- Auslandsaufenthalt wird von vielen Führungskräften erwartet
- China-Erfahrungen als Karriere-Katalysator
- Aktive Expatriates-Gemeinde und hoher Grad an Gastfreundlichkeit
- Variantenreichtum der chinesischen Küchen immens
- China hat touristisch so einiges zu bieten
- China stellt Expatriates vor schwierige Probleme
- Unbefriedigende Wohnsituation für Millionen von Bürgern
- Smog und Feinstaub prägen die Luft der Metropolregionen
- Nur eine Minderheit spricht fließend Englisch
- Einschränkungen beim Internet und schwaches Gesundheitssystem
Mehr und mehr Deutsche entscheiden sich dafür, nicht nur vorübergehend, sondern gleich dauerhaft in andere Länder auszuwandern. Dabei hat besonders China in den vergangenen Jahren an Attraktivität gewonnen. Zwar sind es immer noch nur knapp 25.000 Deutsche, die jährlich nach China emigrieren, doch ist die Zahl stark angestiegen. Dies hat vielfältige Gründe, die in diesem Artikel beleuchtet werden. Was zieht Arbeitnehmer nach China und vor welchen Schwierigkeiten stehen sie bei der Organisation und im Alltag? Kurzum: In China leben und arbeiten - wie ist das?
Auslandsaufenthalt wird von vielen Führungskräften erwartet
In Zeiten der Globalisierung spricht einiges dafür, sich mit dem Auswandern zu beschäftigen, da sich die internationalen Lohnniveaus angleichen, die Umzugskosten sinken, das Internet neue Arbeitsmöglichkeiten schafft und dadurch zahlreiche Optionen des Arbeitens im Ausland bestehen. Außerdem steigt besonders in Führungspositionen die Erwartungshaltung an die entsprechenden Arbeitnehmer, zumindest einen Teil der Karriere im Ausland verbracht zu haben. China besticht dabei vor allem aufgrund der folgenden Aspekte:
- Wirtschaftskraft
- Gastfreundlichkeit
- Kulinarik
- Tourismus
- Sprache und Verständigung
China hat sich zu einer Weltmacht in wirtschaftlicher Hinsicht gemausert und steht kurz davor, die Vereinigten Staaten von Amerika hinsichtlich des Brutto-Inland-Produkts zu überholen. Dazu trägt nicht zuletzt das ambitionierte Prestigeprojekt "One Belt, one Road" bei, mittels dessen China für eine neue wirtschaftliche Weltordnung sorgen möchte. Umfangreiche Investitionen entlang der früheren Seidenstraße sowie eine Route über das Festland in Richtung Europa sollen eine neue wirtschaftliche Balance auf dem Globus schaffen, in dem China in erster Reihe Regie führt. Heerscharen internationaler Großunternehmen besitzen zudem in China eine Niederlassung. Mit Städten wie zum Beispiel der Hafenstadt Shanghai, der früheren britischen Kronkolonie Hong Kong, dem politischen Zentrum Peking sowie der dynamischen, aufstrebenden Stadt Shenzhen oder der nahe Shenzhen gelegenen Wirtschaftsmetropole Guangzhou bieten sich Arbeitssuchenden umfassende Gelegenheiten, eine passende Stelle zu finden.
China-Erfahrungen als Karriere-Katalysator
Auf privater Ebene kann eine Arbeitserfahrung in China daher als Karriere-Katalysator dienen. Mit knapp 1,4 Milliarden Einwohnern und potenziellen Konsumenten ist China ein gigantischer Absatzmarkt für deutsche Unternehmen, rangiert laut Daten des Statistischen Bundesamts sogar vor Frankreich und den Vereinigten Staaten, wenn man Exporte und Importe aufsummiert. Wer weiß, wie mit Chinesen Geschäfte eingefädelt werden, wird daher in deutschen Unternehmen gerne gesehen. Zwar gilt China nicht als das beliebteste Land unter Expatriates, oftmals kurz Expats genannt, doch wird es allemal als sehr interessant wertgeschätzt. Ein umfangreiches berufliches Kontakte-Netzwerk zu pflegen, trägt hierzu entscheidend bei.
Aktive Expatriates-Gemeinde und hoher Grad an Gastfreundlichkeit
Dies hängt unmittelbar mit der Gastfreundlichkeit der chinesischen Bevölkerung zusammen. Viele Chinesen erfreuen sich über lebhafte Diskussion mit im Westen ausgebildeten Menschen und es ist Tradition in China, einen Gast in der eigenen Heimatstadt sorgsam zu versorgen. Ausländer werden respekt- und vertrauensvoll behandelt und in die Kulturen des Landes aufgenommen. Gleichwohl verlangt das Leben und Arbeiten in China die Akzeptanz der Grundwerte Chinas, die sich weit mehr über persönliche Kontakte definieren als dies in Deutschland der Fall ist. Auch die Expatriates-Gemeinden in China sind sehr aktiv und sorgen für Vernetzung mit anderen Expatriates vor Ort, zumeist gestützt von den Handelskammern.
Variantenreichtum der chinesischen Küchen immens
Ebenso nimmt das Essen eine bedeutende Rolle ein. Für das Gros der Chinesen sind die Einnahmen von Frühstück, Mittagessen und Abendessen zentral im Tagesablauf. Besonders in Großstädten sind exquisite Restaurants nie fern und ein Besuch dieser gilt mitunter als Statussymbol. Die Kulinarik der chinesischen Küche ist divers wie in kaum einem anderen Land der Welt. Je nach Region in China variieren die Einflüsse, doch sind sie oft von Seafood geprägt. Von scharfer Küche aus Chengdu über Nudel-geprägte Gerichte aus Shanghai bis hin zu Seafood und Dim Sum in Hong Kong bietet Chinas Küche eine extreme Vielfalt.
China hat touristisch so einiges zu bieten
Ferner ist China ein beeindruckendes und begeisterndes Reiseland. Neben der Chinesischen Mauer, der Terrakotta-Armee nahe Xi'an, der Skyline von Hong Kong oder den Vergnügungsparks in Shanghai hat China landschaftlich unfassbar schöne Strukturen zu bieten. Viele davon sind in Deutschland gemeinhin unbekannt, doch begeistern sie seit jeher Reisende, die sich ins Land der Mitte aufmachen. Von dynamischen Metropolen zu himmlischen Naturwundern, von kühlen, kahlen Wüstenregionen zu tropischen, dicht besiedelten Flächen ist für jeden Geschmack etwas dabei.
China stellt Expatriates vor schwierige Probleme
Dennoch ist in China nicht alles Gold, was glänzt. So stellt das asiatische Land Expatriates und ihre Familien auch vor zum Teil arge Probleme. Vor allem die folgenden Aspekte machen den Bewohnern Chinas das Leben schwer:
- Wohnsituation
- Umwelt
- Sprachbarrieren
- Internetzensur
- Gesundheitssystem
- Lebensmittelqualität
- Bürokratie
- juristische Willkür
Unbefriedigende Wohnsituation für Millionen von Bürgern
China treibt die Urbanisierung wie kein zweites Land auf der Welt voran. Hochhäuser türmen sich insbesondere in den Metropolen und bieten Immobilien-Spekulanten horrende Profite. Da Wohnraum knapp, aber die Nachfrage hoch ist, müssen selbst für kleinste Apartments Mietpreise gezahlt werden, die fernab von Gut und Böse liegen. Normalen Arbeitnehmern bleiben mit ihren Familien dadurch oftmals nur kleinste Wohnungen. Zusammengezogen wird in aller Regel erst zur Hochzeit, da sich die Paare vorher keine eigene Wohnung leisten können. Stellt das chinesische Unternehmen keinen Wohnraum bereit, treffen Expatriates bei der Wohnungssuche häufig auf das erste massive Problem.
Smog und Feinstaub prägen die Luft der Metropolregionen
China hat außerdem wie kein zweites Land mit den Folgen der Urbanisierung zu kämpfen. Industrie- und Verkehrsabgase sammeln sich in den Metropolregionen als gräulich-gelber Schleier, der die Städte einhüllt. Häufig sind Atemwegsprobleme oder Erkrankungen die Folge für neu Zugezogene. Zwar beschäftigt sich die chinesische Politik intensiv mit diesem Problem und möchte beispielsweise durch Elektro-Automobil-Quoten Abhilfe schaffen, doch steht der Erfolg dieser Maßnahmen bis dato in den Sternen.
Nur eine Minderheit spricht fließend Englisch
Ein weiteres essentielles Problem ist die Beherrschung der Landessprache: Mandarin oder Kantonesisch lassen sich nicht von heute auf morgen lernen und lediglich verhältnismäßig gut ausgebildete Chinesen sprechen fließend Englisch. Gerade im alltäglichen Leben, ob an der Kasse im Supermarkt oder bei der Bestellung des Essens im Restaurant, führt dies manchmal zu unüberwindlichen Sprachbarrieren. Es lohnt sich, vor dem Umzug nach China die chinesische Sprache zu erlernen, um dem vorzubeugen.
Einschränkungen beim Internet und schwaches Gesundheitssystem
Weitere kritische Aspekte in China sind die Zensur des Internets, welche zur Folge hat, dass Webseiten wie beispielsweise facebook, WhatsApp oder Google Mail nicht erreichbar sind, oder der schwache und oft überteuerte wie überforderte Gesundheitssektor, der mit westlichen Standards nicht vergleichbar ist. Auch die Lebensmittelqualität ist nicht überall gewährleistet, sodass Vorsicht beim Einkauf gilt, um nicht gefälschte oder giftige, gespritzte Ware zu kaufen. Ebenso sorgen Bürokratie und juristische Willkür immer wieder für skurrile Entscheidungen, die mit unserem Rechtsverständnis nicht vereinbar sind. Verkehrsunfälle werden zum Beispiel via Barzahlung an den Polizisten noch am Ort des Geschehens abgegolten oder fragwürdige Visa-Entscheidungen getroffen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass China ein buntes, vielfältiges, enorm wirtschaftsstarkes, ausländerfreundliches und umgängliches Land ist, das gerade für Expatriates zahlreiche Reize bietet. Neben all der Vorteile gilt es allerdings auch die Nachteile des Auswanderns nach China anzusprechen. Wer in China lebt und arbeitet, muss mit schwächeren Vertragspaketen, Umweltverschmutzung, einer fremden Sprache, unterschiedlicher Schulbildung, einem schlechteren Standard im Gesundheitssystem, Bürokratie und vielem mehr klarkommen.