsweg begünstigt wurden.

Pendlerarten: Alternativen zum täglichen Pendeln

Der größte Teil der Berufspendler nimmt die Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte täglich auf sich. Tag für Tag ein Plus an Hektik, Stress und Zeitverlust, neben der generellen Anspruch an Leistung und Herausforderungen am Arbeitsplatz und den festgesetzten Arbeitsstunden. Aber es gibt auch andere Arten des Pendler-Daseins.

Wochenendpendler

Unter der Woche wohnen diese Arbeitnehmer am Arbeitsort, erst am Wochenende fahren sie zu ihrem tatsächlichen Wohnort, was oft auch heißt, dass sie nur am Wochenende ihre Familie sehen. Besonders für die Gesundheit und auf Dauer auch für Karriere und Sozialleben birgt diese Art des Pendelns ein gewisses Risiko. 

Haben Wochenendpendler Vorteile?

Das Wochenende fällt, anders als vielleicht vermutet, dem Pendeln zum Opfer. Immerhin mach sich der Wochenendpendler in der Regel Freitagnachmittags auf den Heimweg zu seinem tatsächlichen Wohnort. Je nach Wegstrecke kommt dieser erst in den Abendstunden oder in der Nacht zu Hause an. Am Samstag benötigt der Berufstätige häufig Erholung und Ruhe von der langen Rückfahrt. 

Bereits am Sonntag muss der Wochenendpendler wieder die Fahrt zum Arbeitsort antreten; so bleiben ihm effektiv ein Tag bis eineinhalb Tage ohne Stress und Hektik in der Arbeitswoche. Sicherlich gibt es Arbeitnehmer, die diese Variante gut unter einen Hut kriegen, sodass weder Gesundheit noch Privatleben darunter leiden. 

Flexibel Pendeln 

Sicherlich ist das eine Variante, die nicht die Mehrheit der Berufspendler betrifft. Jedoch gibt es Arbeitnehmer, insbesondere Geschäftsleute, die aufgrund ihrer Arbeit in mehreren Städte in der Woche anwesend sein müssen. Bei gewisser Regelmäßigkeit und den entsprechenden finanziellen Möglichkeiten besitzen zum Beispiel Manager mehrere Wohnungen an verschiedenen Standroten.

So kann der eigentliche Wohnsitz in München sein, jedoch gibt es zwei weitere Wohnungen in Berlin und Köln. Dadurch pendeln diese Beschäftigten nicht nur zwischen einem Wohnort und dem Arbeitgeber, sondern gleich zwischen mehreren Wohnsitzen und den Arbeitsplätzen. 

Ist das flexible Pendeln zwischen mehrere Wohnorten vorteilhaft?

Ob diese Art des Pendelns vorteilhaft ist oder nicht, hängt sicherlich stark von der Persönlichkeit und den privaten Lebensumständen des Arbeitnehmers ab. Es besteht die Gefahr, dass sich der Beschäftigte nirgendwo wirklich zu Hause fühlt, besonders wenn es keine Familie gibt, die einem das Gefühl von Heimat vermittelt. 

Weiterhin besteht einerseits mit einer Familie die Gefahr, dass die Beziehung von Partner und Kindern leidet, anderseits wird eine feste Lebensstruktur für die Kinder garantiert.

Pendeln kann krank machen: Sicherlich bedeutet das nicht, dass sich alle Berufspendler einen neuen Berufssitz suchen müssen. Jedoch sollten Sie sich als Pendler den Arbeitsweg so erträglich wie möglich machen. Falls für Sie das Pendeln kein Problem darstellt, sollten Sie sich dennoch hin und wieder fragen, wie lange die Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsplatz noch gut geht. Führen Sie sich regelmäßig vor Augen, wofür Sie diesen Weg auf sich nehmen und ab wann Alternativen sinnvoll sind. Das Team von karrieretipps.de wünscht Ihnen starke Nerven und Geduld für den Arbeitsweg!

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (48 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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