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Abwerben von Mitarbeitern: Do’s and Don'ts im Wettbewerb!

Do’s and Don'ts im Wettbewerb!
© Alexander Supertramp | shutterstock.com
Lillia Seifert am 14.09.2020 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Abwerben von Mitarbeitern – was genau bedeutet das?
  2. Wettbewerbsrechtliche Grenzen: Hier droht Schadensersatz!
    1. Was bedeutet wettbewerbswidrig?
  3. Abwerben von Mitarbeitern: Vorteile und Nachteile!
    1. Die Vorteile des Abwerbens von Mitarbeitern
      1. 1. Vorteil: Win-win-Situation
      2. 2. Vorteil: Gesteigerte Produktivität
      3. 3. Vorteil: Umverteilung von Ressourcen
      4. 4. Vorteil: Gesteigerte Verkaufszahlen und Erträge
    2. Die Nachteile des Abwerbens von Mitarbeitern:
      1. 1. Nachteil: Ethische Werte
      2. 2. Nachteil: Imageverlust
      3. 3. Nachteil: Schadensersatz
    3. Mitarbeiter abwerben: Do’s and Don'ts im Wettbewerb!
      1. 1. DO: Professionelles Vorgehen
      2. 2. DO: Freundliches Auftreten
      3. 3. DON'T: Entscheidungen erzwingen
      4. 4. DON'T: Aufdringliches Verhalten
    4. Wie Sie Ihre Mitarbeiter vor der Konkurrenz schützen können!

Der Fachkräftemangel führt dazu, dass immer mehr Firmen Mitarbeiter konkurrierender Unternehmen abwerben. Daher müssen Sie als Arbeitgeber selbstverständlich damit rechnen, dass ein Wettbewerber versucht, einen Ihrer talentierten Angestellten für sich zu gewinnen. Doch ist es überhaupt erlaubt, Talente von Konkurrenten abzuwerben? Wann drohen strafrechtliche Konsequenzen? Und wie kann das Abwerben von Mitarbeitern fair gelingen? Im Folgenden finden Sie wichtige Informationen, Vorteile und Nachteile sowie Do’s and Don'ts im Wettbewerb um Mitarbeiter!

Abwerben von Mitarbeitern – was genau bedeutet das?

Das Abwerben von Mitarbeitern meint nichts anderes, als Mitarbeiter der Konkurrenz zu „klauen“ und im eigenen Unternehmen einzustellen. In Branchen, die von einem starken Fachkräftemangel geprägt sind sowie in weltweiten Großunternehmen wird dies häufig offensiv und aggressiv praktiziert. Daher kann das Abwerben von besonders talentierten Arbeitnehmern im Wettbewerb bereits als eine Recruitingstrategie bezeichnet werden.

Doch ist es überhaupt zulässig, Mitarbeiter abzuwerben, und wann gilt die Methode als wettbewerbswidrig?

Wettbewerbsrechtliche Grenzen: Hier droht Schadensersatz!

Die gute bzw. schlechte Nachricht ist: Grundsätzlich ist das Abwerben von Mitarbeitern erlaubt. Unter Betrachtung bestimmter Umstände oder des Einsatzes unlauterer Mittel kann die Strategie jedoch wettbewerbswidrig sein und daher im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen haben.

Was bedeutet wettbewerbswidrig?

Wettbewerbswidrig ist das Verhalten eines konkurrierenden Unternehmens, welches für den betroffenen Marktteilnehmer durch Täuschung oder Bedrängung einen negativen Einfluss auf den Leistungswettbewerb und auf die Kaufentscheidung eines Kunden hat. Unrechtmäßig sind folglich alle Handlungen, welche das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) oder das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) missachten.

Zu den wettbewerbswidrigen Handlungen, die einen Anspruch auf Schadensersatz für den betroffenen Marktteilnehmer mit sich bringen können, gehören beispielsweise:

  • Mitarbeiter vorsätzlich abwerben, mit dem Zweck der Leistungsfähigkeit des Marktteilnehmers zu schaden oder geheime Daten zu sammeln.
  • Mithilfe negativer oder irreführender Aussagen Angestellte des Wettbewerbers zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses zu bringen.
  • Mitarbeiter eines konkurrierenden Unternehmens zum Vertragsbruch oder zur Kündigung animieren, wie etwa durch eine angebotene Übernahme möglicher finanzieller Konsequenzen der spontanen Vertragsauflösung.

Abwerben von Mitarbeitern: Vorteile und Nachteile!

Jedes Unternehmen ist auf der Suche nach möglichst talentierten Angestellten. Wenn die herkömmliche Akquise jedoch nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann es hilfreich sein, sich auch einmal bei Wettbewerbern umzuschauen. Lässt man etwaige unlautere Mittel zum Abwerben von Mitarbeitern der Konkurrenz außer Acht, ergeben sich allgemeine Vor- und Nachteile. Hier finden Sie nun die wichtigsten Vorteile und Nachteile, damit Sie sich selbst ein Bild von der Recruitingstrategie machen können.

Die Vorteile des Abwerbens von Mitarbeitern

1. Vorteil: Win-win-Situation

Wann immer ein Unternehmen sich dazu entschließt, den Mitarbeiter eines Marktteilnehmers abzuwerben, ist es vorteilhaft, wenn davon beide Seiten profitieren. Das Abwerben ist in diesem Fall eher als die Übertragung von Wissen und Kompetenz eines talentierten Angestellten in ein wachsendes und erfolgreichen Unternehmen zu sehen. Wenn der qualifizierte Mitarbeiter in seinem neuen Job bessere Arbeitsbedingungen wie etwa ein höheres Gehalt hat, dann bedeutet das Abwerben vermutlich eine echte Win-win-Situation.

2. Vorteil: Gesteigerte Produktivität

In der heutigen Zeit müssen Unternehmen mit starker Konkurrenz umgehen können, denn Wettbewerb herrscht überall auf dem Markt. In allen Firmen, die weniger produktiv im Vergleich zu ihren Konkurrenten sind, ist es besonders hilfreich, talentierte Mitarbeiter auf dem Markt abzuwerben. Durch die neuen Talente erhöhen sich womöglich die Verkaufszahlen sowie die allgemeine Ertragsfähigkeit.   

3. Vorteil: Umverteilung von Ressourcen

Das Abwerben von Mitarbeiter bedeutet zum einen, sich der Konkurrenz gegenüberzustellen und den Profit des eigenen Unternehmens zu maximieren. Insbesondere wenn weniger erfolgreiche Unternehmen Mitarbeiter von besonders ertragreichen Firmen abwerben, dann bedeutet dies eine gesunde Umverteilung von Arbeitskraft, und beide Teilnehmer können weiterhin am Markt überleben.

4. Vorteil: Gesteigerte Verkaufszahlen und Erträge

Der Wettbewerb zwischen Unternehmen ist groß und der Wunsch danach Marktführer zu sein wächst mit der Konkurrenz. Es kann hart sein, sich gegen andere Marktteilnehmer im Kampf um Kunden und den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen durchzusetzen, insbesondere wenn es an qualifizierten Mitarbeitern mangelt.

Der Fachkräftemangel erschwert die Suche nach Talenten, daher ist das Abwerben von Mitarbeitern in einigen Branchen unerlässlich, um den Erfolg des eignen Unternehmens zu sichern. Somit kann die Strategie unter fairen Bedingungen zu gesteigerten Verkaufszahlen und einem höheren Umsatz führen.

Die Nachteile des Abwerbens von Mitarbeitern:

1. Nachteil: Ethische Werte

Ganz davon abgesehen, dass das Abwerben von Mitarbeitern der Konkurrenz unter bestimmten Bedingungen rechtswidrig ist, sind auch ethische Werte zu beachten. Gefährlich wird es erst dann, wenn der ehemalige Arbeitgeber den Mitarbeiter verklagt und dieser sich im schlimmsten Fall vor Gericht für den Wechsel zum Wettbewerber rechtfertigen muss.

2. Nachteil: Imageverlust

Falls Sie in Betracht ziehen, einen Angestellten des konkurrierenden Unternehmens abzuwerben, sollten Sie diese Entscheidung gut überdenken. Auch als Angestellter können böse Konsequenzen entstehen, wenn der ehemalige Arbeitgeber sich übergangen fühlt. So kann dieser beispielsweise Rechtsvorschriften wirksam machen, die es dem Arbeitnehmer verbieten, in einem gewissen Zeitraum bei dem neuen Arbeitgeber anzufangen. Außerdem kann die Suche nach neuen Jobs in der Zukunft erschwert sein, wenn der Ex-Arbeitgeber den Namen des Angestellten bei der Konkurrenz schlecht macht.

3. Nachteil: Schadensersatz

Wie bereits erwähnt kann im schlimmsten Fall eine Wettbewerbswidrigkeit bestehen, die Zahlungen des Schadensersatzes zur Folge hat. Dies kann dann passieren, wenn ein Mitarbeiter vertrauliche Informationen oder Kunden stiehlt. Sobald ihm auf die Schliche gekommen wird, kann es sein, dass der Arbeitnehmer sogar seinen neuen Job verliert und schließlich arbeitslos ist, sich zudem vor Gericht verantworten muss und ihn hohe Geldstrafen erwarten.

Mitarbeiter abwerben: Do’s and Don'ts im Wettbewerb!

Mit fairen Mitteln kann die Strategie des Abwerbens sowohl für Sie als auch für Ihren abgeworbenen Mitarbeiter einen echten Karriere-Push bedeuten. Falls Sie sich dafür entscheiden, einen Mitarbeiter der Konkurrenz abzuwerben, sollten Sie einige Do’s and Don'ts beachten, um ethisch zu handeln und mögliche negative Konsequenzen zu vermeiden.

1. DO: Professionelles Vorgehen

Der Kerngedanke des Abwerbens von Mitarbeitern ist, sich neue Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen zu sichern, die dieses mit ihren Fähigkeiten bereichern. Dabei müssen Sie den potenziellen neuen Angestellten von sich und Ihrem Unternehmen überzeugen. Das sollten Sie möglichst fair und ehrlich angehen, indem Sie die richtige Nachricht übermitteln und gute Jobbeschreibungen formulieren.

Sie sollten den möglichen neuen Angestellten auf keinen Fall zwingen oder überreden, in Ihrem Unternehmen tätig zu werden. Versuchen Sie, ihn mit Beispielen anderer Mitarbeiter in ähnlichen Positionen zu überzeugen. Zeigen Sie ihm zudem eventuelle langfristige Karrieremöglichkeiten auf.
Die richtige Herangehensweise ist hier entscheidend, denn falsche Versprechungen oder Überredungsstrategien ziehen meist negative Konsequenzen nach sich. Der zukünftige Mitarbeiter sollte selbst fest davon überzeugt sein, dass er in Ihrem Unternehmen besser aufgehoben ist.

2. DO: Freundliches Auftreten

Neben dem professionellen Vorgehen ist auch ein freundliches und ehrliches Auftreten notwendig. Denken Sie daran, dass der neue Mitarbeiter bereits auf einem hohen Level gearbeitet hat und vermutlich glücklich in seinem Job war. Außerdem kann es sein, dass er sich schlecht fühlt durch den Jobwechsel, daher sollten Sie ihn besonders freundlich willkommen heißen.

Falls Sie beispielsweise ein Jobprofil auf LinkedIn oder XING sehen, welches Ihnen gut gefällt, dann sollten Sie dem Kandidaten freundlich mitteilen, dass Sie sich sehr über ein persönliches Kennenlernen freuen würden. Im Zuge dessen können Sie über eine eventuelle Anstellung in Ihrem Unternehmen und mögliche Positionen reden.  

Eine freundliche und ehrliche Art ist sehr wichtig, wenn Sie einen Mitarbeiter abwerben möchten, – vermitteln Sie den Eindruck eines offenen, netten Unternehmens, in dem man seine Meinung frei und ungezwungen äußern kann.

3. DON'T: Entscheidungen erzwingen

Wie bereits erwähnt, ist absolut davon abzuraten, den Mitarbeiter eines Wettbewerbers dazu zu überreden oder womöglich zu zwingen, Ihrem Unternehmen beizutreten. Häufig lassen sich aggressive und offensive Strategien auf dem Arbeitsmarkt bemerken, die letztlich nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

Sie sollten sich klar machen, dass es darum geht, einen qualifizierten und talentierten Mitarbeiter auf freiwilliger Basis für sich zu gewinnen. Wenn Sie zu dominant vorgehen, werden Sie Schwierigkeiten haben, dieses Ziel zu erreichen.

4. DON'T: Aufdringliches Verhalten

Wenn Sie auf der Suche nach potenziellen Kandidaten sind, kann es sein, dass Sie sich zu sehr auf die Strategie des Abwerbens versteifen. Das heißt, wenn ein möglicher neuer Mitarbeiter nicht interessiert ist, dann sollten Sie dies unbedingt akzeptieren.
Am Ende des Tages ist es die Entscheidung des Mitarbeiters, ob er in Ihr Unternehmen wechseln möchte oder weiterhin in seinem alten Job bleibt. Werden Sie unter keinen Umständen aufdringlich, sondern respektieren Sie die Entscheidungskraft des Kandidaten und begeben Sie sich wieder auf die Suche.

Wie Sie Ihre Mitarbeiter vor der Konkurrenz schützen können!

Anstatt sich auf Möglichkeiten zu konzentrieren, wie Sie Mitarbeiter vorm Abwerben durch die Konkurrenz schützen können, sollten Sie lieber Strategien entwickeln, wie Sie Ihre Angestellten an sich und Ihr Unternehmen binden können. Wir haben einige hilfreiche Tipps zusammengestellt, wie Sie die Mitarbeiterbindung erfolgreich stärken können:

  1. Gehalt: Bieten Sie Ihrem Angestellten ein konkurrenzfähiges Gehalt, dass es Ihm schwer macht, den Job aufzugeben. So fühlt er sich zudem wertgeschätzt und arbeitet vermutlich noch produktiver und zufriedener.
  2. Karriere: Geben Sie Ihrem Mitarbeiter die Möglichkeit, die Karriereleiter zu erklimmen und beruflich zu wachsen, sonst kann es sein, dass er sich bei der Konkurrenz nach Aufstiegsmöglichkeiten umschaut.
  3. Kommunikation: Vermitteln Sie Ihrem Angestellten das Gefühl, dass seine Stimme zählt und er sämtliche Anliegen oder Wünsche offen kommunizieren kann. Zeigen Sie sich zudem als nahbarer und loyaler Vorgesetzter.
  4. Motivation: Geben Sie Ihrem Mitarbeiter zu Verstehen, dass er essenziell für Ihr Unternehmen ist und, dass seine Arbeit unverzichtbar ist. Loben und belohnen Sie ihn hin und wieder, – das steigert die Arbeitsmotivation erheblich.
  5. Work-Life-Balance: Sie sollten für sich und Ihr Team ein angenehmes Arbeitsklima schaffen, genug Freiheiten bieten und ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Privatleben und Beruf fördern.  

Das Abwerben von Mitarbeitern wird häufig in aggressiver und offensiver Weise vorgenommen, allerdings ist es unter bestimmten Bedingungen völlig zulässig und legal. Mit unseren Vorteilen und Nachteilen konnten Sie sich selbst ein Bild von der Recruitingstrategie machen. Zudem können Sie nun, mit Blick auf die von uns aufgestellten Do’s and Don'ts im Wettbewerb, unter fairen Bedingungen qualifizierte Talente anderer Marktteilnehmer für Ihr Unternehmen gewinnen.

Bild: Lillia Seifert
Lillia Seifert (21 Artikel)

Lillia Seifert hat Anglistik und Soziologie studiert und befindet sich derzeit im Masterstudium der Interdisziplinären Medienwissenschaft an der Universität Bielefeld. Sie veröffentlichte bereits eigene Texte und arbeitete als Social Media Managerin. Mit ihren Kenntnissen aus den verschiedenen Bereichen gelingt ihr das multiperspektivische Arbeiten mit Themen besonders gut. Auf karrieretipps.de kann sie ihre Kompetenzen im kreativen Umgang mit informativen Texten ideal einsetzen.

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