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Abschied vor Jobantritt: Bewerber lassen Unternehmen ins Leere laufen

Abschied vor Jobantritt: Bewerber lassen Unternehmen ins Leere laufen
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Anastasia Klingsiek am 17.01.2019 | 0 Kommentare
Inhalt:
  1. Ghosting im Job: Bessere Angebote, kein Interesse 
  2. Wie genau sieht das Geistern im Job aus?
    1. Formen des Job-Ghosting in der Übersicht:
  3. Warum können Bewerber so wählerisch sein?
    1. Grund 1: Gute Arbeitsmarkt Situation in Deutschland
    2. Grund 2: Persönlichkeit & Charakterstärke 
    3. Grund 3: Eine Art Rache an die Unternehmen
  4. Welche Folgen hat das Job-Ghosting für den Bewerber?
  5. Welche Folgen hat das Geistern für Unternehmen?

Es gehört sicher nicht zum guten Umgang, besonders höflich ist es auch nicht: In unangenehmen Situationen die Biege machen. Sich still und heimlich verkrümeln. So zum Beispiel bei einem miesen Date. Immerhin sieht man die Person doch sowieso nie wieder, wieso also die Entscheidung rechtfertigen? Für den Flüchtigen scheint es eine akzeptable Gelegenheit, für das Date, verständlicherweise, vollkommen unangebracht. Aber dieses Szenario ist auch immer wieder bittere Realität im Berufsleben...

Ghosting im Job: Bessere Angebote, kein Interesse 

Bessere Angebote, keine Lust mehr, Zusage zum Vorstellungsgespräch ignorieren: In den USA wird dieses Verhalten von Arbeitnehmern, als Job-Ghosting bezeichnet. Es steht für das Herumgeistern vermeintlicher Arbeitnehmer, Bewerber und Interessenten einer Arbeitsstelle. Die Bewerber waren nie wirklich im Unternehmen vor Ort und sind trotzdem wie vom Erdboden verschluckt.

Oft handelt es sich nicht um Aushilfskräfte, sondern um qualifizierte Arbeitskräfte. Arbeitgeber und Personaler stehen am ersten Arbeitstag des vermeintlich neuen Mitarbeiters vor dem Nichts, vor einem leeren Schreibtisch. Das große Erwachen: Bevor das Arbeitsverhältnis überhaupt begonnen hat, wurde es bereits beenden. Und das ohne den Arbeitgeber über diese Entscheidung zu informieren. Keine E-Mail. Kein Anruf. Keine Rückmeldung. Keine Entschuldigung.

Auch in Deutschland gibt es Arbeitnehmer, die einem zugesagten Bewerbungsgespräch nicht nach kommen und den ersten Arbeitstag nicht antreten. Aber nicht nur das Fehlen am ersten Arbeitstag ist eine Form des Job-Geisterns.

Wie genau sieht das Geistern im Job aus?

Das Geistern im Berufsleben kann in verschiedenen Formen vorkommen. Allgemein ist darunter ein Bewerber oder scheinbarer Arbeitnehmer zu verstehen, welcher einem Angebot verbindlich zu stimmt, dieses aber nicht wahrnimmt. So erscheinen einige Bewerber ohne Absage nicht zu einem vereinbarten Bewerbungsgespräch, andere benötigen Bedenkzeit und antworten nie wieder. Sogar potenzielle Arbeitnehmer treten trotz Zusage und Arbeitsvertrag den ersten Arbeitstag nicht an. 

Die extremste Variante vom Job-Ghosting ist sicherlich, ein Jobangebot anzunehmen, einige Zeit zur Arbeit zu kommen, um dann plötzlich zu verschwinden. Ohne jegliche Begründung. Ohne Rückmeldung.

Natürlich gibt es dieses Verhalten auch von anderer Seite: Einige Unternehmen sehen sich nicht in der Pflicht, Bewerber über eine Absage in Kenntnis zu setzen. Bis diese nach Wochen oder sogar Monate der Ungewissheit auf der Webseite des Unternehmens ein neues Gesicht aufblitzen sehen. An der Stelle, wo sie ihr eigenes Foto gewünscht hätten. In der Position, auf die sie sich beworben haben, ohne eine Absage oder Rückmeldung seitens des Unternehmens.

Formen des Job-Ghosting in der Übersicht:

  • Ohne Absage nicht zu einem verbindlichen Bewerbungsgespräch erscheinen.
  • Auf konkrete Jobangebote nicht zurückmelden.
  • Keine Rückmeldung nach gewährter Bedenkzeit über Arbeitsverhältnis/ Jobangebot.
  • Ein Jobangebot annehmen, dann nicht am ersten Arbeitstag erscheinen (ohne Entschuldigung, Rückmeldung).
  • Eine Zeit lang im neuen Job arbeiten, um dann ohne Informationen zu verschwinden.

Warum können Bewerber so wählerisch sein?

Für dieses unprofessionelle Verhalten gibt es mehrere Gründe. So kann mangelnde Sozial- und Entscheidungskompetenz der Auslöser und die Begründung für unbeantwortete E-Mails und offene Rückmeldungen sein. Immer häufiger bewerben sich potenzielle Arbeitnehmer auf mehrere offene Stellen. Anschließend entscheiden sie sich für das bessere Angebot, auch wenn dieses erst nach einer Zusage bei einem anderen Arbeitgeber eintrudelt. 

Dadurch geht die Risikobereitschaft einiger Bewerber soweit, dass selbst ein unterschriebener Arbeitsvertrag kein Hindernis ist, um sich noch vor dem Jobantritt, vom neuen Arbeitgeber zu verabschieden.

Grund 1: Gute Arbeitsmarkt Situation in Deutschland

Die Jobvielfalt und Auswahl an verschiedenen Angeboten liegt der guten Arbeitsmarktsituation zugrunde: Ende 2018 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei 4,3 Prozent, so niedrig wie seit 1991 nicht mehr. Diese Bedingungen ermöglichen qualifizierten Bewerbern oft die Auswahl zwischen mehreren Zusagen. Logische Konsequenz: Das passende Angebot wird gewählt.

Grund 2: Persönlichkeit & Charakterstärke 

Aber, dann wäre eine wahrheitsgemäße Rückmeldung an den bereits zugesagten Arbeitgeber doch das geringste Problem, oder? 

Scheinbar, stellt diese verzögerte Absage des Bewerbers nach einer Zusage gegenüber dem Arbeitgeber eine große Hürde da. Aus psychologischer Sicht könnte dies auf fehlendes Konfliktpotenzial zurückzuführen sein. So fürchten sich die Betroffenen vor der Ablehnung und negativen Reaktion des Gegenübers. Deshalb entscheiden sich viele Bewerber für einen Abgang mit Stillschweigen. Geringe Charakterstärke und die persönliche Einstellung zu dem Verhalten spielen sicherlich eine große Rolle beim Job-Ghosting. 

Grund 3: Eine Art Rache an die Unternehmen

Vielleicht steckt hinter dem unseriösen Verhalten einiger Bewerber dennoch keine geringe Charakterstärke oder schlechtes Benehmen. Vielmehr eine Variante der Rache. Vielleicht möchten einige Bewerber die Unternehmen wachrütteln, den Spiegel vorhalten. Immerhin machen einige Firmen und Unternehmen es mit ihren Bewerbern nicht anders, oder? Wie oft mussten viele Arbeitssuchende schon ein „Wir melden uns“ verkraften, ohne jemals eine Rückmeldung erhalten zu haben.

Und wer weiß, vielleicht regt das Verhalten von potenziellen Mitarbeitern die Arbeitgeber zum Nachdenken an. 

Welche Folgen hat das Job-Ghosting für den Bewerber?

In einigen Situationen hat der Bewerber nichts zu befürchten. Erscheint dieser nicht zu einem vereinbarten Bewerbungsgespräch, kann der Arbeitgeber in der Regel nicht viel machen. Besonders nicht, wenn keinerlei Reaktion vom Bewerber kommt. Allenfalls ist eine Schadenersatzforderung durch das Unternehmen möglich, jedoch dürfte der Nachweis für einen Schaden aufgrund der nicht Absage des Vorstellungsgesprächs schwierig sein. 

Haben Sie bereits ein Angebot angenommen und sogar den Arbeitsvertrag unterschrieben, kann ein nicht Erscheinen am ersten Arbeitstag nicht gänzlich so einfach ablaufen. Einfach von der Arbeit fern bleiben, trotz Arbeitsvertrag ist nicht möglich. Ebenso, können Sie nicht einfach vom unterschriebenen Vertrag zurücktreten. Denn generell gilt der allgemeine Grundsatz, dass Verträge zu erfüllen sind. 

Möchten Sie das Arbeitsverhältnis noch vor Jobantritt beenden, bleibt aufgrund des Vertrags nicht anderes übrig, als eine Kündigung. Eine schriftliche Kündigung kann von beiden Seiten jederzeit erfolgen. Grundsätzlich ist also eine Kündigung ohne Begründung zu jedem Zeitpunkt möglich, sofern diese Art der Kündigung nicht vertraglich ausgeschlossen wurde. 

Wurde eine Probezeit vereinbart, beträgt die Kündigungsfrist mindestens zwei Wochen. Allgemein sind bei einer ordentlichen Kündigung fristen einzuhalten. Generell liegen diese Fristen bei vier Wochen zum Ende des Monats oder zum 15. jedes Monats. 

Welche Folgen hat das Geistern für Unternehmen?

Viele Unternehmen sind auf die Sprunghaftigkeit unzähliger Arbeitnehmer noch nicht eingestellt. Es existieren oft nicht ausreichend gute Angebote, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Dazu zählt eine gute Bezahlung, vernünftige Perspektiven und flexible Arbeitszeiten. Zusätzlich können nicht beeinflussbare Faktoren, wie der Unternehmensstandort, Anfahrt etc. die Wahl auf einen anderen Arbeitgeber fallen lassen.Der Konkurrenzkampf um gute und qualifizierte Arbeitgeber steigt. Vielleicht haben es Unternehmen und Firmen in Zukunft noch häufiger mit Geister-Bewerbern zu tun. 

Bild: Anastasia Klingsiek
Anastasia Klingsiek (48 Artikel)

Anastasia Klingsiek hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf karrieretipps.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig.

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